20 Tote und mehr als 50 Verletzte bei Anschlag auf Moschee in Kabul

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Einsatzkräfte vor der Moschee in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind bei einem Anschlag auf eine schiitische Moschee 20 Menschen getötet worden. Das Gesundheitsministerium teilte am Freitag mit, es gebe zudem mehr als 50 Verletzte. Zu der Tat bekannte sich der IS

In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind bei einem Anschlag auf eine schiitische Moschee 20 Menschen getötet worden. Das Gesundheitsministerium teilte am Freitag mit, es gebe zudem mehr als 50 Verletzte. Zu dem Attentat auf das Gotteshaus im Norden Kabuls bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Unter den Toten seien zehn Zivilisten, sagte Mohammed Ismail Kawusi vom afghanischen Gesundheitsministerium der Nachrichtenagentur AFP. Außerdem seien drei Angreifer getötet worden. Zuvor hatte ein Sprecher des Innenministeriums von zwölf Todesopfern und mehr als 40 Verletzten gesprochen.

Nach Behördenangaben hatte sich ein Selbstmordattentäter in der Moschee in die Luft gesprengt. Zudem drangen bewaffnete Angreifer in das Gotteshaus im Stadtviertel Kala-e-Nadschara ein, der Angriff dauerte etwa vier Stunden.

Eine unbekannte Anzahl von Gläubigen war zunächst mit den Attentätern in der Moschee eingeschlossen. Augenzeugen beobachteten, wie Menschen Fenster der Moschee einschlugen, um zu entkommen. Die Polizei habe zudem eine Mauer hinter der Moschee gesprengt, um die Menschen aus dem Gotteshaus retten zu können, wurde der Sprecher des Gesundheitsministeriums von afghanischen Medien zitiert.

"Sie haben keine Kugeln mehr und nutzen Messer, um Gläubige niederzustechen", sagte ein Augenzeuge. Nach anderen Augenzeugenberichten waren die Angreifer mit Granatwerfern bewaffnet. Das afghanische Präsidialamt verurteilte den Angriff als "feige Tat".

Der IS bekannte sich zu dem Überfall. Zwei mit Sprengstoffgürteln ausgerüstete Kämpfer hätten die schiitische Moschee angegriffen, hieß es in der Mitteilung, die über das IS-Propaganda-Organ Amaq verbreitet wurde. In Afghanistan leben rund drei Millionen Schiiten. Sie wurden zuletzt wiederholt gezielt von IS-Kämpfern angegriffen.

Die Sicherheitslage in Kabul und in großen Teilen Afghanistans hat sich in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert. Bei einem weiteren Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee in Herat waren Anfang August 33 Gläubige getötet und 66 verletzt worden. Im Juli wurden bei einem Doppelanschlag in Kabul mindestens 85 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt. Zu beiden Attentaten bekannte sich die IS-Miliz.

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte jüngst eine Neubewertung der Sicherheitslage in Afghanistan vorgenommen. Auf dieser Grundlage entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) seit dieser Woche wieder uneingeschränkt über Abschiebungen an den Hindukusch, wie die Nürnberger Behörde am Freitag bestätigte.

Die Kernaussage des Ende Juli vorgelegten Zwischenberichts bestehe darin, dass die Sicherheitslage für die Menschen in Afghanistan "stark von individuellen Faktoren wie Wohnort, Herkunft, ethnischer Zugehörigkeit, Beruf und Geschlecht" abhänge, sagte ein Bamf-Sprecher. Die Organisation Pro Asyl bewertete den Lagebericht des Auswärtigen Amtes als "unbrauchbar" und forderte einen umfassenden Abschiebestopp nach Afghanistan.

Nach einem Sprengstoffanschlag nahe der deutschen Botschaft in Kabul Ende Mai hatte die Bundesregierung die Abschiebung afghanischer Flüchtlinge weitgehend ausgesetzt. Auswärtiges Amt und Bundesinnenministerium verständigten sich darauf, zunächst ein neues Lagebild zu erstellen. Lediglich Straftäter, Gefährder und Asylbewerber, die in ihrem Verfahren nicht kooperieren, durften weiter zwangsweise zurückgeführt werden.