16,3 Mrd. Gründe, weshalb Disney+ im Vergleich zu Netflix die Nase vorn haben wird

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Aktien von Walt Disney (WKN: 855686) und Netflix (WKN: 552484) befinden sich gegenwärtig in einem (noch) kleinen und vor allem medial geschürten Kampf gegeneinander. Viele Medien und auch wir Fools weisen regelmäßig darauf hin, dass insbesondere der Platzhirsch durch den neuen Herausforderer vor einer Bedrohung stehen könnte. Ein Szenario, über das man als Investor zumindest einmal nachdenken sollte.

Langfristig dürften hierbei weiterhin die Inhalte der Schlüssel zum Erfolg sein, wenn man an das Überleben des einen oder anderen Dienstes glauben möchte. Beziehungsweise selbst für das Szenario einer Co-Existenz der beiden Dienste werden die Inhalte entscheidend sein, zumal mit Amazon oder auch AT&T weitere Konkurrenten bereitstehen, um sich in diesem Markt zu etablieren.

Wenn wir es an dieser Stelle nun jedoch auf den inzwischen üblichen Disney-Netflix-Vergleich herunterbrechen, so könnte es 16,3 Mrd. Gründe geben, die derzeit für das Maus-Haus sprechen. Lass uns an dieser Stelle einmal schauen, was hinter der Summe stecken könnte.

Es sind Kosten für Content, Fool!

Wie sich so mancher Investor mit Sicherheit bereits denken kann, hängt diese Zahl mit den jeweiligen Kosten für Inhalte zusammen. Genauer gesagt könnte diese Zahl der Betrag sein, den Netflix in diesem Jahr für eigene Inhalte ausgeben wird. Beziehungsweise die Differenz zwischen dem Platzhirsch und dem Verfolger.

Wie ein Analyst aus dem Hause BMO Capital Markets in diesen Tagen vorrechnet, dürfte der Platzhirsch in diesem Jahr die gewaltige Summe von 17,3 Mrd. US-Dollar für eigene Inhalte ausgeben, wozu unter anderem Kassenschlager wie Stranger Thins, You oder auch eine weitere Staffel von The Witcher zählen dürften. Disney+ hingegen wird es aller Voraussicht nach lediglich auf eine Milliarde US-Dollar für die Entwicklung eigener Inhalte bringen, was hier zu einer Diskrepanz von ebenjenen 16,3 Mrd. US-Dollar führt. Wie gesagt, nach Einschätzung eines Analysten.

Auch wenn diese Zahlen womöglich mit ein wenig Vorsicht zu genießen sind, so lässt sich hier doch eine klare Tendenz erkennen: Netflix ist weiterhin gezwungen, stark zu investieren, während Walt Disney über den Luxus eines gigantischen Bergs an Content verfügt, der lediglich durch kleinere Investitionen erweitert werden kann. Allerdings ist das an dieser Stelle nicht einmal der bemerkenswerteste Schluss, den man daraus ziehen kann.

Das könnte sich auf die Angebotsqualität auswirken

Zudem ist Netflix weiter gezwungen, breit zu investieren. Zwar wissen auch die US-Amerikaner inzwischen, dass eine Serie wie Stranger Things derzeit ein Erfolg ist, oder auch, dass The Witcher funktioniert. Allerdings bilden diese Formate bislang noch die Ausnahme, was unweigerlich dazu führt, dass Netflix noch immer viel Geld auch in Produktionen stecken muss, die sich nicht derart rentieren.

Disney besitzt an dieser Stelle daher einerseits den Vorteil, diese Investitionen nicht mehr tätigen zu müssen, da man auf einer ganzen Menge Inhalte sitzt, und verfügt andererseits über starke Franchises. Die weiterhin ausgereizt und um starke Akzente erweitert werden können. So wie beispielsweise die erfolgreiche Star-Wars-Serie The Mandalorian. Das kann hier unter Umständen zu mehr Effizienz führen, wobei man die Masse mit älteren Inhalten liefern kann.

Dieses Investitionsverhalten kann unter Umständen auch zu einem weiteren Spread beim Preis führen. Oder bei der Profitabilität. Disney muss diese hohen Kosten schließlich nur begrenzt zur Preisbildung ansetzen. Bei Netflix, wo die Kosten sogar langfristig noch auf 26 Mrd. US-Dollar im Jahr 2026 steigen könnten, so der Analyst, werden diese Kosten stets berücksichtigt werden müssen. Das könnte entweder zu weniger Profitabilität oder eben einem höheren Preis führen, wobei sich Disney und Netflix qualitativ immer weiter annähern könnten. Durchaus ein Szenario, in dem der Platzhirsch möglicherweise nicht so gut abschneiden würde.

Spannende Zahlen

Unterm Strich handelt es sich bei diesen Zahlen daher um einen weiteren bemerkenswerten Beweis, wie führend Walt Disney im Bereich des Streamings daher sein könnte. Sicher, auch eine Co-Existenz dieser zwei Streaming-Größen scheint immer noch möglich und Netflix wird mit Sicherheit als Platzhirsch nicht schnell von der Bildfläche verschwinden.

Allerdings könnten diese Summen zur Attraktivität und zu den Konditionen der jeweiligen Angebote beitragen, was durchaus eine Marktanteilsverschiebung zugunsten von Disney+ auslösen könnte. In einem Markt, in dem Content siegt, bleibt Walt Disney schließlich eine Macht. Das können Investoren hier nur wenig leugnen, wobei auch diese prognostizierten Zahlen unterm Strich nicht lügen.

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Vincent besitzt Aktien von AT&T und Walt Disney. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, Netflix und Walt Disney. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2021 $60 Calls auf Walt Disney

Motley Fool Deutschland 2020