Von Unternehmer bis Denkmalpfleger: So verdient der Adel sein Geld

Die ehemaligen Adelsgeschlechter sind immer noch in aller Munde.

Seit fast hundert Jahren existiert der Adelsstand in Deutschland schon nicht mehr. Trotzdem haben die Namenszusätze „von“ und „zu“ immer noch eine immense Strahlkraft – die Boulevardpresse reißt sich weiterhin um die Geschichten der Reichen und Schönen. Dabei sind die großen Jahre der Habsburger, Hohenzollern oder Welfen schon lange vorbei.

Mit dem politischen Einfluss sank auch die finanzielle Macht der ehemaligen Fürsten, Grafen und Freiherren. Über ihre Einkünfte und Vermögensverhältnisse hüllen die Nachfahren der großen Adelshäuser gerne den Mantel des Schweigens. Dabei sind genau diese Verflechtungen eine spannende Angelegenheit. Wie verdienen oder verwalten die späten Nachkommen von Kaisern und Königen wie Wilhelm oder Ludwig II. ihr Geld? Und was ist vom Glanz früherer Tage noch geblieben? Yahoo Finance macht für die einflussreichsten Adelshäuser Deutschlands und Österreichs den Vermögenscheck.

Erbprinz Ernst August Jr. (mit seiner Frau Ekaterina Malysheva) soll über kurz oder lang die Familiengeschäfte übernehmen. (AP Photo/Jens Meyer)

Die Welfen – die Verschwiegenen

Aufgrund der regelmäßigen Medienpräsenz ihres Familienoberhauptes Ernst August von Hannover sind die Nachfahren der Welfen das wohl bekannteste ehemalige Adelshaus Deutschlands. Was neben den Klatschgeschichten jedoch kaum Erwähnung findet, sind die Einkommensverhältnisse des eng mit den englischen Monarchen verwandten Geschlechts. Ernst August und sein Clan sind in dieser Hinsicht extrem verschwiegen. Angeblich beläuft sich das Vermögen der Welfen immer noch auf stolze 400 Millionen Euro – eine immense Summe, auch wenn der so genannte „Geldadel“ aus der Wirtschaft die „Blaublüter“ in puncto Vermögen mittlerweile meilenweit übertrumpft.

Wo dieses Geld herkommt bzw. wie genau es verwaltet wird, ist jedoch unklar. Das „Familienunternehmen“, wie die Welfen ihre unternehmerischen Tätigkeiten bezeichnen, gibt keine Auskünfte über Firmenbeteiligungen und Vermögensverhältnisse. Fest steht jedoch: Ein großer Teil des Welf’schen Geldes liegt nicht im produzierenden Bereich. Weitreichende Ländereien und Forste in Deutschland und Österreich gehören der Familie, zudem Burgen und Schlösser – unter anderem die Marienburg nahe Hannover oder Schloss Cumberland in Oberösterreich.

Hinzu kommen umfangreiche Privatschätze wie die Hannoverschen Kronjuwelen und jahrhundertealte Kunst. Nichts, was man eben mal zu Geld machen kann. Ehemals adeliges Vermögen ist oft auch ein starres Vermögen, das nicht einfach so liquidiert werden kann. Von den immensen Unterhaltskosten für die uralten Bauwerke ganz zu schweigen.

Das Oberhaupt der Hohenzollern und seine Frau. (Photo by Andreas Rentz/Getty Images)

Die Hohenzollern – die Unternehmer

Weniger verschwiegen und deutlich „weltlicher“ geben sich die Nachkommen der preußischen Könige und deutschen Kaiser – die Hohenzollern. Der Clan, deren Stammsitz in Sigmaringen im südlichen Baden-Württemberg liegt, besitzt ein eigenes Mischunternehmen unter Führung des Familienoberhaupts Karl Friedrich Emich Meinrad Benedikt Fidelis Maria Michael Gerold Prinz von Hohenzollern (sic!).

Sechs Subunternehmen bilden die Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern, insgesamt sind etwa 3200 Mitarbeiter im Konglomerat angestellt. Wichtigste Tochter ist die Zollern GmbH & Co. KG – ein Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie mit circa 2800 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro (2016). Übrigens mit über 300 Jahren das älteste Privatunternehmen Baden-Württembergs. Eine echte Hausmarke.

