3 Voraussagen für 2018: Bitcoin-Krieg, Kupfer-Boom und DAX-Aufspaltungen

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Da es schon wieder auf Sylvester zugeht, nutze ich die Gelegenheit, schon mal einen Blick auf 2018 zu werfen, das Jahr in dem Brasilien zum sechsten Mal Fußballweltmeister wird — vielleicht. Hier sind drei Voraussagen, die für Investoren wirklich relevant sind. Zuerst aber ein Blick zurück, was aus meinen Prognosen für 2017 geworden ist.

Bilanz meiner letzten Voraussagen

  • Die Banken-Konsolidierung nimmt weiter Fahrt auf
  • Ein Comeback von Brasilien steht bevor
  • Wasserstoff wird endlich als Energieträger ernst genommen

Ich muss sagen, bei den Banken hätte ich etwas mehr Dynamik erwartet in diesem Jahr. Spekuliert wurde vieles, darunter eine deutsch-französische Fusion oder ein Zusammengehen von Deutscher Bank (WKN:514000) und Commerzbank (WKN:CBK100). Aber wirklich konkret wurde nicht wirklich viel. Immerhin kam es im Bereich der Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu weiteren Konzentrationsprozessen, nachdem bereits 2016 die WGZ und DZ Bank ein Superinstitut gebildet hatten. Zudem kam die Bremer Landesbank bei der NordLB unter. Insgesamt war ich mit der Prognose aber wohl etwas zu früh dran.

Bei Brasilien lag ich aber weitgehend richtig. Tatsächlich schaffte es der südamerikanische Riese, sich aus der Rezession zu ziehen und BBVA Research erhöhte zum Beispiel Mitte des Jahres die Wachstumsprognose für den Zeitraum 2017–2018. Auch der Bovespa Index hat sich über die letzten Quartale sehr ordentlich entwickelt. Zuletzt wurden allerdings wieder die leidigen Themen Misswirtschaft und politische Instabilität hochgekocht, was das Ergebnis etwas trübt.

Und die Wasserstoffwirtschaft? Dafür bildete die interessierte Großindustrie bereits im Januar den mächtigen Hydrogen Council. Jetzt auf der Klimakonferenz in Bonn wurde eine Roadmap vorgestellt, wie sich die Beteiligten das Hochfahren der passenden Infrastruktur vorstellen. Zudem haben Brennstoffzellen-Busse die Schwelle vom Pilotprojekt zur Serienfertigung überschritten und die ersten wasserstoffbetriebenen Züge und Schiffe haben genauso wie einige Power-to-Gas-Projekte für Aufsehen gesorgt. Dass auf dem Gebiet einiges geht, kann man auch an der Börse erkennen: So haben sich beispielsweise die Aktien von Hydrogenics (WKN:A1CSG9) oder Ballard Power Systems (WKN:A0RENB) im Laufe des Jahres mehr als verdoppelt.

Da die Bilanz also insgesamt nicht so schlecht erscheint, denke ich, dass ich einen erneuten Versuch wagen kann.

Meine Prognosen für 2018

1. Der totale Bitcoin-Krieg als letzter spektakulärer Höhepunkt
In diesen Tagen wird die CME Group (WKN:A0MW32) über die Handelbarkeit von Bitcoin-Futures erstmals die Möglichkeit bieten, ernsthaft gegen die Kryptowährung zu wetten. Ich kann mir vorstellen, dass dies zu extremen Turbulenzen führen wird, die das bisher Gesehene noch weit übertreffen.

Zwar werden die allermeisten Bitcoin-Kritiker aufgrund der unabsehbaren Risiken von einer Spekulation zurückschrecken. Aber es genügt schon einer, der der Versuchung nicht widerstehen kann und eine große Anzahl von Futures leerverkauft, in der Hoffnung, das ganz große Geschäft zu machen.

Meine Erwartung ist, dass mächtige und reich gewordene Hintermänner von Bitcoin aus allen Kanonenrohren schießen würden, um das zu torpedieren. Bitcoins werden dann verknappt, um den Preis weiter hochzutreiben und Leerverkäufer zum Aufgeben zu zwingen. Wenn diese sich schließlich eindecken müssen, könnte der Kurs kurzfristig tatsächlich die von einigen Promotern angekündigten 100.000 US-Dollar übertreffen (ein sogenannter Short Squeeze).

