Dax scheitert an der Rekordmarke

Schwach gestartet schlug sich der Dax am Dienstag lange Zeit tapfer. Mit der 13.000-Punkte-Marke im Rücken wagten die Anleger einen Angriff auf die Bestmarke. Das Unternehmen schlug fehl – am Ende bleibt ein Minus.


Der Dax mimte am Freitag den Sisyphos: Schien bei Handelsbeginn ein Durchbrechen der magischen 13.000-Punkte-Marke durchaus wahrscheinlich, so begab sich der deutsche Leitindex im Tagesverlauf auf eine Berg- und Talfahrt. Anlass für zeitweise Minusstände bot eine Hiobsbotschaft aus Übersee: In den USA war die Anzahl neu geschaffener Jobs im September um 33.000 Stellen eingebrochen – der erste Rückgang seit sieben Jahren. Auf Grund der Belastungen durch die jüngsten Tropenstürme waren die Schätzungen der Experten zwar deutlich auseinandergegangen, mit einem Zuwachs hatten Analysten aber fest gerechnet.

Die Anleger reagierten verschreckt. So notierte der Dax bei Handelsschluss 0,1 Prozent im Minus. Die zweite Frankfurter Reihe, der MDax, gab um 0,5 Prozent nach. Für den paneuropäischen Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,3 Prozent abwärts. Für Thomas Altmann von QC Partners war die Aufregung auf dem Parkett überzogen: „Bei den neu geschaffenen Stellen wurde die Markterwartung zwar verfehlt. Dies kann aber auch an einem Mangel an Bewerbern liegen“.

Die Helaba urteilte: „Die Daten zum US-Arbeitsmarkt forcieren die Zinsspekulationen, ungeachtet der enttäuschenden Beschäftigungsentwicklung. Marktseitig kommt unserer Einschätzung nach der Entwicklung der Stundenlöhne ein höheres Gewicht zu als dem Beschäftigungsabbau.“ Die durchschnittlichen Stundenlöhne in den USA zogen zuletzt stärker an als erwartet.

Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets schlussfolgerte, dass der Sprung über die Marke von 13.000 Punkten nur aufgeschoben und nicht aufgehoben sein dürfte.


Neben dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt beschäftigte die Börsianer auch die politische Krise in Spanien. Ungeachtet des Verbots des spanischen Verfassungsgerichts will das katalanische Regionalparlament am Montag über eine Loslösung von Spanien debattieren. An der Madrider Börse setzte der Leitindex seine Talfahrt fort.

Die Aktien der Banco de Sabadell und der Caixabank rutschten zeitweise um 4,1 beziehungsweise 2,8 Prozent ab. Eine Verlegung der Zentralen in andere Teile Spaniens werde nicht alle Probleme der Institute lösen, warnten die Analysten der Berenberg Bank. Katalanische Kunden könnten sich wegen des Umzugs abwenden, während die beiden Banken andernorts weiter als katalanische Geldhäuser wahrgenommen würden. Die Nervosität der Anleger schwappte auf die übrigen Finanzwerte der Euro-Zone über. Sie büßten im Schnitt 0,2 Prozent ein.

Commerzbank-Analyst Ralph Solveen meinte: „Der Katalonien-Konflikt betrifft nicht nur Spanien, sondern auch die EU. Er stellt die Pläne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Frage, die Währungsunion durch ein gemeinsames Budget, also durch mehr Umverteilung vermeintlich zu stabilisieren.“


Ein Gespenst geht um an den Börsen


Mit sorgenvoller Miene blickten Investoren außerdem nach Großbritannien. Die verpatzte Parteitagsrede der Premierministerin Theresa May vom Mittwoch nähre Spekulationen auf vorgezogene Neuwahlen, schrieben die Analysten der Rabobank in einem Kommentar. Umfragen zufolge käme dann Labour-Chef Jeremy Corbyn ans Ruder. „Nicht nur würde Corbyns Plan zur Wiederverstaatlichung der Eisenbahn, der Wasser- und Energieversorger Anleger abschrecken. Außerdem würden Neuwahlen die Brexit-Verhandlungen in neue Turbulenzen stürzen.“ Aus Anlegersicht ein sozialistischer Alptraum. May betonte allerdings am Freitag, sie stehe für eine „Politik der ruhigen Hand“, für die sie die volle Unterstützung ihres Kabinetts habe.


Unter den Einzelwerten des Dax belegte ThyssenKrupp den letzten Platz. Papiere des Stahlkonzerns verzeichneten ein Minus von 2,9 Prozent. Anteilsscheine von ProSiebenSat.1 avancierten mit einem Aufschlag von 2,7 Prozent zum Tagessieger des Leitindex. Bergauf ging es auch für Bayer: Die Scheine des Pharmakonzerns legten um 0,5 Prozent zu und trotzten einem Rückschlag in der Entwicklung eines Medikaments für Schlaganfallpatienten.

Im TecDax, dem Index der Technologiewerte, büßten die Papiere von Xing 3,4 Prozent ein. Grund war eine Abstufung durch die Commerzbank. Die Unternehmensstärke sei mit Blick auf die jüngste Rally der Aktie von etwa 40 Prozent in den vergangenen sechs Monaten ausreichend eingepreist, kommentierte die Analystin Heike Pauls.

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