Die 3 ehrgeizigsten Projekte zum Thema Blockchain

Motley Fool Investmentanalyst

Im vergangenen Jahr waren virtuelle Währungen wie entfesselt und lieferten Renditen, die noch nie ein Anleger zuvor gesehen haben dürfte – zumindest nicht in einem Zeitraum von 12 Monaten. Von Anfang bis Ende stiegen die Krypto-Währungsbewertungen um fast 600 Milliarden Dollar, was einer Wertsteigerung von mehr als 3.300 % entspricht. Zum Vergleich: Der Aktienmarkt erzielt eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7 %, inklusive Wiederanlage der Dividende und inflationsbereinigt. Mit anderen Worten: Virtuelle Währungen haben jede andere Anlageklasse mit Lichthupe überholt.

Dafür verantwortlich waren zahlreiche Faktoren, etwa ein schwächerer Dollar. Trotzdem war der Aufstieg der Blockchain-Technologie bei weitem der wichtigste Treiber.

Blockchain-Technologie in Kürze erklärt

Was aber ist Blockchain-Technologie überhaupt? Einfach gesagt, ist es ein digitales, verteiltes und dezentrales Verzeichnis, das Transaktionen und Daten auf transparente und unveränderliche Weise protokolliert, ohne dass ein Finanzinstitut als Vermittler fungieren muss. Mit anderen Worten, es handelt sich um eine völlig neue Art der Abwicklung von Transaktionen, die keine Nutzung bestehender Bankennetzwerke erfordert.

Warum aber sollten wir überhaupt über die bestehenden Bankennetzwerke hinausgehen? In erster Linie darum, weil einige Menschen das derzeitige System als fehlerhaft erachten. Wenn Banken beispielsweise während einer Transaktion als Dritte auftreten, ziehen sie dabei Transaktionsgebühren ab. Darüber hinaus können Überweisungen einige Zeit in Anspruch nehmen, bis sie nach dem derzeitigen System validiert und abgerechnet sind. Wenn Geld ins Ausland geschickt wird, kann es bis zu fünf Werktage dauern, bis die Transaktion validiert und abgewickelt ist, was für Verbraucher und Unternehmenskunden als zu langsam empfunden wird.

Deswegen also nun die Blockchain. Die drei Schlüssel zur Blockchain sind Dezentralisierung, Einfachheit und Schnelligkeit. Als dezentrales Netzwerk, in dem Daten auf Computern auf der ganzen Welt gespeichert werden, im Gegensatz zu einem zentralen Hub, stellt Blockchain sicher, dass kein einzelner Teilnehmer jemals in der Lage sein wird, die Kontrolle über die Mehrheit zu erlangen. Als nächstes vereinfacht es Prozesse, indem z.B. Überweisungen nur zwischen Sender und Empfänger vorgenommen werden. Ohne Bankgebühren sollten die Transaktionskosten sinken. Da die Transaktionen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche validiert werden, können sie sehr schnell abgewickelt werden – in einigen Fällen in Echtzeit.

Drei der ambitioniertesten Blockchain-Projekte

Während Blockchain vor allem in der Finanzwelt bekannt wurde, kann die Technologie als Grundlage für Anwendungen in vielen anderen Bereichen genutzt werden. Die spannendsten Blockchain-Projekte, die derzeit entwickelt werden, haben auch nichts mit digitalen Währungen zu tun. Da das Potenzial der Technologie nur durch die Phantasie der Entwickler begrenzt ist, sind hier drei der ehrgeizigsten Blockchain-Projekte, die derzeit im Gange sind.

1 Erstellung eines Registers zur Unterstützung der Arbeitnehmerrechte

Das wohl spannendste Projekt ist eines, das derzeit vom Getränkekonzern Coca Cola (WKN:850663), dem US-Außenministerium und einer Handvoll Partnern entwickelt wird. Ziel ist es, ein Register für Zuckerlieferanten im Ausland einzurichten, um sicherzustellen, dass die Arbeitgeber ihre Arbeitsverträge einhalten. Bis 2020 wird Coca-Cola Daten über Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Rechte aus 28 Länderstudien zur Verfügung stellen; das US-State Department wird seine Arbeitsexpertise einbringen; und die anderen Partner – Emercoin und Bitfury Group – werden das auf Blockchain basierende Register aufbauen.

Im Mittelpunkt dieses Projekts steht die Idee des „Smart Contracts“ – eine Reihe von Protokollen, die die Verhandlung eines Vertrags verifizieren, erleichtern oder durchsetzen sollen. Diese Verträge, die die Dauer der Arbeit, die Bezahlung und den Umfang der auszuführenden Arbeiten einschließen könnten, würden in einem transparenten und sicheren Blockchain-Register gespeichert, anstatt dass die Arbeitnehmer sich bereit erklären, die Bedingungen auf Papier, das gefälscht und geändert werden kann, zu akzeptieren – oder gar mündlich. Dies soll die Arbeitgeber dazu veranlassen, die Verträge mit ihren Angestellten besser einzuhalten.

