22-jähriger Unternehmer: "5 Dinge, die ich gerne vor der Gründung gewusst hätte"

Darius Göttert, Jahrgang 2000, verrät seine Tipps: "Keine Angst haben, nach Hilfe zu fragen" - Copyright: Darius Göttert
Darius Göttert, Jahrgang 2000, verrät seine Tipps: "Keine Angst haben, nach Hilfe zu fragen" - Copyright: Darius Göttert

Ein Beitrag von Darius Göttert. Er ist Gründer und CEO der Visitenkarten-App Spreadly. Er startete das Unternehmen im vergangenen Jahr und hat 13 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben wurde das Jungunternehmen kurz nach dem Start mit einer halben Million Euro bewertet.

Ihr wollt ein Startup gründen? Dann könnt ihr gerade in der Anfangsphase schnell in die falsche Richtung laufen. Um Fehler zu vermeiden und bestmöglich ins eigene Gründertum zu starten, teile ich hier meine fünf Dinge, die ich gern vor der Gründung gewusst hätte.

1. Wie wichtig das eigene Netzwerk ist

Dass ein starkes persönliches und berufliches Netzwerk von großer Bedeutung sein kann und meist einen Vorteil bietet, ist sicherlich klar. Wie wichtig dieses wirklich ist, wurde mir aber erst bei der Gründung bewusst. Sei es Feedback zu Idee und Produkt, die ersten Nutzer und Kunden oder Mentoren: Wir haben in der Anfangszeit oft auf unser Netzwerk zurückgegriffen.

Entscheidend waren aber vor allem Kontakte zu erfahrenen Gründern, die einem dabei helfen, große Fehler am Anfang zu vermeiden. Und private Kontakte zu Investoren, die helfen, das Unternehmen von Anfang an in eine für starkes Wachstum ausgelegte Richtung aufzubauen. Als wir ganz zu Beginn eine Frage zur strategischen Ausrichtung unseres Startups hatten, konnte ich beispielsweise einigen Mitarbeitern von namhaften VCs über Whatsapp schreiben oder bat sie um Feedback zum Pitchdeck.

Daher empfehle ich jedem, der plant irgendwann zu gründen, frühzeitig mit dem Aufbau des eigenen Netzwerks zu beginnen und keine Angst davor zu haben, Personen explizit nach Hilfe zu fragen. Die meisten freuen sich sehr, wenn sie ihr Wissen weitergeben und unterstützen können. Gerade bei jungen Gründern. Dafür lohnt es sich, Teil eines Gründernetzwerks oder einer Initiative zu werden, wie etwa START, um Gleichgesinnte und erfahrene Personen der Szene kennenzulernen.

Ein weiteres Learning war, dass in der Gründerszene ein mehr oder weniger ungeschriebener "Generationenvertrag" herrscht. Heißt soviel, dass erfahrene Gründerinnen und Gründer ihr Wissen, ihre Erfahrung und Kontakte gern weitergeben und man ab einem gewissen Punkt auch selbst in die Rolle rutscht und etwa Anfragen von noch jüngeren Gründenden bekommt.

2. Welche Kurse, Veranstaltungen und Accelerator-Programme wirklich weiterhelfen

Es gibt diverse Möglichkeiten, sich als Gründer Wissen anzueignen. Dabei ist jedoch immer etwas Vorsicht geboten. Es ist wichtig, sich im vornherein darüber Gedanken zu machen, was man gerne lernen möchte und auf der Basis zu entscheiden, welche Kurse und Programme man belegt und ob nicht vielleicht doch ein Youtube-Video von einem erfahrenen Gründer genügt.

Gerade Kurse, die von Anbietern gemacht werden, die dir im Nachhinein (oder schon von Beginn an) etwas verkaufen möchten, meide ich in der Regel. Das Gleiche gilt für Veranstaltungen. Auch Speaker auf Veranstaltungen, die für ihren Auftritt bezahlen (ja bezahlen, nicht bezahlt werden!) sind meist sehr vertriebslastiger Content, der dich weniger weit bringt als Vorträge, die rein zur Wissensweitergabe organisiert werden. Viele Gründer geben ihr Wissen sehr gerne weiter, beispielsweise auf Events wie dem Royal Jungle oder Bits & Pretzels. Auch Podcasts lohnen sich in den meisten Fällen, um sich frisches Wissen anzueignen, auch wenn man hier leider keine spezifischen Rückfragen stellen kann.

In Bezug auf Accelerator- und andere Programme sollte man einige Dinge beachten: Zum einen sind die Qualität und der Inhalt zum Teil sehr unterschiedlich. Programme, bei denen man erfahrungsgemäß auf der sicheren Seite ist, sind beispielsweise der Y Combinator, Plug and Play oder die Angebote von German Entrepreneurship.

Gründerinnen und Gründer sollten darauf achten, ob das Programm zum Produkt und Unternehmen passt. Beispielsweise gibt es für Sustainability- oder KI-Startups individuelle und gute Angebote. Zwecks Kosten sollte man in meinen Augen niemals für einen Accelerator bezahlen - zumindest nicht in Cash! Die meisten Programme bieten entweder eine erfolgsabhängige Vergütung (wie im Falle einer Finanzierungsrunde) oder nehmen Anteile am Unternehmen. Auch hier sollte man darauf achten, wenn überhaupt, in dieser frühen Phase nur wenige Anteile und auch nur gegen eine monetäre Gegenleistung abzugeben.

