30 Jahre nach Lichtenhagen: Demonstration für Konsequenzen

Rostock (dpa) - Im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen sind nach Polizeiangaben etwa 3600 Menschen zu einer Demonstration gegen Rassismus zusammengekommen. Anlass sind die rassistischen Ausschreitungen in dem Stadtteil vor 30 Jahren.

Imam-Jonas Dogesch, Sprecher der Demo-Organisatoren, sagte, die politischen Folgen der Ausschreitungen seien immer noch aktuell. So habe die danach beschlossene Asylrechtsverschärfung de facto das Recht auf Asyl abgeschafft. Flüchtlinge seien außerdem immer noch von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgegrenzt. Dogesch erklärte, es bestehe zudem die Gefahr, dass man bei runden Jahrestagen zusammenkommt, einen Redebeitrag hält und Blumen niederlegt - und dann alle nach Hause gehen und das Thema wieder vergessen würden.

Ein Bündnis aus Vereinen und Initiativen hatte in ganz Deutschland für die Demonstration in Lichtenhagen mobilisiert und rechnete vorab mit Tausenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Auf dem Plan steht ein Umzug mit mehreren Kundgebungen.

Im August 1992 hatten Anwohner und Neonazis unter dem Applaus Tausender Schaulustiger die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende und ein Wohnheim für vietnamesische Arbeiter angegriffen und teils in Brand gesetzt. Die Ausschreitungen gelten als die bis dahin schlimmsten rassistischen Übergriffe der deutschen Nachkriegsgeschichte.