„Das sind Rechtsradikale“: Sylke Tempel bei „Markus Lanz“ über Donald Trumps Beziehung zur „Alt-Right-Bewegung“

Donald Trump hat keinerlei Berührungsängste mit der amerikanischen Rechten – das bringt ihn immer wieder unter Beschuss (Bild: AP Photo/Ross D. Franklin, File)

Die Verbindung von US-Präsident Donald Trump zur amerikanischen Rechten – der sogenannten „Alt-Right-Bewegung“ – stand im Fokus von „Markus Lanz“ am 23. August. Dabei zeigte sich die Journalistin Sylke Tempel überzeugt: „Es hat noch nie einen Präsidenten gegeben, der es nicht fertiggebracht hat, sich eindeutig vom Rechtsradikalismus zu distanzieren.“

Spätestens seit dem Anschlag im US-amerikanischen Charlottesville herrscht große Sorge über die Verbindung von Präsident Donald Trump zur US-amerikanischen extremen Rechten. Trump wurde international kritisiert, nachdem er auf einer Pressekonferenz von „Gewalt auf allen Seiten“ gesprochen und sich nicht klar von der selbsternannten „Alt-Right-Bewegung“, einem Konglomerat aus Neo-Nazis, dem Ku-Klux-Klan und anderen rechtsextremen Gruppierungen, distanziert hatte.

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Diese Problematik besprach auch die Talkrunde bei „Markus Lanz“ am Mittwochabend. Die Nähe Trumps zur extremen Rechten sei keine große Überraschung, sagte dort die Journalistin Sylke Tempel: „Er hat während des Wahlkampfs schon im August 2016 jemanden in sein Team geholt, als Chefstrategen, der diese sogenannte Alt-Right-Bewegung erst sichtbar gemacht und vereinigt hat. Und er hat ihn nicht nur zum Chefstrategen gemacht, sondern er hat ihn im Weißen Haus in sein National Security Council gesetzt.“

Genau aus diesem Grund, so Tempel, gingen auch immer mehr Rechtsradikale auf die Straße – mit einem neu gefundenen Selbstvertrauen und dem Wissen, dass der US-Präsident sie nicht verurteilen wird. Auch ein psychologischer Faktor kommt bei Trump hinzu, so Tempel: „Er mag alle, die ihn mögen. Da macht er gar keinen Unterschied, und das ist das Gefährliche daran – wenn jemand so narzisstisch ist.“

Sylke Tempel ist Journalistin, Buchautorin und seit 2008 Chefredakteurin der Zeitschrift „Internationale Politik“. (Bild: ddp images / Breuel-Bild)

Zudem gibt es gerade bei Demonstrationen und Aufmärschen in den USA andere Regelungen: „In Amerika wird Meinungsfreiheit viel weiter interpretiert als bei uns. Es gab einen wichtigen Präzedenzfall in den 1970ern Jahren: Da sind Nazis in Skokie, Illinois marschiert. Das ist tatsächlich legitimiert worden, die durften da marschieren. Es gibt kein Verbot von Nazisymbolen, weil das alles von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Das ist etwas, das uns zuwider ist, vor allem in Deutschland“, so die Journalistin.

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Auch auf Trumps Weltbild und seine Vorstellung vom globalen „Westen“ ging Tempel ein: „Er meint einen Westen, bei dem im Grunde genommen Demokratie an eine bestimmte Gruppierung gebunden ist. Eine bestimmte ethnische Gruppierung, die weiß ist, europäischstämmig ist, in seiner Vorstellung auch ganz offensichtlich bestimmt männlich ist – da kommt ja auch viel Frauenfeindlichkeit dazu. Und das ist eben nicht universal, nicht daran gebunden, dass jeder zu dieser Gemeinschaft gehören kann, ungeachtet seines Geschlechts, seiner Herkunft, seiner Ethnie, seiner Religion, seiner sexuellen Orientierung, was auch immer. Das ist für ihn inakzeptabel. Er findet schon, dass die amerikanische Demokratie an eine bestimmte Gruppe gebunden ist. Das drückt sich da im Ganzen extrem aus.“

Hier spiele auch das Umfeld, in dem Trump aufwuchs, eine große Rolle. „Wenn man sich die Familiengeschichte ansieht, dann ist ein Vater, der keinerlei Berührungsängste mit dem Ku Klux Klan hat, schon einmal schwierig. Donald Trump hat selber eine Tochter, die zum Judentum konvertiert ist, damit hat er offensichtlich kein Problem. Aber ganz sicher ist er jemand, der mit dem Gedanken aufgewachsen ist, dass man als weißer, junger Mann, der ein angelsächsischer Protestant ist, eigentlich die herrschende Klasse sein sollte. Deswegen hasst er auch die Elite so, weil sie ihn eigentlich auch nie so ganz akzeptiert hat. Er war ja auch jemand, der aus der falschen Ecke kam – aus Queens und nicht aus Manhattan.“

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Dennoch sei es falsch, zu behaupten, Trumps Basis sei generell rechtsradikal: „Es nicht die Basis. Ich glaube, man würde ein paar Leuten unrecht tun, die wirklich finden, dass sich etwas ändern muss und bei denen man auch nachvollziehen kann, dass sich etwas ändern sollte. Und die Hillary Clinton wahrscheinlich mehr gehasst haben, als sie jemals Donald Trump hassen würden. […] Es ist ein Teil seiner Basis und der ist nicht unerheblich.“

Trump und Bannon haben es fertiggebracht, dem unzufriedenen, rechtsgerichteten Amerika eine Stimme zu geben und sie salonfähig zu machen. Das könne zukünftig zur Radikalisierung auf beiden Seiten führen. Und zu Schlimmerem, denn eines dürfe man bei amerikanischen Rechtsradikalen nicht vergessen, so Tempel: „Das sind die Jungs mit den schweren Knarren, die sehr sauer sind.“

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