3 wichtige Bitcoin-Kennzahlen

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Der Versuch Bitcoin zu analysieren gestaltet sich für so manchen alteingesessenen Investoren als durchaus schwierig. Denn anders als bei Aktien, beziehungsweise den zugrunde liegenden Unternehmen der Aktien, weist Bitcoin als Währung keine Gewinne, keine Cashflows, keine Ergebnisse, oder in kurz keine Geschäftskennzahlen in Bezug auf eine vergangene Prognose aus.

Im Grunde herrscht bei Bitcoin lediglich das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Und um dies seriös analysieren zu können, benötigst du gewiss anders geartete Kennzahlen. Schauen wir im Folgenden mal, welche drei hierbei von Interesse sein könnten:

1) Marktkapitalisierung

Eine Kennzahl, die du bei der Bewertung von Bitcoin auf dem Schirm haben solltest, ist die Marktkapitalisierung der Kryptowährung. Derzeit beträgt diese übrigens 152,9 Milliarden Euro (Referenzdatum: 24.01.2018). Aber dazu später mehr.

Wichtig ist diese Kennzahl, da sie einen objektiven Vergleich zwischen den Kryptowährungen ermöglicht. Die meisten der Kryptowährungen haben neben einem anderen Kursniveau nämlich auch noch eine andere maximale Anzahl an verfügbaren Token. Die Marktkapitalisierung, sprich die Menge aller verfügbaren Token multipliziert mit dem aktuellen Kurs, ermöglicht daher eine Gesamtreferenz, in welchem Wertverhältnis der Bitcoin zu anderen digitalen Münzen steht.

Nebenbei kannst du dir anhand der Marktkapitalisierung auch ausrechnen, was hier passieren muss, damit der Bitcoin um 10, 100 oder 1.000 % steigt. Denn eine Wertsteigerung um gerade einmal 10 % würde in Anbetracht der derzeitigen Marktkapitalisierung bedeuten, dass weitere rund 15 Milliarden Euro in den Bitcoin strömen müssten.

2) Netzwerkgröße

Die Marktkapitalisierung allein betrachtet eignet sich allerdings lediglich, um Bitcoin in ein Verhältnis zu anderen Vergleichswerten zu setzen. Auch wenn das ein erster Anhaltspunkt bei deiner Analyse ist, sollte dieser Wert wohl besser nicht für sich isoliert stehen.

Idealerweise benötigen wir für eine tiefergehende Analyse auch harte Kennzahlen, die nur für den Bitcoin von Relevanz sind. Eine dieser Kennzahlen kann die Netzwerkgröße des Bitcoin sein. Hierunter verstehen wir die Größe, die das Bitcoinnetzwerk ausmacht, sprich die Menge an Personen, die Bitcoin mehr oder minder regelmäßig nutzen oder zumindest besitzen.

Ein Problem dieser Kennzahl könnte prinzipiell in der Ermittlung zuverlässiger Daten liegen. Insgesamt dürfte in dieser Kennzahl aber viel vom intrinsischen Wert des Bitcoin abgebildet sein. Denn, wie gesagt, Bitcoin dreht sich um Angebot und Nachfrage. Und je mehr Nachfrager es gibt, desto höher kann der Wert mitunter steigen.

3) Sekundärindustrie und Akzeptanzstellen

Eng mit der Netzwerkgröße verknüpft dürften auch die Akzeptanzstellen sowie Sekundärindustrie Größen sein, die Bitcoin-Spekulanten bei ihrer Analyse berücksichtigen sollten. Hierunter verstehen wir die Geschäfte, Start-ups, Firmen, die Frittenbude um die Ecke und andere Wirtschaftsakteure, die Bitcoin in ihren Geschäfts- und Zahlungsprozessen anwenden.

Als Währung sollte es nach wie vor ein Ziel von Bitcoin sein, den Weg in den Alltag zu finden. Neben der spekulativen Nutzung muss (sofern man wirklich mit einem Erfolg des Bitcoin rechnet) die digitale Münze irgendwann einmal auch den Weg in den alltäglichen Nutz- und Zahlungsverkehr finden. Weitere Akzeptanzstellen jedweder Art dürften daher auch einen Einfluss auf die künftige Wertentwicklung des Bitcoin nehmen.

Seriöse Analyse dennoch schwierig

Wie ich hoffentlich zeigen konnte, ist eine halbwegs seriöse Analyse des Bitcoin grundsätzlich möglich. Dennoch solltest du gerade bei der hochvolatilen, spekulativen Anlage in Bitcoin beachten, dass die Vernunft mitunter nicht der beste Weg ist, um hier erfolgreich zu sein. In einem Markt, in dem auch Gier und Angst dominierende Faktoren sind, muss diese Variante der fundamentalen Analyse nicht zwingend erfolgversprechend sein.

In diesem Kontext sei auch noch einmal explizit auf die gängigen Risiken im Zusammenhang mit Bitcoin hingewiesen, sowie auf die durchaus vertretbare Sichtweise, dass es mit Bitcoin steil bergab gehen kann. Überleg dir daher gut, ob du hier wirklich deine hart ersparten Mäuse verspekulieren möchtest.

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Vincent besitzt keine der erwähnten Kryptowährungen. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Kryptowährungen.

Motley Fool Deutschland 2018