Nach +200%: Hot-Stock SFC Energy: "Wir sind sehr positiv für 2018 gestimmt"

Michael Schröder
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Nach +200%: Hot-Stock SFC Energy: "Wir sind sehr positiv für 2018 gestimmt"

Mit einem Plus von rund 200 Prozent seit Jahresanfang zählt die Aktie von SFC Energy zu den Top-Performern 2017. Der Anstieg wurde begleitet von einer soliden Geschäftsentwicklung, einem guten Newsflow und einem ordentlichen Schuss Fantasie.

DER AKTIONÄR sprach mit Vorstand Dr. Peter Podesser über die aktuelle Geschäftsentwicklung, den jüngsten Auftrag von der Deutschen Bundeswehr und die größten Wachstumspotenziale für Brennstoffzellenlösungen.

Herr Dr. Podesser, SFC Energy hat einen neuen Großauftrag von der Bundeswehr gemeldet. Welche Bedeutung hat diese Order für SFC

Dr. Peter Podesser: Wir sind sehr stolz auf diesen Großauftrag der Deutschen Bundeswehr, denn er ist nicht nur einer der größten Einzelaufträge der Unternehmensgeschichte, zugleich belegt er die hohe Serienreife und Zuverlässigkeit unserer Brennstoffzellenprodukte im Einsatz. Er ist das Ergebnis der jahrelangen vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und ein weiteres Zeichen der Technologieführerschaft unserer innovativen Systemlösung auf Basis der JENNY-Brennstoffzelle. Mit dieser Order im Volumen von 3,6 Millionen Euro, die einen ersten Teil des definierten Bedarfes der Bundeswehr abdeckt, baut SFC seine Stellung als führender Anbieter für autarke Energieversorgung im Verteidigungsbereich weiter aus. Von besonderer Bedeutung ist für uns dabei auch die maßgebliche, positive Signalwirkung auf die internationalen Geschäftsaktivitäten in diesem Marktsegment.

Warum hat sich die Bundeswehr für die SFC-Technologie entschieden?

Unser Energienetzwerk bietet als vollintegrierte Systemlösung, bestehend u. a. aus der tragbaren JENNY Brennstoffzelle, dem SFC Power Manager, einer speziell auf das System abgestimmten Hybridbatterie und einem Solarpanel zur alternativen Energieversorgung, entscheidende Vorteile für die Soldaten: Im Vergleich zu konventionellen Stromversorgungslösungen verringert sich die Traglast um bis zu 80 Prozent. Über den SFC Power Manager, einen intelligenten Spannungswandler, können die Soldaten nahezu jedes beliebige Gerät während ihres Einsatzes mobil und flexibel mit Strom versorgen. Stromversorgung und Energiemanagement erfolgen dabei vollautomatisch, lautlos, emissionsfrei und praktisch nicht detektierbar.

Blicken wir auf die zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen von SFC Energy: In den ersten neun Monaten haben Sie mit einem Umsatzplus von 25,5 Prozent überrascht. Hatten Sie ein derart kräftiges Plus erwartet?

Ein Umsatzplus in dieser Größenordnung hatten wir zu Jahresbeginn sicherlich nicht erwartet. Mit dem Verlauf der ersten neun Monate und insbesondere mit dem dritten Quartal sind wir deshalb auch sehr zufrieden. Wir beobachten, dass im Zuge der zunehmenden Fokussierung auf saubere und leistungsstarke Energiequellen die Brennstoffzelle verstärkt an Bedeutung gewinnt – davon profitieren wir als Pionier und Technologieführer in diesem Segment überproportional. Wir konnten in allen Abnehmermärkten - Öl & Gas, Industrie, Verteidigung und Behörden - ein robustes Wachstum verzeichnen und dass, obwohl wir zu Beginn des Jahres sogar eine margenschwache Produktlinie im Bereich Öl & Gas aus dem Programm genommen haben. Besonders bemerkenswert ist, dass das Geschäft mit unserer Brennstoffzelle EFOY z. B. im Öl- und Gasbereich in den ersten drei Quartalen um rund 60 Prozent gewachsen ist.

Sie sprechen die wieder steigenden Umsätze im Öl- und Gasgeschäft an. Ist dies bereits eine nachhaltige Trendwende oder steht die Erholung noch auf „wackligen Beinen“?

Die Öl- und Gasindustrie hat in den Jahren 2014 bis 2016 ihre größte Krise der letzten Jahrzehnte durchlitten. Der Absturz des Ölpreises von über 110 Dollar im Sommer 2014 bis auf 27 Dollar im Februar 2016 hat die Branche sehr hart getroffen. Inzwischen hat sich der Ölpreis jedoch wieder deutlich erholt und bewegt sich aktuell in einer Bandbreite von 55 bis 65 Dollar. Auf diesem Niveau sehen wir nun neben einer spürbaren Zunahme von Erhaltungsinvestitionen infolge der Auflösung des Investitionsstaus der Jahre 2015 und 2016 auch kräftige Impulse im Neuprojektgeschäft. Wir sehen auch im aktuellen Jahresendgeschäft eine Belebung, die im kommenden Jahr nochmals an Dynamik gewinnen sollte.

