1929: Das passierte im ”Babylon Berlin“-Jahr in Deutschland und der Welt

Kurz vor dem Start der dritten Staffel ”Babylon Berlin“ am 24. Januar beleuchten wir das Jahr, in dem Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte (Liv Lisa Fries) im Fall des Todes einer Schauspielerin ermitteln. In Deutschland spiegelte sich der Aufstieg der Nationalsozialisten in den Wahlen wider und die Weltwirtschaft erlebte einen beispiellosen Crash.

Die dritte Staffel von "Babylon Berlin" spielt im Jahr 1929. (Bild: ddp)

Historiker sehen in der sächsischen Landtagswahl des Jahres 1929 den ersten Schritt zur späteren Machtübernahme der Nationalsozialisten. Am 12. Mai bekam die NSDAP dort 134.000 Stimmen und steigerte ihren Anteil damit um mehr als das Dreifache. Ein erstes Zeichen für den Aufstieg der Nazis, der bald weiterging. Auch in Preußen und Hessen gewann die Hitler-Bewegung bei den Landtagswahlen im selben Jahr massiv an Stimmen, wobei die SPD von allen Parteien am meisten Stimmen verlor. Dennoch war der Zulauf zu den Rechten größer als die Verluste der Arbeiterpartei, was vor allem daran lag, dass die Nationalsozialisten viele Nichtwähler mobilisierten.

Mit der Weltwirtschaftskrise hatte der Aufstieg der Nazis nichts zu tun

Mit der Weltwirtschaftskrise als dem Thema, das das Jahr 1929 international am meisten und nachhaltigsten prägte, hatte das Ganze nichts zu tun. Diese nahm ihren Anfang nämlich erst mit dem Schwarzen Donnerstag an der New Yorker Börse am 24. Oktober, wovon in Deutschland zunächst aber die wenigsten etwas spürten. Das war erst im Frühjahr 1930 der Fall. Aber der Reihe nach.

Aufgeregte Menschenmenge vor der New Yorker Börse am "Schwarzen Donnerstag". (Bild: Getty Images)

Der New Yorker Börsencrash und die Folgen

Die schwerste Wirtschaftskrise der Welt begann am 24. Oktober gegen 11 Uhr in New York. Schon in den Wochen zuvor hatte der Dow-Jones-Index spürbar nachgegeben, aber an jenem Tag sanken die Kurse schon kurz nach Öffnung der Börse rapide. Kaufinteressenten blieben aus, die Panik bei den Anliegern stieg, laut ”New York Times“ waren allein bis zum Mittag vier Milliarden Dollar den Bach runtergegangen. Wie das passieren konnte? In der Annahme, dass die Kurse immer weiter steigen würden, hatten Investoren jahrelang Aktien auf Pump gekauft. Eine Annahme, die seit September Berichte in mehreren Zeitungen zerstört hatten. Demnach planten die Banken wegen der Kursverluste, von ihren Schuldnern echtes Geld als Sicherheit zu verlangen, da die verpfändeten Aktienpakete an Wert verloren hatten. Um an Bares zu kommen, verkauften die verschuldeten Anleger reihenweise ihre Aktien, was eine verhängnisvolle Spirale in Gang setzte. Durch das Eingreifen dreier Großbanken stabilisierte sich die Lage kurzfristig, doch auch die folgenden Tage gingen als Schwarzer Freitag und Dienstag in die Geschichte ein.

In Deutschland machte sich der Crash erst mit Verzögerung bemerkbar

Mitte November stand der Dow Jones, dessen Allzeithoch bei 381,17 Punkten gelegen hatte, gerade noch bei 198,69 Punkten. Von Deutschland aus betrachtete man das Geschehen zunächst relativ unberührt, die verheerenden Folgen zeigten sich hierzulande erst später. Dann nämlich, als die US-Banken ihre Mittel aus Europa abzogen und Kommunen wie Unternehmen, die auf Kredit Investitionen getätigt hatten, plötzlich mittellos dastanden. Anfang 1930 befand sich dann auch Deutschland voll im Sog der Weltwirtschaftskrise. Wegen der fehlenden US-Konjunktur verdoppelte sich die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr und betraf 3 Millionen Menschen. Die Regierung beschloss daraufhin ein strenges Sparprogramm und würgte die Wirtschaft damit vollends ab, wie man heute weiß.

Das Kino "Babylon" am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin gibt es heute noch. (Bild: Getty Images)

Was sonst noch in Deutschland geschah:

In Deutschland gewinnt Thomas Mann 1929 den Literatur-Nobelpreis, der Roman ”Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin wird ebenso veröffentlicht wie ”Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. Das deutsche Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin landet nach 35-tägiger Weltfahrt in Friedrichshafen, das Opiumgesetz tritt als Vorläufer des Betäubungsmittelgesetzes in Kraft. In Berlin wird das Kino Babylon als Stummfilmkino eröffnet und der erste Tonfilm (”Die Nacht gehört uns“) uraufgeführt.

Herbert Clark Hoover (r.) war Mitglied der Republikanischen Partei und von 1929 bis 1933 Präsident der Vereinigten Staaten. (Bild: Getty Images)

Was sonst auf der Welt geschah:

Bernt Balchen, Richard Evelyn Byrd, Harold June und Ashley McKinley sind die ersten Menschen, die in einem Flugzeug den Südpol überfliegen. Vatikanstadt wird ein unabhängiger Staat. In den USA wird Herbert Hoover als 31. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ins Amt eingeführt. In Hebron kommt es zu einem zwei Tage andauernden Massaker, in dessen Verlauf 67 Juden getötet und alle anderen Juden aus der Stadt vertrieben werden.

”Tim und Struppi“ von Hergé erblicken ebenso das Licht der Welt wie ”Popeye, der Seemann“, das feministische Essay ”Ein eigenes Zimmer“ von Virginia Woolf erscheint, in New York eröffnet das Museum of Modern Art und Werner Heisenberg und Wolfgang Pauli entwickeln die Quantenmechanik zur Quantenelektrodynamik weiter.

Die dritte Staffel ”Babylon Berlin“ läuft ab dem 24. Januar um 20.15 Uhr auf in Doppelfolgen auf Sky 1 HD und im Stream auf Sky Go und Sky Ticket.