Dieser 25-Jährige hat seinen Job als Ingenieur gekündigt und verdient Geld als Finanzblogger — jetzt hat er ein Depot von 143.000 Euro

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Dominik Wenzelburger betreibt den Finanzblog depotstudent.de
Dominik Wenzelburger betreibt den Finanzblog depotstudent.de

Der Sparkasse ist Dominik Wenzelburger heute noch dankbar. Aber nicht so, wie es sich die Berater dort wohl wünschen würden.

Während seines dualen Studiums des Wirtschaftsingenieurwesens verdiente Dominik monatlich rund 1300 Euro brutto. Der heute 25-Jährige lebte damals noch zu Hause und konnte so paar Tausend Euro sparen. Mit Aktien und der Börse hatte er noch nichts zu tun. So rief seine Sparkasse bei ihm an und lud ihn zum Gespräch ein, um ihre Produkte vorzustellen – „typische Sparkassenfonds mit hohen laufenden Kosten“, wie Dominik Business Insider erzählt.

„Ich habe mich dann mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt und geschaut, ob es für mich Sinn macht“, sagt Dominik. Sein Urteil war für die Sparkasse ernüchternd. Er fand deren Produkte nicht gut und investierte eigenständig. Im Mai 2017 legte er erstmals paar Tausend Euro in den bekannten ETF MSCI World an. So begann seine Leidenschaft für Finanzen.

Seitdem beschäftigte er sich immer mehr mit Aktien, Börse und Sparen und kam im Februar 2018 auf die Idee, einen Blog zu starten. Er wollte neben seinem Studium schon lange etwas Eigenes entwickeln, erzählt er. Und da er sich zu der Zeit mit Finanzen beschäftigt hatte, fand er es spannend, darüber zu schreiben.

„Meine Eltern haben erstmal nicht so viel davon gehalten“

Auf seinem Blog depotstudent.de testet und bewertet Dominik Finanzprodukte. Das Hauptgeschäftsmodell liege darin, dass er für die Depoteröffnung bezahlt wird. „Die Menschen kommen auf meine Seite, schauen wie ich mein Geld anlege, welche Finanzprodukte ich empfehle und eröffnen dann ein Depot.“ Um die 50 Euro bekommt er dann von den Brokern pro Depoteröffnung – ein guter Nebenverdienst.

Nach Abschluss seines Studiums fing Dominik im Oktober 2018 beim Automobilzulieferer Elring Klinger in der Nähe von Stuttgart an zu arbeiten. Dort war er auch während seiner Uni-Zeit schon angestellt. Der Blogger arbeitete im Bereich Batteriespeicher und war im Anforderungsmanagement tätig. Wollte ein Kunde einen Batteriespeicher kaufen, klärte Dominik die Anforderungen, etwa wie das Produkt aussehen und verbaut werden soll. Dominik war die Schnittstelle zwischen dem Kunden und der Entwicklungsabteilung. „Ein klassischer Job für Wirtschaftsingenieure“, sagt er.

Am Job hat ihm gefallen, dass er relativ frei arbeiten konnte. „Wir hatten keine extremen Hierarchien. Es hat Spaß gemacht, an mehreren großen Projekten zu arbeiten.“ Was er aber immer als Nachteil erlebt hatte, war das Gefühl, nicht immer direkt für die eigene Leistung belohnt zu werden. „Wenn ich als Selbstständiger viel arbeite und mein Geschäftsmodell funktioniert, habe ich auch direkt was von meinem Erfolg“, sagt er. Er sei viel motivierter, wenn er für sich selbst arbeite. Und so entschied er sich nach 2,5 Jahren im Angestelltenverhältnis, den Job zu kündigen und den Blog in Vollzeit zu betreiben.

Am Anfang wurde er von seiner Familie mit „großen Augen angeschaut“. „Meine Eltern haben erstmal nicht so viel davon gehalten“, erinnert sich Dominik. „Ich weiß auch nicht, was ich gesagt hätte, wenn mein Sohn seinen sicheren Ingenieurs-Job aufgibt, um Finanzblogger zu werden.“ Am Anfang hätten seine Eltern nicht ganz verstanden, dass da ein Geschäftsmodell dahinterstehe. „Meine Mutter sagte, wenn es mir Spaß macht und wenn ich damit genug Geld verdienen kann, soll ich es machen. Mittlerweile findet mein Vater es aber auch ganz cool", erzählt Dominik.

„Ohne Laptop fahre ich nicht in den Urlaub“

Seit einem halben Jahr ist Dominik nun mit seinem Blog selbstständig und kann gut davon leben. Er verdient monatlich 5000 Euro brutto, genau das gleiche Gehalt, das er damals als Wirtschaftsingenieur verdient hatte, sagt er. „Die Tendenz geht aber aktuell stark nach oben.“

Im Schnitt landen rund 100.000 Nutzer pro Monat auf seinem Blog. Das Unternehmen läuft so erfolgreich, dass Dominik nicht selber alle Texte schreiben muss, sondern auch andere Finanz-Experten bezahlt, die für seinen Blog Artikel produzieren. Laut eigener Aussage arbeitet er rund 45 Stunden pro Woche.

