Mit 28 Jahren! Solbach winkt Aufstieg in die MLB

Matthias Ondracek

Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Zumindest im Fall von Markus Solbach. Im vierten Anlauf als US-Profi steht der deutsche Baseballer kurz vor dem ganz großen Durchbruch. (Alles Wichtige zur MLB)

Bei der Saisonvorbereitung durfte der Werfer schon einmal hineinschnuppern in das Konzert der Großen. Die Nominierung für den erweiterten Kader des MLB-Teams der Los Angeles Dodgers scheint nur noch eine Frage der Zeit.


"Das wäre natürlich der nächste Schritt", erklärt der gebürtige Dormagener SPORT1. "Hoffentlich kann ich eine gute Saison spielen, um nächstes Jahr dann komplett ins Major-League-Camp im Spring Training eingeladen zu werden. Das ist auf jeden Fall mein Jahresplan. Und gesund zu bleiben ist natürlich auch immer wichtig, aktuell mehr denn je", fährt Solbach fort.

Erste Schritte im Team von Kepler

Dabei ist der Werdegang des Rheinländers durchaus ungewöhnlich. Im Jahr 2011 begann die Profi-Karriere des Pitchers. Die Minnesota Twins - damals wie heute Klub des momentan einzigen deutschen MLB-Profis Max Kepler – sicherten sich die Dienste Solbachs. Gerade einmal zwei Jahre dauerte die US-Karriere des zuvor bei den Pulheim Gophers in der Bundesliga aktiven Rechtshänders an.


"Als ich mit 18 bei den Twins war, war ich ein junger, unerfahrener Spieler und habe es einfach genossen, da zu sein", erinnert sich Solbach im Gespräch mit SPORT1. "Die Entlassung hat mir nochmal so einen kleinen Kick gegeben und ich dachte mir, das kann es noch nicht gewesen sein", sagt der 1,96-Meter-Hüne heute.

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Was folgte, war ein erneuter Profi-Vertrag. Diesmal bei den Arizona Diamondbacks. Gleich zweimal nahm die MLB-Organisation den deutschen Ausnahmewerfer unter Vertrag: 2014 und 2016. Erneut kam Solbach aber nicht über Kurzaufenthalte im Profi-Dasein hinaus.

"Bei den Diamondbacks habe ich super angefangen, mich aber irgendwann so ein bisschen als Lückenfüller gesehen. Ich wurde hin und her geschickt und hatte das Gefühl, dass ich ausgenutzt werde", erklärt der 28-Jährige: "Das machen viele Organisationen, gerade bei Spielern, die für nicht so viel Geld unterschrieben haben." 2016 war auch die zweite Profi-Karriere des deutschen Nationalspielers vorbei.

Bester Werfer in Australien

Zunächst sah es tatsächlich so aus, als ob es das gewesen wäre mit dem großen Traum. Aufenthalte in US-amerikanischen Independent Leagues wechselten sich mit Einsätzen für die Bonn Capitals in der Bundesliga ab. 2018 feierte der Rheinländer mit den Ex-Hauptstädtern die Deutsche Meisterschaft. Wie schon 2011 und 2013 heuerte er daraufhin im Winter in Australien an. Dort wurde Solbach zum besten Werfer der Liga gekürt.


Nicht zuletzt diese Ehre brachte ihm einen neuerlichen Profi-Vertrag in den USA ein. Die Los Angeles Dodgers gaben Solbach seine insgesamt vierte Chance in der Minor League. Und diesmal scheinen die Rädchen endlich ineinander zu greifen.

Enormes Durchhaltevermögen von Markus Solbach

"Ich fühle mich wirklich als Teil der Mannschaft. Ich werde mehr geschätzt, nicht mehr als junger Europäer gesehen, sondern als erfahrener Spieler, der schon in zwei verschiedenen Organisationen war", beschreibt Solbach.

Seine Ausdauer scheint sich nach knapp zehn Jahren in diversen Farmteams im amerikanischen Hinterland doch noch bezahlt zu machen. "Solange ich Baseball spielen kann und dafür Geld bekomme, ist es doch cool. Je länger ich in Amerika bleibe und Profi sein kann, desto besser", erklärt Solbach sein Durchhaltevermögen.

Wurfgeschwindigkeit von 96 Meilen

Dabei ist es schon allein ungewöhnlich, mit 28 Jahren noch einen Vertrag in den USA zu ergattern. "Ich habe in den letzten Jahren viele Fortschritte gemacht", sagt Solbach. Seine Wurfgeschwindigkeit beispielsweise habe er inzwischen auf bis zu 96 Meilen pro Stunde nach oben geschraubt. Der Lohn für die Mühen war die Einladung zur Saisonvorbereitung des Major-League-Klubs.

In einer Art Bereitschaftsgruppe für Werfer agierte Solbach und kam zum Einsatz, wenn die großen Namen eine Pause brauchten.


"Es ist schon cool, wenn ein Clayton Kershaw oder ein Kenley Jansen da so rumlaufen", berichtet Solbach. Direkt Kontakt mit den Stars habe er aber bisher nicht. "Man guckt sich eher etwas an und hört zu, wenn sie mit anderen Leuten über Pitching sprechen", verrät er.

Solbachs Team Titelfavorit in der MLB

Dass der nicht mehr zu erwartende Aufstieg auch noch bei aktuell einer der besten Organisationen des Landes erfolgt, ist umso bemerkenswerter. Die Los Angeles Dodgers erreichten in den letzten drei Jahren zweimal die World Series, das Meisterschaftsfinale in der MLB. In der bevorstehenden Spielzeit gilt die Traditionsfranchise nicht zuletzt nach der Verpflichtung von Superstar Mookie Betts von den Boston Red Sox als Topfavorit auf den Titel.

"Jeder, der bei uns in der Organisation ist, ist ein genialer Spieler. Die Competition ist sehr gut. Das ist schon ein Reiz", beschreibt der Deutsche.

Solbach verfolgt einen konkreten Plan: "Jetzt kommt es darauf an, zu lernen, wie ich auf dem höchsten Level mit den fünf Pitches, die ich habe, bestehen kann. In High A oder Double A kommt man vielleicht noch mit ein paar Fehlern durch. Aber in Triple A oder der Major League ist es, denke ich, nochmal ein großer Unterschied. Und ich hoffe, dass ich das irgendwann noch am eigenen Leib erfahren darf."