Wie bewerten Sie die Ergebnisentwicklung in den ersten neun Monaten?

Unsere Profitabilität ist gegenüber dem Vorjahr erheblich gestiegen – und das nicht nur aufgrund des geänderten Produktmix. In den ersten neun Monaten 2017 konnten wir das operative Ergebnis um rund 2,5 Millionen Euro verbessern und haben auf Basis des bereinigten EBITDA bereits ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Dies lag ebenfalls über unserer ursprünglichen Planung. Unser Ziel ist es, SFC bei erheblichem Wachstum nachhaltig profitabel aufzustellen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem laufenden vierten Quartal?

Mit dem laufenden Quartal sind wir dank der hohen Nachfragedynamik sehr zufrieden. Auch 2017 ist zu beobachten, dass die Märkte Verteidigung & Sicherheit sowie Öl & Gas zum Jahresende nochmals anziehen. Hinzu kommt der aktuelle Bundeswehrauftrag, dessen Lieferung zum Ende des ersten Quartals 2018 erwartet wird. Das war sozusagen unser „Weihnachtsgeschenk“ für unsere Aktionäre.

Und welche Entwicklung dürfen Ihre Aktionäre 2018 erwarten?

Für das kommende Jahr sind wir ebenfalls positiv gestimmt: Unsere Wachstumsprämisse für 2018 gründet sich dabei insbesondere auf zwei Themen, die ich bereits angesprochen habe: Auf der einen Seite verstärkte Investitionen unserer Kunden im Bereich Verteidigung und Sicherheit, sowohl im privaten wie auch im staatlichen Sektor, und anderseits eine zunehmend positive Entwicklung im Öl- und Gas-Bereich. Der aktuelle Auftragseingang bestärkt uns in unserer Zuversicht.

In welchen Bereichen sehen Sie generell die größten Wachstumspotenziale für Brennstoffzellenlösungen?

Wir sehen aktuell zwei Entwicklungen, die makroökonomisch und geopolitisch für uns relevant sind. Dabei spielt das zunehmende Sicherheitsbedürfnis im privaten wie auch staatlichen Bereich eine große Rolle. Modernste Sicherheits- und Überwachungstechnik wird technisch immer ausgefeilter und komplexer. Diese Entwicklung bedarf einer Energiequelle, die in der Lage ist, zuverlässig und netzfern Strom zu liefern. In der Form ist die Brennstoffzelle die beste Lösung. Im industriellen Bereich erwarten wir mit der nachhaltigen Erholung des Ölpreises einen weiteren Wachstumsschub im Öl- und Gas-Sektor. Als logische Erweiterung unserer Anwendungen sehen wir perspektivisch neben dem Pkw-Bereich z. B. auch bei Bussen und Bahnen in Ländern wie China in den nächsten Jahren ein erhebliches Wachstumspotenzial für Brennstoffzellenlösungen. Ähnlich wie in Singapur sind die chinesischen Kunden an umweltfreundlichen Energiequellen und Antrieben interessiert. Die jüngsten Vorschriften zur Emissionsreduzierung, werden die Nachfrage nach der Brennstoffzelle im chinesischen Markt befördern.

Der Kursverlauf und die Börsenumsätze der letzten Monate zeigen, dass die SFC-Aktie wieder verstärkt im Fokus der Investoren steht. Oder täuscht dieser Eindruck?

Der Eindruck täuscht nicht. Bereits seit Monaten verspüren wir ein sukzessiv zunehmendes Interesse, insbesondere auch von strategischen Investoren. Die Krise in der Öl- und Gasbranche hatte auch die SFC-Aktie in den Jahren 2015 und 2016 stark in Mitleidenschaft gezogen. Durch die verbesserten Rahmenbedingungen und unsere operativen Erfolge haben wir für Investoren wieder nachhaltig an Attraktivität gewonnen. Dabei hilft uns das Umdenken in Mobilitäts- und Sicherheitsfragen auf breiter Basis. Dies ist die logische Konsequenz aus einem erfreulichen Geschäftsverlauf, der sich in einem kontinuierlich positiven Newsflow widerspiegelt. Trotz der Kurserholung der letzten Monate verfügt die SFC-Aktie auf aktuellem Niveau über ein überdurchschnittlich attraktives Chance-Risiko-Profil, dies bescheinigen uns nicht nur die Analysten.

Vielen Dank für das Interview!