CNN-Moderator an Trump: "Bitte, hören Sie endlich auf!"

Die falschen Worte gewählt: Donald Trump muss für seinen Umgang mit einer Witwe viel Kritik einstecken. (Bild: AP Photo)

Donald Trump verteidigte auf Twitter seinen Umgang mit der Witwe eines verstorbenen US-Soldaten. Die behauptet dagegen: Nach einem Telefonanruf des Präsidenten ginge es ihr noch schlechter. Ein CNN-Journalist richtete nun scharfe Worte an Trump.

US-Präsident Donald Trump hatte vor einigen Tagen die Witwe eines im Niger gefallenen US-Soldaten angerufen, um ihr zu kondolieren. Doch Myeshia Johnson, so der Name der Frau, behauptet, Trump habe sich nicht einmal an den Namen ihres Mannes erinnern können. Zudem soll er gesagt haben, ihr Mann La David Johnson habe gewusst, worauf er sich da eingelassen habe.

Trump wies diese Darstellung der Ereignisse jedoch zurück. Auf Twitter schrieb er: „Ich hatte eine sehr respektvolle Konversation mit der Witwe von Sgt. La David Johnson und habe seinen Namen von Anfang an ohne zu zögern ausgesprochen.“ Doch damit machte Trump alles nur schlimmer. Schließlich widerspricht er öffentlich einer Frau, die sich gerade in einem Trauerprozess befindet.

Nun reagiert CNN-Nachrichtenmann Don Lemon. Der Moderator verlas in seiner Sendung einen offenen Brief an den US-Präsidenten. Er beginnt mit den Sätzen: „Sehr geehrter Herr Präsident, ich habe Sie schon oft interviewt, Sie haben mich Ihrer Familie vorgestellt. Sie haben mich auch schon öffentlich kritisiert, sowohl vor Kameras als auch auf Twitter. Haben mich „hasserfüllt“, „dumm“ und „ein Leichtgewicht“ genannt.

Dann kommt Lemon auf den Vorfall zu sprechen: „Ich will mich in der Kontroverse um Sgt. La David Johnson äußern. In Ihrem Tweet heute Morgen haben Sie seine Witwe im Grunde eine Lügnerin genannt. Mr. Trump, bitte hören Sie damit auf! Bitte, hören Sie auf!“

Myeshia Johnson trauert um ihren Mann, der bei einem Militäreinsatz im Niger ums Leben kam. (Bild: Getty Images)

Der Moderator fährt fort: „Stellen Sie sich vor, was Sgt. Johnson wollen würde. Sie bringen seine Witwe in die fürchterliche Lage, für ihre Würde kämpfen zu müssen, während sie sich eigentlich darauf konzentrieren sollte, auf sich selbst zu achten, auf ihre Gesundheit, ihre beiden Kinder und ihr  Ungeborenes.“

Lemon versucht, Empathie beim Präsidenten zu wecken: „Ich weiß, dass Sie Kinder haben. Zwei Töchter. Können Sie sich Ivanka oder Tiffany in Myeshias Situation vorstellen? Einen Streit mit dem Oberbefehlshaber ausfechten, während sie schwanger und in Trauer sind?“

Lemon erklärt dem Präsidenten dann, wie man eigentlich als Präsident in einer solchen Situation reagieren sollte: „Wenn Myeshia Johnson böse auf Sie ist, dann nehmen Sie das hin. So wie es Präsident Bush und andere getan haben… Sie sind der Oberbefehlshaber, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, dem großartigsten Land der Erde. Verhalten Sie sich dementsprechend.“

Der emotionale Appell an den Präsidenten schlägt seither Wellen im Netz. Schauspieler Chris Evans („Captain America“) verlinkte zu dem offenen Brief und schrieb: „Das Amt des Präsidenten ist nicht einfach nur eine Trophäe, es ist eine Lebensaufgabe.“

Die Aktivistin Shannon Watts schreibt: „Don Lemon hält der Macht die Wahrheit entgegen.“

Und Sportjournalist Josh Sánchez twittert: „Don Lemon hat einen unglaublichen und aussagekräftigen offenen Brief an Donald Trump geschrieben. Handeln Sie wie ein Präsident. Entschuldigen Sie sich.“