200-Millionen-Kredit für Karstadt Kaufhof wackelt: Politiker sehen Investor Benko in der Pflicht

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Das bange Warten bei Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) nimmt kein Ende. Wie das „Handelsblatt“ berichtet sind zwar die Filialen nach dem Lockdown wieder geöffnet, das Geschäft laufe jedoch zäh. Und auch in der Zentrale sei die Stimmung angespannt. Denn Anfang Mai war bekannt geworden, dass der Warenhauskonzern mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfond (WSF) des Bundes über einen weiteren Kredit verhandelt. Es geht um rund 200 Millionen Euro.

Ursprünglich habe das Management schon Ende Mai mit einer Antwort gerechnet. Wie es im „Handelsblatt“ nun heißt, gibt es keine sicheren Prognosen darüber, ob der WSF den Kredit bewilligt oder nicht. Äußern wollte sich die Warenhauskette dazu gegenüber der Wirtschaftszeitung nicht.

Eigentümer Signa-Holding verzeichnet im Corona-Jahr 800 Millionen Euro Gewinn

Das Zögern der Politik liege zum einen daran, dass GKK bereits Anfang des Jahres ein Nachrangdarlehen von 460 Millionen Euro aus dem WSF erhalten hatte und damit dessen größter Profiteur ist. Außerdem mangele es an Vertrauen in den Konzern, der erst Ende September 2020 ein Insolvenzverfahren abgeschlossen hatte und durch den erneuten Lockdown gleich wieder in Schwierigkeiten geriet. Schon das erste Darlehen im Januar sei daher an strenge Bedingungen geknüpft gewesen: So habe die Signa Holding, der Eigentümer von GKK, teilweise auf Mietzahlungen verzichten müssen. Für den möglichen aktuellen Kredit sei im Gespräch, dass zehn Prozent der Summe als Sicherheit hinterlegt werden sollen, so das „Handelsblatt“.

Ein weiterer Grund für die Verzögerung liege in der Eigentümerstruktur, schreibt die Zeitung weiter. Viele Politiker seien der Meinung, dass sich erst der Investor, der österreichische Signa-Inhaber und Multimilliardär René Benko, stärker einbringen müsse. Zwar habe Benko bereits einen dreistelligen Millionenbetrag in das Überleben von GKK investiert – die guten Signa-Zahlen im letzten Jahr hätten aber irritiert. Das Immobilien- und Handelsunternehmen habe trotz Pandemie mehr als 800 Millionen Euro Nachsteuergewinn verzeichnen können und das Immobilienvermögen sei weiter auf 20,6 Milliarden Euro gestiegen.

René Benkos Imperium ist stark verschachtelt

Davon aber etwas in die Warenhauskette zu stecken, sei dem „Handelsblatt“ zufolge nicht so leicht. Denn Benkos Imperium sei in viele Einzelgesellschaften aufgeteilt, in denen völlig unterschiedliche Investoren und dementsprechend auch viele verschiedene Interessen vertreten sind. Da sich die Eigentümer stark unterscheiden, könne Benko gar nicht so einfach Geld abzweigen, wie es ihm passe.

Fakt sei aber auch, das Benko sich eine erneute Insolvenz nicht erlauben könne. „Das Risiko ist zu groß, dass seine Reputation in Deutschland Schaden nimmt“, sagte ein Insider dem „Handelsblatt“. Der Unternehmer wolle nämlich weiter auf große Immobilienprojekte in deutschen Städten setzen – wie den Elbtower in Hamburg.

sb