Das wiederum würde sowohl neue Leerverkäufer als auch neue Käufer anlocken, sodass sich das Spiel noch ein paar Mal wiederholen könnte. Letztlich würde das alles jedoch so absurd, dass es in sich zusammenbrechen muss — wahrscheinlich bereits vor Ende 2018.

2. Der Kupfermarkt zieht stärker an als vielfach erwartet

Mit breiten Investitionen in Rohstoffe konnte man 2017 kaum große Gewinne machen. Einschlägige ETFs traten ziemlich auf der Stelle und das wird 2018 wahrscheinlich nicht viel anders sein. Bezüglich einzelner Rohstoffe besteht allerdings zum Teil wesentlich mehr Optimismus.

Lithium wird immer mal wieder genannt oder auch Kobalt. Beide Metalle werden im Zuge des Durchbruchs der Elektromobilität voraussichtlich eine erhebliche Nachfragesteigerung erfahren, weil sie in den heute bevorzugten Batterie- und Elektromotor-Typen benötigt werden. Allerdings sind diese Märkte sehr intransparent, weshalb Investitionen dort oft hochspekulativ sind.

Die konservative Alternative stellt für mich Kupfer dar. Das klassische Material erfreut sich steigender Beliebtheit in der Architektur, gilt als Standard für Wasserleitungen und ist in praktisch jeder Maschine und jedem Elektrogerät enthalten. Aber noch wichtiger: der anhaltende Trend zur dezentralen Energieerzeugung und der zukünftig schnell wachsende Verbrauch je Fahrzeug könnten im Verlauf des Jahres 2018 für Überraschungen im Kupfermarkt sorgen.

Der Kupferpreis hat sich zwar über die letzten Monate bereits ein gutes Stück erholt, aber er befindet sich immer noch auf dem Niveau des Durchschnitts der vergangenen Dekade. Dabei steigen die Förderkosten tendenziell, weil der durchschnittliche Kupfergehalt im Erz immer weiter sinkt und die Lohnkosten nach oben gehen. Zwar wirken modernes Gerät und Automatisierungstechnik dem entgegen, aber wohl nur zum Teil. Von daher ist meine Erwartung, dass der Preis je Tonne erheblich anziehen muss, um Investitionen in weitere Förderkapazitäten zu motivieren.

3. DAX-Konzerne werden über Abspaltungen interessante Töchter investierbar machen

Aktivistische Investoren fordern schon lange, dass Mischkonzerne Maßnahmen ergreifen, um sich ein schärferes Profil zu geben. Immer mehr Unternehmenslenker kommen diesem Wunsch auch nach. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Beispiele, von Innogy (WKN:A2AADD) über Siemens Gamesa (WKN:A0B5Z8) bis Metro (WKN:BFB001).

Hier sind ein paar Ideen für 2018:

  • Schon bekannt ist, dass die Commerzbank über die Veräußerung oder den Börsengang der ETF-Tocher ComStage nachdenkt.
  • Immer wieder gefordert wird, dass Volkswagen (WKN:766403) den Maschinen- und Anlagenbauer MAN Diesel & Turbo abspaltet. Ich denke, ein teilweiser Börsengang wäre ein guter Kompromiss.
  • Continental (WKN:543900) hat IT, Mechanik, Elektrotechnik und Gummi im Portfolio. Aus meiner Sicht gehören die Reifen an die Börse.
  • Nachdem die Münchener Rück (WKN:843002) ihr Erstversicherungsgeschäft nun gründlich restrukturiert hat, erscheint die Gelegenheit günstig, sich zumindest teilweise von ERGO zu trennen.
  • Siemens (WKN:723610) ist sowieso immer für einen weiteren Deal gut. Zunächst stehen aber der Healthineers-IPO und die Fusion mit Alstom (WKN:A0F7BK) an.

Und sonst?

Wird der Brexit abgesagt? Gibt es bei uns Neuwahlen? Hält Trump noch ein weiteres Jahr durch? Kommt doch noch der große Crash? Möglich ist vieles, aber als Anleger sollten wir uns in diesem Gewirr der Möglichkeiten mehr denn je auf die Qualität der Unternehmen konzentrieren, in die wir investieren und unkalkulierbare Wetten meiden. Dann wird bestimmt auch 2018 wieder ein profitables Jahr.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2017