Wie es ein 21-Jähriger in der Schweiz vom Flüchtlingskind zum Bitcoin-Millionär geschafft hat

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Dadvan Yousuf ist vor kurzem 21 Jahre alt geworden und macht eine kaufmännische Lehre bei der Bank. Gleichzeitig aber ist er auch schon länger Multimillionär und CEO seiner eigenen Stiftung, der Dohrnii-Foundation. Was nach einer abstrusen Mischung klingt, wird noch erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass ihm nichts davon in die Wiege gelegt wurde: Mit drei Jahren flüchtete er aus dem Nordirak in die Schweiz und wuchs, wie er der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) selbst sagte, in Armut auf. Mit nur elf Jahren entdeckte er dann den Bitcoin und begann zu investieren. Von da an ging es aufwärts. Heute wohnt Dadvan Yousuf im traditionsreichen Züricher Fünf-Sterne-Hotel The Dolder Grand und möchte auch anderen Menschen helfen, mit Krypto-Investments reich zu werden. Dafür steht die Dohrnii-Stiftung mit ihrer eigenen Blockchain-Plattform.

Der NZZ zufolge wuchs der junge Multimillionär im kurdischen Ort Awihee auf, der ganz im Norden des Iraks zwischen der Stadt Erbil und der türkischen Grenze liegt. Sein Vater habe mit den Peschmerga für die Autonomie der Region Kurdistan gekämpft und noch vor Yousufs Geburt in die Schweiz flüchten müssen. Drei Jahre später folgte ihm dann seine Frau mit ihren drei Söhnen, so die NZZ. Die Familie wurde in einer Asylunterkunft in Neuenburg aufgenommen.

Ein Jahr später sei sie dann in einen Plattenbau in Ipsach, nahe Bern, gezogen, wo sich der Vater zusätzlich zum wenigen Geld der Sozialhilfe als Tellerwäscher und Pizzabote durchschlug. Den drei Kindern seien fünf weitere gefolgt. Nach seiner Einschulung habe Yousuf dann seine Nachhilfelehrerin Anita Maurer getroffen, eine Unternehmergattin mit zwei eigenen Söhnen, die den Jungen mehrmals wöchentlich unterrichtet und gefördert habe. Yousuf selbst nennt sie bei der NZZ „meinen Sechser im Lotto“. Durch sie sei er aufgeblüht, sie habe auch den Vater überzeugt, dass Yousuf später überhaupt eine Ausbildung machen darf.

Yousuf investierte mit elf Jahren heimlich in Bitcoin

Allerdings baute sich Yousuf insgeheim noch einen ganz anderen Karriereweg auf, der anfangs aber gar nicht als solcher geplant war. Zunächst habe er nur wissen wollen, wie das überhaupt abläuft, wenn seine Eltern ihren Verwandten in Kurdistan Geld schicken – und schließlich auf eigene Faust im Internet nach Antworten gesucht. Im Dickicht der Abkürzung habe er dann herausgefunden, wie teuer solche Transaktionen sind und sich auf die Suche nach Alternativen begeben. Dabei sei er dann zum ersten Mal auf Wort gestoßen, das sein Leben verändern sollte: „Bitcoin“.

Die Theorien rund um das revolutionäre Potenzial der Blockchain-Technologie interessierten ihn schon damals wenig, schreibt die NZZ. Er habe in der Kryptowährung vielmehr das Internetgeld der Zukunft gesehen und dementsprechend auch etwas davon haben wollen. Die Lebenssituation seiner Familie habe in motiviert. Den Ehrgeiz, sich bereits so früh in die komplizierte Technologie einzuarbeiten, habe er gehabt „weil ich unbedingt aus der Armut herauswollte“, verrät er der NZZ.