Ergänzt wird die Unternehmensgruppe durch stille und aktive Beteiligungen an Baden-Württembergischen Mittelständlern, einer Immobiliensparte, einer Forstverwaltung, einer Tourismussparte, die unter anderem die Arber Bergbahn im bayerischen Wald mit betreibt, und – witzige Anmerkung am Rande – einer Bau- und Möbelschreinerei mit fünf Mitarbeitern.

Hohe Gäste begrüßte Franz von Bayern 2011 am Schloss Nymphenburg. (AP Photo/Matthias Schrader)

Die Wittelsbacher – die Denkmalpfleger

Durch die jahrhundertelange, enge Verbindung zwischen dem Haus Wittelsbach und dem Staat Bayern – das Geschlecht stellte von 1777 bis 1918 den Kurfürsten und später den König – gestaltete sich die Lage nach dem Ende der Monarchie als schwierig. Was war Privatbesitz der Wittelsbacher? Was gehörte dem bayerischen Staat? Das regelte nach Ende des 1. Weltkriegs der so genannte Wittelsbacher Ausgleichsfond, der die Vermögens- und Besitzverhältnisse klar regelte.

Die Wittelsbacher und ihr Familienoberhaupt Franz Bonaventura Adalbert Maria Herzog von Bayern konzentrierten sich nach Ende auf die Verwaltung des ihnen zugesprochenen Vermögens. Das war auch nicht wenig: Beispielsweise gehören die Schlösser Tegernsee, Leustetten und Kaltenberg zum Privatvermögen der Nachkommen Ludwigs II., hinzu kommen 12.500 Hektar Land und Forst. Auch Immobilien (Mietshäuser in München, eine mehr als solide Geldanlage) und Unternehmensbeteiligungen gehören zum Besitz der Familie.

Auch die Kunstschätze Ludwigs I., die zu großen Teilen in den Münchner Pinakotheken und der Glyptothek ausgestellt sind, stehen unter Verwaltung der Wittelsbacher und generieren Umsätze für die Familienkasse. Wie viel das ist und wie groß das Vermögen des ehemaligen Adelsgeschlechts wirklich ist, wird jedoch geheimgehalten.

Die Familienoberhäupter der österreichischen Habsburger. (AP Photo/Bela Szandelszky)

Die Habsburger – die „Abgehängten“

Die Habsburger sind – global gesehen – das wohl einflussreichste Adelsgeschlecht gewesen. Keine Familie gründete in so vielen Ländern auf dem Globus Monarchien, teilweise wurde halb Europa von den verschiedenen Familiensträngen beherrscht. Vor allem die österreichischen Habsburger traf es nach dem Ende der K&K-Monarchie in Österreich-Ungarn jedoch heftig.

Mehrfache Enteignungen durch die neu gegründete Österreichische Republik und eine lediglich schleppende Anpassung an die neuen Gegebenheiten ließ das ehemals tonangebende Geschlecht verkümmern – vor allem finanziell. Wobei „verkümmern“ auch eher relativ ist: 100 Millionen Euro Vermögen sollen die österreichischen Habsburger weiterhin besitzen, was natürlich alles andere als ein Pappenstiel ist. Wobei sich dieser Reichtum zum einen auf viele Gesichter verteilt – und zum anderen mehrheitlich in Ländereien, Forsten und Schlössern liegt, die wie schon erwähnt schwer zu unterhalten sind.

Entsprechend gehen viele Habsburger mittlerweile klassischen „weltlichen“ Berufen nach und leben eher sparsam. Die schillerndsten Habsburger der letzten Jahrzehnte waren das ehemalige Familienoberhaupt Otto von Habsburg (gestorben 2006) und der aktuelle Chef des Hauses Karl von Habsburg-Lothringen. Sie gingen in die Politik, auf die vor allem Otto einen durchaus signifikanten Einfluss ausübte: Er saß im Zeitraum der europäischen Einigung im Europaparlament und war eine starke, EU-freundliche Kraft.

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