3 Gründe, warum Pfizer Celgene 2018 kaufen sollte

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Man könnte meinen, dass es eine verrückte Idee ist. Aber manchmal sind es verrückte Ideen, die am Ende die besten sind. Pfizer (WKN:852009) sollte 2018 Celgene (WKN:881244) kaufen.

Zugegeben, es gibt eine große Hürde bei einem Deal wie diesem. Celgenes Marktkapitalisierung liegt bei fast 80 Milliarden US-Dollar. Pfizers Bargeldreserven (einschließlich Bargeld, Bargeldäquivalente und kurzfristige Anlagen) lagen zum 1. Oktober bei knapp unter 17 Milliarden US-Dollar. Der große Pharmakonzern hat bereits fast 44 Milliarden US-Dollar Schulden. Der Kauf von Celgene würde Pfizer finanziell sicherlich belasten.

Ich denke, Pfizer könnte das schaffen. Und ich denke, dass es einige große Pluspunkte für eine Fusion dieser beiden Unternehmen gibt. Hier sind drei wichtige Gründe, warum Pfizer Celgene im kommenden Jahr kaufen sollte.

1. Es würde das Wachstum deutlich ankurbeln

Das Ertragswachstum von Pfizer war in den letzten Jahren nichts Besonderes. Der auslaufende Patentschutz forderte einen schweren Tribut von dem Arzneimittelhersteller — und tut dies bis zu einem gewissen Grad immer noch. Sogar mit Pfizers Übernahmen von Medivation und Anacor im vergangenen Jahr, gehen Analysten davon aus, dass das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren nur um 6 % wachsen wird.

Celgene hingegen rechnet bis 2020 mit einem jährlichen Wachstum beim Umsatz von 14,5 % und beim bereinigten Gewinn pro Aktie von 19,5 % pro Jahr. Die Blutkrebsmedikamente Revlimid und Pomalyst erfreuen sich weiterhin solider Verkaufzahlen. Selbst nach einem Scheitern von GED-0301 bei der Behandlung von Morbus Crohn im Spätstadium ist die Biotech-Pipeline voll mit potenziellen Blockbustern, darunter Ozanimod, Luspatercept, bb2121 und Marizomib.

Der Kauf von Celgene würde das Wachstum von Pfizer deutlich steigern. Pfizer ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr einen Umsatz von rund 52 Milliarden US-Dollar zu erwirtschaften. Der Umsatz von Celgene dürfte bis 2020 mindestens 19 Milliarden US-Dollar betragen, verglichen mit etwa 13 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017. Am eindrucksvollsten wäre jedoch das Ergebnis von Pfizer. Das Unternehmen wird in diesem Jahr voraussichtlich rund 12 Milliarden US-Dollar verdienen. Celgene sollte in drei Jahren fast 9 Milliarden US-Dollar an Nettoeinkommen erwirtschaften.

Was ist mit der Finanzierung? Pfizer macht das schon. Denke daran, dass dies das Unternehmen ist, das in der Vergangenheit mit Allergan und AstraZeneca fusionieren wollte. Weder haben diese Arzneimittelhersteller hohe Gewinnmargen noch haben sie die Wachstumsaussichten, die Celgene bietet.

2. Das passt einfach

Pfizer will seine Position in der Onkologie weiter ausbauen. Mit dem Brustkrebs-Medikament Ibrance und dem Prostatakrebs-Medikament Xtandi verfügt es über zwei aufstrebende Medikamente. Die Verkäufe für die Chemotherapie Sutent sind jedoch rückläufig und dürften mit neuen Konkurrentprodukten noch stärker zurückgehen. Während Pfizer und sein Partner Merck KGaA mehrere Studien im Spätstadium für Bavencio zur Behandlung mehrerer Krebsarten in Arbeit haben, erlitt die Immuntherapie kürzlich einen Rückschlag in einer Spätstadium-Studie gegen Magenkrebs.