Verkauf von Spielsachen verschafft ihm Startkapital

Sein Anfangskapital verschaffte er sich durch den Verkauf von Spielsachen und Pokémon-Utensilien. Und anstatt Paninibilder zu kaufen, investierte er all sein Geld in Bitcoins, so die NZZ weiter. Am 12. Dezember 2012 habe er dann seinen ersten großen Deal abgeschlossen und 1000 Bitcoins für insgesamt 11.126 Euro gekauft. Einen Tag später verkaufte er sie wieder für 134.404 Euro – alles ohne das Wissen seiner Familie. Und ohne Möglichkeit, das Geld auszugeben, denn für ein reguläres Bankkonto war er mit zwölf Jahren nicht alt genug. Allerdings sei es auch da schon sein Plan gewesen, das Geld weiter in Bitcoin zu stecken. Vier Jahre später, am 13. August 2016, investierte er dann 157.925 Euro in 16.024 Ether – nach Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung –, die er bis heute hält. Aktuell hat allein diese Investition einen Wert von etwa 25,2 Millionen Euro.

Mitte Dezember 2017 sei er dann zum ersten Mal mehrfacher Millionär gewesen, bevor der Bitcoin-Kurs nach nur zwei Tagen wieder abgestürzt sei. Zur gleichen Zeit habe Yousuf eine Lehrstelle gesucht. Ihn hätten Währungs- und Zinsfragen interessiert. Aber weil er immer noch Flüchtlingsstatus und nur einen irakischen Pass gehabt habe, konnte er bei der Schweizerischen Nationalbank keine Lehre anfangen. 2018 sei er dann beim Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung in Zollikofen untergekommen.

Im April 2021 zahlt er die vom Staat erhaltene Sozialhilfe seiner Familie zurück

Zum ersten Mal seit 2011 lässt er sich im Jahr 2020 Geld auszahlen – und erfüllt sich mit zwei Übernachtungen in Luxushotels einen Traum. Ein Jahr später, im April 2021, erklärt er der Vorsteherin des Sozialamtes von Ipsach, dass seine Eltern keine Hilfszahlungen mehr benötigen würden und er alle bisher erhaltenen Sozialhilfebeträge zurückzahlen wolle. Der Betrag liege bis zur Überweisung auf einem Sperrkonto. Seiner Familie habe er aus dem Plattenbau herausgeholt und ihr, ebenfalls in Ipsach, ein geräumiges Haus mit Garten und Swimmingpool gemietet.

Das Traden läuft mittlerweile automatisiert, so die NZZ. Denn auch das Programmieren habe sich der 21-Jährige selbst beigebracht und sich während seiner Ausbildung außerdem mit Algorithmen, künstlicher Intelligenz und Deep Learning beschäftigt. Das gibt ihm Zeit, sich seiner Nonprofit-Stiftung, Dohrnii, zu widmen. Ziel der Unternehmung: „Jeder Mensch soll Zugang zu finanzieller Bildung im Kryptobereich erhalten und lernen, wie man tradet und investiert.“ Zudem hat Dohrnii auch eine eigene Blockchain-Plattform samt eigenem Coin.

Yousufs größtes Problem ist es aktuell, sein Vermögen bei einer Bank unterzukriegen. Denn die meisten Institute hätten den Verdacht auf Geldwäsche und verlangen einen einwandfreien Herkunftsnachweis. Gleichzeitig diversifiziere er sein Vermögen inzwischen und arbeite mit Schweizer Bankern zusammen, die wesentlich älter seien als er und bereits lange Karrieren hinter sich hätten. Ihre Erfahrung solle ihm weitere Türen öffnen. Auch würden ihm mittlerweile mehrere Schweizer Kantone einen Pass anbieten, wenn er dort seine Steuern zahle – denn bis jetzt verfügt Yousuf nur über eine Aufenthaltsbewilligung und seinen irakischen Pass.

Angst, dass ihm alles auf die Füße fallen könnte, habe er nicht. Und „wenn einmal alles zusammenbrechen sollte, dann habe ich immer noch ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis“ von seiner Ausbildung, zitiert ihn die NZZ.

sb

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