3 Dinge, auf die man bei den übermorgen veröffentlichten Daimler-Geschäftszahlen achten muss

Sven Vogel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Am Donnerstag bietet Daimler (WKN:710000) auf der jährlichen Bilanzpressekonferenz einen Einblick in die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres. Die Ergebnisse eines einzelnen Quartals oder eines einzelnen Jahres erscheinen vor den bedeutenden Umwälzungen der Automobilbranche als vernachlässigbar.

Dennoch lohnt sich ein Blick darauf, wo Daimler Fortschritte macht und wo vielleicht auch nicht. Dabei sollten Investoren ganz besonders auf drei Kennzahlen achten: die Absatzzahlen, die Gewinnmarge und die Kundenanzahl bei Mobilitätsdienstleistungen.

Die Absatzzahlen

Auch wenn Elektromobilität, autonomes Fahren und Mobilitätsdienstleistungen derzeit häufig besprochene Schlagworte sind, so ist der Verkauf von Autos, Trucks, Vans oder Bussen noch immer das Tagesgeschäft und die Haupteinnahmequelle der Fahrzeugbauer – auch bei Daimler.

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 waren die Verkaufszahlen in allen Segmenten wirklich hervorragend. In einer vorläufigen Ankündigung zu den Automobil-Verkaufszahlen des Jahres 2017 verkündete Daimler mit 2,4 Millionen ausgelieferten Einheiten bereits vor einigen Tagen das siebte Erfolgsjahr in Folge.

Auch wenn das Automobilsegment beinahe 60 % zu den gesamten Umsätzen beisteuert, so sollten wir dringend auch die Absatzzahlen von Vans, Bussen und Trucks beachten. Im dritten Quartal 2017 war in diesen Sparten das Absatzwachstum gegenüber dem Vorjahresquartal nämlich deutlich stärker als im Automobilbereich.

Die Gewinnmarge

Steigende Absatzzahlen sind zweifelsfrei eine schöne Sache. Müssen diese allerdings durch hohe Rabatte oder sinkende Listenpreise erkauft werden, trübt das die Freude deutlich ein. Daher sollte neben dem reinen Umsatzwachstum unbedingt die Gewinnmarge beachtet werden.

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 konnte Daimler diese im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,9 Prozentpunkte auf 9,4 % steigern. Den Vergleich mit BMW kann Daimler damit zwar nicht gewinnen, dennoch ist das ein respektabler Wert.

Die Gewinnmarge bringt mich nun auch zu einem Punkt, dem in der Finanzberichterstattung oftmals sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. In meinen Augen gar viel zu wenig Aufmerksamkeit.

Die Kundenanzahl bei Mobilitätsdienstleistungen

Neben der technischen Weiterentwicklung der unterschiedlichen Konzernmarken investiert Daimler viel Geld und Zeit in Mobilitätsdienstleistungen. Im vergangenen Jahr wurde eine Kooperation mit dem amerikanischen On-Demand-Mitfahrdienst Via sowie die gemeinsame Erschließung des europäischen Marktes verkündet. Auch die Minderheitsbeteiligung an Turo, dem führenden Marktplatz zur privaten Vermietung von Fahrzeugen in den USA, erweitert das Engagement von Daimler in diesem Bereich.

Die wichtigsten Mobilitätsservices bei Daimler sind aber unbestritten das Car-Sharing-Angebot Car2Go mit beinahe 3 Millionen Nutzern und myTaxi mit beinahe 10 Millionen registrierten Nutzern. Die Wirtschaftlichkeit dieses Geschäfts hängt ganz besonders an der Anzahl der Nutzer. Steigende Nutzerzahlen in diesem Bereich sollten daher auch der Gewinnmarge des Gesamtkonzerns helfen.

Dazu passen auch die Fusionsgerüchte mit DriveNow, dem Car-Sharing-Dienst von BMW. Eine solche Fusion, wie immer sie auch im Detail ausgestaltet sein wird, dürfte in Verbindung mit weiter steigenden Nutzerzahlen der Profitabilität der beiden Häuser auf die Sprünge helfen.

Was wir nicht vergessen sollten

Sicherlich sind die Zahlen des vergangenen Jahres wichtig. Sie bieten auch einen interessanten Einblick in die Fortschritte des Konzerns. Aber, egal wie gut oder schlecht die Zahlen nun auch immer ausschauen mögen, wir sollten dabei nicht die anstehenden Herausforderungen vergessen.

Die Autobranche wird sich in den kommenden Jahren verändern. Wie schnell oder langsam diese Veränderung nun von statten geht, darüber sind sich die Experten uneinig. Dennoch sollten wir die Zahlen und Präsentationen von Daimler auch immer im Kontext dieser Veränderungen betrachten.

Wie äußert sich das Management über die Entwicklungen und die eigenen Fortschritte bei Elektromobilität, vernetzten und autonomen Fahrzeugen und Mobilitätsdienstleistungen. Das sind die Themen, die meiner Meinung nach den Erfolg oder Misserfolg von Daimler im kommenden Jahrzehnt beeinflussen werden.

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Sven besitzt Aktien von BMW und Daimler. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.

Motley Fool Deutschland 2018