Gewerkschaft verurteilt Gewalt und Plünderungen bei Demonstrationen in Tunesien

Proteste in Tunesien

Nach erneuten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Tunesien hat die einflussreiche Gewerkschaft UGTT die Gewalt verurteilt. Allerdings seien die sozialen Forderungen der Demonstranten legitim, erklärte die Gewerkschaft am Mittwoch. Mehr als 200 Menschen waren nach Angaben des Innenministeriums in der Nacht in mehreren Städten des Landes festgenommen und dutzende verletzt worden. Die Proteste richten sich gegen die Sparpolitk der Regierung.

Die UGTT erteilte "der Gewalt und den Plünderungen" eine Absage. Die Gewerkschaft rief die Demonstranten dazu auf, "friedlich zu protestieren", um nicht von Parteien "benutzt" zu werden, die nicht das Gelingen "unserer gerade geborenen demokratischen Erfahrung" wollen.

Die Aktivisten der Kampagne "Fech Nestannew" ("Was wir wollen") riefen zu Massenprotesten am Freitag auf. Sie fordern ein Ende der harten Sparpolitik der Regierung, eine bessere soziale Absicherung für Familien in Schwierigkeiten und einen Plan für den Kampf gegen Korruption.

Am Dienstagabend war es in der zweiten Nacht in Folge zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Landesweit seien dabei 49 Polizisten verletzt und 206 "Unruhestifter" festgenommen worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums örtlichen Radiosendern. Er warf den "Randalierern" vor, sie seien von politischen Führern bezahlt worden.

In einer Vorstadt von Tunis wurde am Dienstagabend ein Supermarkt geplündert. Laut Zeugenangaben warfen Jugendliche Steine in die Schaufenster. Anschließend hätten sie das Chaos genutzt, um das Geschäft zu plündern. Vor allem hätten sie elektrische Haushaltsgeräte gestohlen. Die Polizei griff mit Tränengas ein.

In der Nacht auf Mittwoch gab es unter anderem in Tebourba rund 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Tunis Proteste. Dort gingen hunderte junge Menschen auf die Straße. Sie bewarfen Sicherheitskräfte mit Steinen, diese reagierten mit dem Einsatz von Tränengas, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Ähnliche Szenen spielten sich auch in den Städten Sidi Bouzid, Kasserine, Gafsa, Jedaida sowie in ärmeren Vororten von Tunis ab. Auf der Insel Djerba wurden nach Angaben eines Sprechers der jüdischen Gemeinde Tunesiens zwei Molotowcocktails auf zwei Talmudschulen geworfen. Im Inneren der Schulen habe es keine Schäden gegeben, ergänzte der Sprecher.

Die Proteste folgten auf die Beerdigung eines Mannes, der bei einer Demonstration am Montag ums Leben gekommen war. Offen ist nach wie vor, wie es zum Tod des Demonstranten am Montagabend in Tebourba kam. Der Obduktionsbericht wurde bislang nicht veröffentlicht. Das Innenministerium bestritt, dass die Polizei den 45-Jährigen tötete.

Friedlich verliefen die Demonstrationen in Tunis, wo rund hundert Menschen auf die Straße gingen. Mehrere hundert Menschen, darunter viele Jugendliche, protestierten auch in Regueb im Zentrum des Landes, wie ein AFP-Journalist berichtete.

Das Auswärtige Amt veröffentlichte am Mittwoch auf seiner Internetseite einen aktuellen Hinweis zur Lage in Tunesien. Reisende werden darin gebeten, "Menschenansammlungen weiträumig zu meiden" und den "Anweisungen von lokalen Sicherheitskräften Folge zu leisten".