2018 – meine Prognose für Alibaba

David Ehlers, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Ich habe vor einigen Jahren eine längere Zeit in China gelebt. Schon damals ist mir aufgefallen, dass die Chinesen zum Online-Shopping meistens zwei Seiten ansteuerten: Alibaba (WKN: A117ME) und das ebenfalls zur Alibaba Group gehörige Taobao. Dort wurde und wird einfach so gut wie alles gekauft.

Damals habe ich mich gefragt, wieso dieses Unternehmen in Deutschland kaum jemand kennt. Immerhin hat es allein in China Zugriff auf einen Milliarden Euro Markt. Heute ist das anders – Alibaba ist mittlerweile auch in Deutschland bekannt und vor allem unter Investoren ist die Aktie des Unternehmens sehr beliebt.

Verständlich, denn im abgelaufenen Jahr hat sich die Aktie von knapp 80 Euro im Januar 2017 auf mittlerweile 148 Euro (22.12.2017) fast verdoppelt.

Rekorde, Rekorde, Rekord

In den vergangenen 12 Monaten hat Alibaba wieder alle Rekorde gebrochen: Die operative Marge liegt oberhalb von 50%, das Umsatzwachstum der letzten Quartale lag jeweils bei rund 50% und seit 2011 ist der Erlös von 992 Millionen US-Dollar auf mittlerweile 23,5 Milliarden US-Dollar gestiegen. Unglaublich!

Sollte das Wachstum auch nur annähernd so stark wie in den letzten Jahren bleiben, hat die Alibaba-Aktie gute Chancen, ihren starken Anstieg der letzten Monate weiter fortzusetzen und im Laufe des Jahres 2018 auf einem deutlich höheren Niveau zu notieren.

Alibaba plant Expansion

Neben China ist der Konzern um Jack Ma bereits in weiten Teilen Südostasiens und Indiens präsent. Seit kurzem will Alibaba auch den europäischen Markt erobern und hat erst 2016 ein Rechenzentrum in Frankfurt eröffnet.

Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren zwei Milliarden Konsumenten und zehn Millionen Händler zu gewinnen. Alibaba will die Welt erobern und nach dem enormen Erfolg in China erscheint diese Vision nicht abwegig.

Sollte das hohe Wachstumstempo nur annähernd eingehalten werden, erschließen sich Alibaba weitere, riesige Absatzmärkte und in Verbindung mit den hohen Provisionen enorme Gewinne. Auch das spricht für einen steigenden Aktienkurs.

Politik ausschlaggebend für weiteren Erfolg

Bei all den Jubelmeldungen dürfen allerdings die Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Wie jedes große chinesische Unternehmen ist auch Alibaba vom Wohlwollen der Regierung abhängig. Jack Ma steht hinter seiner Regierung und die Regierung hinter Ma. Solange das so ist, kann Alibaba mehr oder weniger nach Belieben Walten und Schalten.

Wie schnell sich das allerdings ändern kann, zeigt das Beispiel Tencent: Nach einem kritischen Artikel in der staatsnahen China Daily brach die Aktie im Juli dieses Jahres um über 5 % ein.

China hat ein Kreditproblem

Die zweite große Gefahr für Alibaba stellt die chinesische Wirtschaft an sich dar. China hat ein großes Problem mit einem zu schnellen Kreditwachstum. Seit der Finanzkrise 2008 haben sich die Verbindlichkeiten von privaten Haushalten und Nichtfinanz-Unternehmen auf rund 210% des BIP erhöht. Das sind sehr hohe Werte, die schon fast an Japan 1989 oder Südkorea 1997 heranreichen!

Sollte es hier zu Problemen kommen, schlägt sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit direkt auf den Einzelhandel und damit auf das Geschäft von Alibaba nieder. Diese Gefahr besteht und darf in meinen Augen nicht außer Acht gelassen werden.

Sollte 2018 für China aber ein ähnlich „ruhiges“ und solides Jahr wie 2017 werden, steht einem weiteren Wachstum und damit weiteren Kursgewinnen bei Alibaba nichts im Wege. Investoren, die in Alibaba investieren, sollten in jedem Fall die Entwicklungen in China genau verfolgen und im Falle von aufkommenden Problemen ihren Einsatz zumindest absichern.

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David Ehlers besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2017