Auch einen Urlaub, wie ein normaler Angestellter, könne er nicht machen. „Ohne Laptop fahre ich nicht in den Urlaub“, sagt Dominik. „Während meines Urlaubs schaue ich einmal pro Tag rein, ob irgendwelche wichtigen Mails hereinkamen oder ob irgendwas mit dem Blog nicht stimmt.“ Er findet aber, das sei ein „relativ kleiner Preis“, wenn er sich jeden Tag 20 Minuten alles anschaue. „Sonst bin ich frei und arbeite sehr flexibel.“

Dominik hat weder Finanzen studiert noch in einer Bank oder einem Investmentunternehmen gearbeitet. Woher hat er also die Expertise, um Produkte zu bewerten und zu analysieren? Ein wesentlicher Schritt war es, dass er viele verdeckte Tests von Finanzberatungen in Banken und bei Strukturvertrieben gemacht habe – „so kommt eine ganz große Menge an Informationen aus verschiedenen Blickwinkeln zusammen, die einen weiterbildet“, sagt er. Zudem vergleiche er die Beratungsgespräche mit Zahlen aus der Fachliteratur und lege die Analysen und Vergleiche auf dem Blog offen. „Mein Ansatz ist: Wenn man viele verschiedene Informationsquellen hat und diese alle einbezieht, kommt man der Wahrheit so nahe wie möglich.“

Er investiert jeden Monat 1500 Euro in Aktien

Ob er Unabhängigkeit garantieren kann, wenn er von den Unternehmen, die er bewertet, auch bezahlt wird? Dominik sagt, dass er beim Schreiben merkt, dass es „nicht immer ganz einfach“ sei. „Deswegen muss ich immer offen sein und schauen, ob es nicht bessere Möglichkeiten gibt, die sich in dieser Situation mehr eignen. Ich glaube, das ist auch das Glück als Blogger, dass ich mit der Einstellung schreibe, die ich auch selber vertrete.“

Er sieht für sich keinen Interessenskonflikt, weil er es genauso mache, wie er es den Lesern und Leserinnen empfiehlt. „Es gibt viele Finanzprodukte, bei denen die Provision höher wäre, aber ich stehe nicht so dahinter, wie zum Beispiel bei ETF-Produkten. Deswegen schreibe ich zu einem großen Teil darüber.“

Dominiks eigenes Portfolio ist klassisch aufgebaut: 67 Prozent seines angelegten Geldes liegen im MSCI World, 20 Prozent im MSCI Emerging Markets und 13 Prozent in einem Dividenden-ETF. Sein ganzes Depot ist aktuell rund 143.000 Euro wert, erzählt er.

Monatlich legt er 1500 Euro an. Aktuell investiert der Blogger die komplette Sparsumme in seinen Dividenden-ETF, den Vanguard High Dividend ETF. Dieser ETF legt gezielt in große und mittelgroße Unternehmen weltweit an, die eine überdurchschnittlichen Dividendenrendite haben. „Ich finde es sehr charmant, im Alltag regelmäßig Ausschüttungen zu erhalten. Es motiviert mich, dranzubleiben und es macht Spaß zu sehen, wenn ich monatlich 100 oder mehr Euro bekomme.“

Dominik will diese Position weiter aufbauen, während seine Anteile in den anderen zwei ETFs nicht mehr bespart werden und mit der jährlichen Rendite wachsen. Von seinem gesamten Depot liegen rund 96.000 Euro im MSCI World und 28.600 im MSCI Emerging Markets. „Die enorme Summe im Depot erstaunt mich manchmal selbst“, sagt Dominik. „Man muss sich aber vor Augen halten: Mit einer Sparrate von 1500 Euro pro Monat über vier Jahre kommen immerhin 72.000 Euro zusammen. Wenn der Aktienmarkt in diesem Zeitraum mitspielt, nähert sich das Depot schnell einer sechsstelligen Zahl.“

Zudem konnte der Unternehmer 2020 einen „richtig großen Betrag“ – fast 40.000 – einmalig investieren, da er in diesem Jahr doppelt verdient hatte, mit seinem Blog und seinem Job in der Auto-Firma. „Das hat nochmal einen ordentlichen Schritt nach oben bewirkt.“ Darüber hinaus musste er für sein Studium nicht umziehen und dadurch keine Miete zahlen, konnte somit wegen seines Angesparten und dem regelmäßigen Gehalt eine hohe Sparsumme bewältigen.

Auf diese Drei Dinge kommt es beim Sparen an

Um auch so eine hohe Depotsumme zu erreichen, seien laut Dominik drei Dinge entscheidend: Geld verdienen, Sparquote und Kontinuität.

„Ich habe immer irgendwie Geld verdient – egal, ob als Ferienbeschäftigter, als dualer Student, als Angestellter oder als Blogger – und teils auch mehrere Einkommensquellen nebeneinander gehabt", erklärt er. Zudem würden geringe Lebenshaltungskosten es „extrem vereinfachen“, ein Depot aufzubauen. Er lebt mit seiner Freundin in einer 80 Quadratmeter großen Wohnung in der Nähe von Stuttgart, sein Anteil an der Miete beträgt 500 Euro. Seine monatlichen Gesamtausgaben, inklusive Miete, schätzt er auf rund 1500 Euro, also der Rest, der nach der Sparsumme übrig bleibt. Dazu zählt er alle Kosten, von den Lebensmitteln bis hin zum Urlaub.

Seine Ziele hat er schon definiert: „Ich will einfach einen coolen Blog machen und mit ihm in den nächsten Jahren mindestens 100.000 Euro pro Jahr verdienen.“ Eine Rückkehr in das Angestelltenverhältnis kann er sich erstmal nicht vorstellen – mit so einem Puffer braucht er es wohl auch nicht.

Wenn ihr mir auch erzählen möchtet, was ihr beruflich macht, wie viel ihr verdient und wie ihr investiert, schreibt mir an leo.ginsburg@businessinsider.de.

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