Was eine 26-jährige Wienerin lernte, als sie sich Rechtsradikalen anschloss

Anna Rinderspacher
Die 26-jährige Terrorismusforscherin Julia Ebner

Julia Ebner sitzt auf einer Parkbank in der englischen Stadt Telford und trinkt Cider. Neben ihr hat ein 50-jähriger Aktivist der rechtsextremen English Defence League Platz genommen und erzählt ihr von “der islamischen Invasion Europas”.

In einer Stunde wird die Demonstration “gegen muslimische Vergewaltiger”, “verlogene Politiker” und “untätige Sicherheitsbehörden” beginnen, wegen der sie nach Telford gekommen sind.

Allerdings: Im Gegensatz zum Rest der Demonstranten ist Julia Ebner keine islamhassende Ultranationalistin.

Sie ist undercover in Telford. Recherche. Denn trotz ihres jungen Alters von 26 Jahren gehört Ebner bereits zu den führenden Terrorismusexperten in Europa. Nach Anschlägen wie dem auf der Londoner Westminster Bridge 2017 erklärt sie für das ZDF oder die BBC die Hintergründe des Terrors.

Im Zuge ihrer Recherchen hat Ebner schnell gelernt, dass es zwischen islamistischen und rechten Extremisten erschreckende Parallelen gibt.

In ihrem Buch “Wut: Was Islamisten und Rechtsextreme mit uns machen”, das im März auf Deutsch erschien, veranschaulicht sie die Wechselwirkungen der beiden Szenen.

Undercover bei der Identitären Bewegung

Im Oktober 2017 ist Ebner wieder einmal undercover unterwegs. Mit etwa 20 Mitgliedern der Identitären Bewegung (IB) aus ganz Europa trifft sie sich in einer AirBnB-Ferienwohnung in London. Sie will verstehen, wie die Rechtsextremen ticken. Die wiederum glauben, die junge Frau sei eine Unterstützerin.

Dazu noch: eine vielversprechende. Eine hübsche junge Österreicherin, die sich  mit den Werken des umstrittenen deutschen Philosophen Martin Heidegger auskennt, ist genau das, wonach der österreichische IB-Chef Martin Sellner und seine Anhänger suchen.

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