3. Welchen Impact Mentoren haben können

Erfahrene Mentoren zu haben, die in herausfordernden Situationen unterstützen, ist für jedes Startup spätestens ab der Gründung essenziell für langfristigen Erfolg. Dabei gibt es verschiedene Wege, geeignete Mentoren zu finden: über das eigene berufliche Netzwerk, andere Gründer, oder Mentor-Matching-Veranstaltungen, auf denen explizit geschaut wird, ob und wie man unterstützen und zusammenarbeiten kann. Diese gibt es auch digital, wie etwa bei der Initiative Startup Teens.

Potenzielle Mentoren, die man noch nicht kennt, können einfach über LinkedIn oder einen anderen Kanal angeschrieben werden. In der Regel sagen die Menschen auch zu, da man als Gründer in der Regel auch die Gründerszene unterstützt.

Wichtig bei der Mentorensuche ist der Bereich, für den ihr Bedarf habt sowie die Erwartungshaltung an den Mentor. Wir haben uns in unserem Startup für mehrere Mentoren entschieden, unter anderem in den Bereichen Funding, Sales und Human Resources.

4. Wie wichtig eigene Erfahrungen aus anderen Startups sind

Bevor ich selbst gegründet habe, war ich in zwei Startups angestellt und habe mit verschiedenen Freunden an Ideen gearbeitet. Dabei lernt man unglaublich viel, was im eigenen Unternehmen angewendet werden kann.

Gerade wenn es um Themen wie Personalführung, Prozesse oder Meetings geht, denke ich an meine Zeit bei anderen Unternehmen zurück. Dabei hilft es nicht nur aus der Gründerrolle zu denken, sondern sich in die Sichtweise der Mitarbeiter zu versetzen. Meist kommuniziert man unter Kollegen offener, wie man bestimmte Dinge wahrnimmt als mit den Chefs. Diese Eindrücke nutze ich heute, um Entscheidungen zu fällen, Ideen umzusetzen und unser Team zu führen.

Ich würde jedem empfehlen, ein mehrmonatiges Praktikum in einem Startup zu machen und Eindrücke zu sammeln. Dabei solltet ihr so viele Bereiche wie möglich mitnehmen. Das geht am besten bei Startups zwischen sieben und 15 Mitarbeitenden, da hier die Strukturen und Aufgaben noch nicht zu steif und verteilt sind und man oft überall Einblicke bekommen kann. Positionen wie "Founders Associate" bieten sich dafür an.

Founders Associate
Founders Associate

Studierenden würde ich empfehlen, sich in einer studentischen Initiative mit Entrepreneurship-Fokus zu engagieren. Hier sammelt man nicht nur wertvolle Kontakte und Erfahrungen, sondern bekommt oft die Möglichkeit, von Minute eins bei einem Startup mitzuwirken. Dafür eignen sich zum Beispiel die Initiativen aus dem Netzwerk Gründermagnet, START oder studentische Unternehmensberatungen. Startups wie Celonis und Presize sind zum Beispiel aus der Initiative "Academy Consult" entstanden.

5. Wie wichtig regelmäßige Brainstorming-Sessions sind

Vor der ersten Gründung habe ich an verschiedenen Ideen gearbeitet und die meisten wieder verworfen. Nicht weil sie zwingend schlecht waren, sondern eher, weil mein Interesse in dem Bereich nicht groß genug war oder die Idee (in meinen Augen) zu nischig. Dennoch hat mir die Zeit sehr dabei geholfen, Ideen auszuarbeiten, weiterzuentwickeln und „groß“ zu denken.

Dabei habe ich meistens alltägliche Idee niedergeschrieben, die mir spontan, meist aufgrund von akuten Problemen eingefallen sind, und dann innerhalb von maximal 72 Stunden ausformuliert. Warum 72 Stunden? Weil man oft danach die Motivation verliert, sich damit auseinanderzusetzen und es im Sande verläuft. (Auch wenn ich zum Teil Jahre später Ideen wieder aus meinen Notizen geholt habe).

Gut geht das mit einer zweiten Person. Ein bewährtes Prinzip ist die “Ja, und”-Methode. Eine Person pitcht die Idee, die andere Idee antwortet mit „Ja“ und ergänzt dann einen Vorschlag zur Idee. Das geht dann immer so hin und her. Wenn beide Seiten nach zehn bis 20 Runden das Gefühl haben, dass es Potenzial gibt, kann man sich näher damit auseinandersetzen. Dazu sollte man alles niederschreiben und anfangen, einen einfachen MVP zu skizzieren. Dann geht es an die Recherche, um Wettbewerb und Potenzial zu identifizieren. Wichtig ist, gerade in der Anfangszeit dranzubleiben, weile viele Ideen sonst im Sande verlaufen. Das machen wir heute so oder ähnlich auch bei neuen Ideen innerhalb des Unternehmens.