30 Grundschüler – nur ein Computer

Auch Achtjährige nutzen digitale Medien – allerdings vor allem zu Hause. In der Schule hängt ihre „Medienschulung“ vom Wissen und der Lust der Lehrer ab. Mitunter verstärken die sogar die Spaltung in der Klasse.


Südkorea hat seine Schulen schon im Jahr 2000 flächendeckend ans Breitband angeschlossen – in Deutschland haben dagegen viele Schulen auch heute nicht mal einen WLAN-Anschluss. Der Bund hat nun einen milliardenschweren Digitalpakt versprochen, die Kultusminister eine Digital-Strategie verkündet. Doch das ist Zukunftsmusik.

Bis auf Weiteres hängt der Einsatz von Computer, Tablet und Smartphone in den Klassenräumen vom einzelnen Lehrer ab und davon, wie weit verbreitet die Technik in der Schule ist. Das gilt gerade auch für Grundschulen. Die Spannbreite ist groß: Manche haben einen zentralen Computerraum, andere ein Gerät im Klassenzimmer, sehr wenige viele Geräte.


Etwa die Hälfte der Kinder nutzt daher nie oder nur höchst selten digitale Medien im Unterricht. In Grundschulen mit mangelhafter Ausstattung müssen sich 20 bis 30 Kinder einen oder zwei Computer teilen, zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung zum Digitalen Lernen in Grundschulen, die dem Handelsblatt vorliegt. Ihre Autoren befragten rund 100 Kinder zwischen acht und zehn Jahren aus zwölf Grundschulen in fünf Bundesländern. Damit ist die Studie auf qualitative Aussagen der Befragten ausgerichtet und nimmt keine quantitative Erfassung der Situation vor.

Die häufige Frage nach dem idealen Einstiegsalter für digitale Medien ist nach Überzeugung der Autoren jedoch längst überholt. Denn außerhalb der Schule sind diese Alltag: Jedes zweite Kind im Alter von sechs bis sieben Jahren sucht wöchentlich im Internet nach schulbezogenen Themen. Das zeigt die jüngste KIM-Studie (Kindheit, Internet, Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest, der regelmäßig die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen erfragt. Bei Acht- bis Neunjährigen sind es schon 60, bei Zehn- bis Elfjährigen sogar 75 Prozent. Auch das Handy wird schon in jungen Jahren regelmäßig benutzt: Unter den Sechsjährigen greifen etwa 42 Prozent täglich zum Handy.


Dringend nötig sei es daher, schon die Grundschullehrer endlich zielgerichtet zu qualifizieren, mahnt die Bertelsmann Stiftung. Schon Grundschulen müssten sich „intensiv damit auseinandersetzen, wie sie solche Medien sinnvoll in ihren Unterrichtsalltag integrieren können.“ Denn nur wenn auch die Grundschüler an und mit den modernen Medien geschult werden, „kann verhindert werden, dass sich soziale Ungleichheiten im digitalen Raum fortsetzen und sogar verstärken“.

Aktuell jedoch herrscht Wildwuchs: Da etwa bei 30 Kindern und einem Computer anspruchsvolle mediendidaktische Konzepte kaum umzusetzen sind, setzen manche Lehrer den Computer nur als Belohnungsinstrument ein. Kinder, die ihre sonstigen Aufgaben im Unterricht erledigt haben, dürfen den Computer dann für zusätzliche Mathe- oder Deutschübungen beziehungsweise Lernspiele nutzen, erzählten sie den Befragern. Damit würden jedoch eher die leistungsstarken Schüler gefördert, so die Autoren. Dass Lehrer den PC bewusst als Anreiz zur Förderung schwächerer Schüler einsetzen, ist hingegen nur vereinzelt der Fall.


Smartphone ist nicht mehr Statussymbol


Das einzige, das überall gilt, ist das generelle und ausnahmslose Verbot eigener Handys und Tablets. Doch auch schon Grundschüler wissen sich zu helfen: „Mein großer Bruder bringt es mit, aber heimlich“, erzählt ein Mädchen. Als Statussymbol gilt ein Smartphone aber offenbar nicht mehr – nur einzelne Schüler hätten mit bestimmten Modellen angegeben und versucht andere zu übertrumpfen, so die Autoren.

Einhellig berichten die Grundschüler, dass es ihnen oft „mehr Spass macht“ mit dem Computer oder Tablet zu lernen, als nur mit Papier. Bestimmte Dinge könnten sie sich schlicht besser vorstellen, wenn sie visualisiert würden. Ein Vorteil sei auch, dass sie am Computer Aufgaben nach ihrem eigenen Tempo und Schwierigkeitsgrad bearbeiten könnten. Lediglich zwei der befragten Gruppen lernten mit Hilfe eines „Internet- und Computerführerscheins“.


Außerhalb der Schule nutzen die Acht- bis Zehnjährigen ein sehr vielfältiges digitales Angebot. Sie schauen gern fern, suchen im Internet nach Lern- und Spielmöglichkeiten oder arbeiten mit Lernspielen, die ihnen von ihren Eltern oder Lehren empfohlen wurden. In den Diskussionen nannten die Kinder häufig Webseiten wie „Schlaukopf“, und „Blitzrechnen“. Auch „BlindeKuh“ wird in der Freizeit gerne genutzt, um zum Beispiel nach Wissensfilmen oder Spielen zu suchen

Messengerdienste wie Whatsapp nutzen allerdings die allerwenigsten Acht- bis Zehnjährigen. Auch Hausaufgaben werden in diesem Alter offenbar noch „voll analog“ erledigt. Bei Problemen fragen sie Eltern, Geschwister oder Klassenkameraden. Manche Grundschüler nutzen zwar Google bei der Recherche für schwierige Hausaufgaben – in der Regel seien sie aber ohne die Hilfe von Eltern oder Geschwistern mit den Ergebnissen überfordert.