3 Gründe, warum Investoren sich über den 70-prozentigen Kursrückgang von Spotify keine Sorgen machen sollten

Wichtige Punkte

  • Spotifys Nutzerzahlen wuchsen im ersten Quartal in einem soliden Tempo.

  • Das Wachstum der Werbeeinnahmen übertrifft das Wachstum der konsolidierten Einnahmen.

  • Der Podcast-Konsum hat ein neues Allzeithoch erreicht.

Im Jahr 2022 sind die Anleger ungeduldig gegenüber Unternehmen, die auf Wachstum setzen und keine aktuellen Gewinne ausweisen. Viele dieser wachstumsstarken Technologie- und Internetaktien sind in diesem Jahr unter die Räder gekommen und haben in nur wenigen Monaten 50 % oder mehr verloren. Spotify (WKN: A2JEGN, -1,00 %) ist einer von ihnen. Die Audioplattform meldete gerade ein starkes Wachstum bei den Ergebnissen des ersten Quartals, aber die Anleger beschlossen, die Aktie zu verkaufen, weil es keine Fortschritte bei der Ausweitung der Bruttomargen und der Erzielung bedeutender Gewinne gab. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels ist die Aktie im bisherigen Jahresverlauf um satte 60 % gefallen und erreichte heute bei Börsenschluss ein Allzeittief von etwa 97 US-Dollar pro Aktie.

Ein enormer Kursrückgang ist nie lustig, gehört aber manchmal dazu, wenn man eine unrentable Aktie hält. Hier sind drei Gründe, warum Anleger wegen des jüngsten Rückgangs der Spotify-Aktie nicht in Panik geraten sollten.

1. Das Nutzerwachstum hält an

Spotify zeigt nach wie vor keine Anzeichen dafür, dass sich das Wachstum seiner Nutzerbasis auf der ganzen Welt verlangsamt. Im ersten Quartal 2022 stieg die Zahl der monatlich aktiven Nutzer (MAUs) auf 422 Millionen und damit um 19 % im Vergleich zum Vorjahr. Ohne die geschätzte Doppelzählung von 3 Millionen MAUs während eines Serviceausfalls im März lag die Zahl der MAUs in diesem Zeitraum bei 419 Millionen. Beide Zahlen übertrafen Spotifys vorherige Prognose fürs erste Quartal von 418 Millionen. Laut dem Aktionärsbrief zum ersten Quartal wurde dieses Wachstum durch die Zuwächse in Brasilien, Mexiko und Indonesien angeführt.

Das Nutzerwachstum ist für das Geschäft von Spotify von entscheidender Bedeutung, da es die Spitze des Trichters bildet, über den die Nutzer schließlich zum Kauf des werbefreien Premium-Abonnementdienstes gelangen. Im ersten Quartal stieg die Zahl der Premium-Abonnenten im Vergleich zum Vorjahr um 15 % auf 182 Millionen. Dies lag zwar unter der Prognose von 183 Millionen Abonnenten und ist somit kein Highlight für den Berichtszeitraum, aber der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer (ARPU) stieg im Jahresvergleich um 6 %, was für die meisten Investoren ein Plus sein dürfte. Zu beachten ist auch, dass sich Spotify aufgrund des Einmarsches in der Ukraine komplett aus Russland zurückgezogen hat. Dies wird sich im Jahr 2022 mit 1,5 Millionen Abonnenten negativ auf das Premium-Geschäft auswirken.

2. Wachstum der Werbeeinnahmen

Zweitens haben wir es mit einer anhaltenden Outperformance des Werbegeschäfts zu tun, dessen Umsatz im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 31 % auf 297 Mio. US-Dollar gestiegen ist. Ohne die Beeinträchtigungen durch den Russland-Ukraine-Konflikt wäre der Umsatz um etwa 35 % gestiegen. Die Werbung macht derzeit nur 11 % des Gesamtumsatzes von Spotify aus, wächst aber schneller als das Premium-Geschäft, das im ersten Quartal um 23 % im Vergleich zum Vorjahr zulegte.