Eine Übernahme von Celgene würde Pfizers eine Menge aktueller und potenzieller Blockbuster-Krebsmedikamente verschaffen. Es gibt kaum Überschneidungen zwischen den Portfolios der beiden Unternehmen und den Pipelines in der Hämatologie. Anders sieht es bei den Tumoren aus, da Celgene Abraxane hat. Allerdings würde Pfizer wahrscheinlich gerne Celgenes experimentelles Glioblastom-Medikament Marizomib sowie CC-486, das auf die Behandlung von metastasierendem Brustkrebs und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs abzielt, in seinem Arsenal haben.

Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass Celgene weltweite Rechte an Beigenes PD-1-Inhibitor BGB-A317 besitzt. Wenn es mehr klinische Rückschläge für Bavencio gibt, könnte BGB-A317 ein großer „Plan B“ sein. Selbst wenn nicht, könnte sich ein eigenes Medikament von den anderen PD-1-Inhibitoren abheben, indem es weniger Nebenwirkungen hat, die die Wirksamkeit herabsetzen.

Der größere Konflikt zwischen den Pipelines der beiden Unternehmen liegt in den Bereichen Entzündung und Immunologie. Celgenes Otezla tritt gegen Pfizers Xeljanz an. Beide Unternehmen entwickeln auch neue Medikamente, die auf die gleichen Indikationen abzielen. Noch ist Celgenes beste Aussicht in dieser therapeutischen Kategorie Ozanimod, das höchstwahrscheinlich eine erste Zustimmung für die Behandlung von Multipler Sklerose gewinnen wird — eine Indikation, die sich im Augenblick nicht in Pfizers Fokus befindet.

Ich würde nicht sagen, dass die Produktpaletten und Pipelines von Pfizer und Celgene perfekt zusammenpassen. Insgesamt gesehen würde Pfizer jedoch viel gewinnen, wenn das Unternehmen Celgenes Medikamente hätte.

3. Das Timing könnte gerade am besten sein

Es gibt mehrere Faktoren, die das Timing günstiger als jemals zuvor machen. Erstens ist Celgene gerade billiger als noch vor einer Weile — infolge panischer Investoren, nachdem es Probleme mit GED-0301 und Otezla gegeben hatte.

Zweitens scheinen die Aussichten für die Unternehmenssteuerreform in den USA recht gut zu sein, auch wenn es immer noch möglich ist, dass es nicht dazu kommt. Pfizer hält einen erheblichen Teil seines Bargeldes im Ausland, so dass ein niedrigerer Steuersatz für die Rückführung dieses Geldes ideal sein könnte, um das Geschäft voranzutreiben.

Drittens denke ich, dass es offensichtlich ist, dass Pfizer bestrebt ist, etwas Großes zu tun. Wie bereits erwähnt, versuchte das Unternehmen vor drei Jahren, AstraZeneca für 118 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Pfizer verwarf seine Pläne, Allergan zu erwerben, erst, nachdem die US-Regierung die Politik geändert hatte, die jegliche Steuervorteile aus dem Deal minimierte. Die Führungskräfte von Pfizer gaben kürzlich an, dass sie bei Übernahmen „agnostisch“ seien, was so interpretiert werden könnte, als hätten sie überhaupt keine Angst, einen weiteren Versuch für eine große Übernahme zu unternehmen.

Wird es passieren?

Ich habe keine Ahnung, ob Pfizer tatsächlich eine Übernahme von Celgene ins Auge fasst. Es gab einige Spekulationen, dass der Medikamentenhersteller eher versuchen würde, Bristol Myers Squibb (WKN:850501) zu kaufen. Pfizer und Bristol haben bereits eine Beziehung durch ihre Partnerschaft mit dem Blutverdünner Eliquis. Trotz des enorm erfolgreichen PD-1-Inhibitors Opdivo verfügt Bristol jedoch weder über die Pipeline noch über die Wachstumsaussichten von Celgene. Das Unternehmen ist im Moment auch ein bisschen teurer als Celgene.

Die Chancen einer Pfizer-Celgene-Fusion sind wahrscheinlich nicht so hoch. Aber gibt es eine Chance? Ich denke schon. Als Aktionär von Pfizer und Celgene würde ich das gerne sehen. Meiner Ansicht nach gibt es für die Investoren beider Unternehmen die Möglichkeit, dabei zu profitieren.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Celgene.

Dieser Artikel wurde von Keith Speights auf Englisch verfasst und am 04.12.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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