Angesichts der Tatsache, dass weltweit fast 25 Millionen Menschen in Zwangsarbeitssituationen arbeiten (laut der Internationalen Arbeitsorganisation) und dass die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, in der Coca-Cola tätig ist, zu den größten Nutzern von Zwangsarbeit zählt, könnte dieses Projekt eine große Sache sein.

Einerseits kann ein Blockchain-Register Arbeitgeber nicht zwingen, ihre Verträge mit Arbeitnehmern einzuhalten. Es würde jedoch ein System schaffen, das die Arbeitgeber letztendlich zu mehr Fairness gegenüber ihren Arbeitnehmern zwingen könnte.

2 Erstellen von digitalen IDs zur Personenidentifizierung

Mitte Februar kündigte der Software-Riese Microsoft (WKN:870747) über einen Blog-Post seine Absicht an, mit Hilfe von Blockchain dezentrale IDs innerhalb seiner Authenticator-App zu entwickeln, die bereits von Millionen von Menschen genutzt wird. Es handelt sich um einen einfachen Token oder Code, der als zusätzliche Sicherheitsschicht für einen wiederkehrenden Benutzer oder ein Gerät verwendet wird.

Warum dezentrale IDs? Ganz einfach: Mehr als 1 Milliarde Menschen weltweit können ihre Identität nicht nachweisen. Das macht es für sie äußerst schwierig, Zugang zu grundlegenden Bankdienstleistungen zu erhalten, Unternehmen zu gründen, zu reisen, eine Krankenversicherung zu erhalten oder vielleicht sogar von einem Arbeitgeber fair behandelt zu werden. Die Bereitstellung von Mitteln zur Speicherung von ID-Informationen auf einer unveränderlichen Blockkette und der Zugriff über einen digitalen Code würde jede Person in die Lage versetzen, ihre eigene digitale Identität zu kontrollieren und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Identität zu überprüfen, wann immer dies erforderlich ist.

Darüber hinaus könnte die von Microsoft entwickelte Initiative für digitale IDs es Entwicklern ermöglichen, Anwendungen und Dienste anzupassen, bei denen weniger Informationen einer Person überprüft werden müssen, bevor der Zugriff auf eine Anwendung möglich ist.

Zugegeben, Microsoft fängt gerade erst mit diesem riesigen Projekt an, also wird es noch einige Zeit dauern, bis es einen großen Fortschritt zu berichten gibt. Aber wenn es gelingt, eine Blockchain-basierte ID in seine Authenticator-App zu integrieren und ein Mittel zu finden, um die Leute, die sich bemühen, ihre Identität zu verifizieren, in Verbindung zu bringen, hat diese Idee eine Chance, die Welt zu verändern.

3 Ein Marktplatz für die gemeinsame Nutzung von Daten

Sogar Krypto-Währungsentwickler kommen ins Spiel. An interessanten Blockchain-Projekten der Schöpfer virtueller Währungen mangelt es nicht, aber ganz besonders ambitioniert ist der Data Marketplace von IOTA.

Im November gab die IOTA Foundation bekannt, dass man eine Beta-Version eines „Datenmarktplatzes“ geschaffen hat – einen Ort, um ungenutzte Daten zu teilen oder zu verkaufen. Während wir Online-Plattformen haben, auf denen wir Waren kaufen und verkaufen können, gab es dieses Marktkonstrukt nicht wirklich für immaterielle Güter wie Ideen und Daten. Was IOTA Ende November veröffentlichte, zielt darauf ab, dies mit einem System zu beheben, das es erlaubt, ungenutzte Daten zu finden und nützlich zu sein. Das Beste daran ist, dass auf der IOTA-Plattform keine Transaktionsgebühren anfallen und damit eines der größten Hindernisse für die Nutzung von Blockchain beseitigt wird.

Darüber hinaus wird der Datenmarktplatz ein Mittel für miteinander verbundene drahtlose Geräte, besser bekannt als das Internet der Dinge (IoT), sein, um Speicher, Strom, Sensordaten und sogar Analysen zu handeln. Da wir immer mehr Maschinen entwickeln, die in der Lage sind, Entscheidungen auf der Grundlage intelligenter Vertragsprotokolle zu treffen, könnte der Data Marketplace theoretisch dazu beitragen, dass das IoT mit höchster Effizienz arbeitet.

Verständlicherweise befindet sich dieses Projekt noch in einem sehr frühen Stadium des Testprozesses. IOTA hat mehr als 35 Teilnehmer, die Feedback geben, aber kurz nach dem Beta-Start hat es ein paar Hürden gegeben, wobei die Validierung der Transaktionen sehr lange gedauert hat. Wir sollten es als das schätzen, was es nach wie vor ist: ein spannender Work-in-progress.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 19.4.18 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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