Das Werbegeschäft von Spotify wächst so schnell, weil das Unternehmen im vergangenen Jahr das Spotify Audience Network (SPAN) eingeführt hat. Der Marktplatz ermöglicht es Werbetreibenden, dynamisch zielgerichtete Audiowerbung in Podcasts und Musik zu schalten, was eine große Verbesserung gegenüber dem alten Spotify-Werbemodell darstellt. Die Unternehmensleitung hat keine genauen Angaben gemacht, sagt aber, dass die Erwartungen übertroffen werden. Die Investoren sollten davon ausgehen, dass SPAN in den nächsten Jahren einen größeren Anteil am Gesamtgeschäft von Spotify haben wird.

3. Podcast-Engagement

Da Spotify sein Podcast-Geschäft über Werbung monetarisiert, ist die wichtigste Kennzahl für den Erfolg nicht unbedingt die Anzahl der MAUs, sondern die Anzahl der Stunden, die mit dem Hören von Podcasts auf der Plattform verbracht werden. Im ersten Quartal hat Spotify in dieser Hinsicht weitere Fortschritte gemacht.

Es gibt jetzt 4 Millionen Podcasts auf Spotify, 53 % mehr als im Vorjahr. Wie CEO Daniel Ek in der Telefonkonferenz erklärte, kommt das Wachstum der Podcasts aus Schwellenländern wie Lateinamerika und Asien, was ein gutes Zeichen dafür ist, dass Podcasts zu einem wirklich globalen Geschäft werden. Mittlerweile gibt es 1.150 originale und/oder exklusive Sendungen auf Spotify, womit sich das Unternehmen von anderen Podcast-Diensten abheben will. Und schließlich, was wahrscheinlich am wichtigsten ist, hat der Anteil der Podcasts an den gesamten Nutzungsstunden im letzten Quartal ein Allzeithoch erreicht. In einem Musikgeschäft, das nicht langsam wächst, ist das für mich ein Hinweis darauf, dass die Podcast-Hörstunden auf Spotify derzeit rasant zunehmen, was für ein Unternehmen, das einen soliden Werbemarkt aufbauen will, eine fantastische Nachricht ist.

Bedenken hinsichtlich der Bruttomargen

Nutzer-, Werbe- und Podcast-Wachstum sind derzeit die Highlights des Spotify-Geschäfts. Aber die Investoren werden zunehmend unruhig wegen der mangelnden Leistung beim Gewinn. Die Bruttomarge lag im ersten Quartal bei 25,2 % und ist damit im Vergleich zum Vorjahr gesunken, wobei die Investitionen in Podcasts derzeit die Umsatzkosten belasten. In den letzten Jahren hat die Geschäftsführung von Spotify immer wieder behauptet, dass das Unternehmen langfristig Bruttomargen von bis zu 40 % erzielen kann, wenn es seine Discovery-Tools und seinen Werbemarktplatz ausbaut. Bisher sind jedoch nur sehr geringe Fortschritte in den Jahresabschlüssen zu erkennen. Da die Anleger weniger bereit sind, eine Aktie zu kaufen, die keine aktuelle Rendite aufweist, ist es nicht verwunderlich, dass der Aktienkurs von Spotify ein Allzeittief erreicht hat.

Das soll nicht heißen, dass Spotify Geld verpulvert. Das Unternehmen erwirtschaftet regelmäßig einen positiven freien Cashflow, auch wenn dieser im ersten Quartal nur 23 Mio. US-Dollar betrug, verglichen mit einer Marktkapitalisierung von 18,6 Mrd. US-Dollar. Spotify läuft nicht Gefahr, bankrott zu gehen, aber es erwirtschaftet immer noch keine großen Gewinne.

Für Investoren wird es wichtig sein, die Bruttomargen, die operativen Margen und die Cashflow-Margen in den nächsten drei bis fünf Jahren zu beobachten. Wenn du aber an das langfristige Wachstum des Musik-, Werbe- und Podcast-Geschäfts glaubst und dir keine Sorgen darüber machst, wie die Bruttomargen heute aussehen, könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein, um eine Position in Spotify-Aktien zu eröffnen.

Der Artikel 3 Gründe, warum Investoren sich über den 70-prozentigen Kursrückgang von Spotify keine Sorgen machen sollten ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Dieser Artikel wurde von Brett Schafer auf Englisch verfasst und am 30.04.2022 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können. Brett Schafer hat Positionen in Spotify Technology. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Spotify Technology.

Motley Fool Deutschland 2022

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