12 Jahre Warten: Die irre Story des Michael Rösch

Franziska Wendler, Jonas Nohe
Die Bilder seiner Unterstützer sind auf dem Gewehr von Michael Rösch abgebildet

Es waren harte Zeiten für Michael Rösch. Seit den Olympischen Spielen 2006 in Turin musste "Ebs" zwölf Jahre lang warten, ehe sich sein Traum von einer erneuten Olympia-Teilnahme erfüllt hat.

In Turin gewann der damals 22-Jährige mit der Staffel Gold. Anschließend ging es für Rösch bergab. Sportlich konnte er die Erwartungen nicht mehr erfüllen. Statt im Weltcup-Zirkus mitzumischen musste sich Rösch mit Rennen im zweitklassigen IBU-Cup begnügen.

Viele private Rückschläge

Nach dem Bruch mit dem Deutschen Skiverband blieb dem heute 34-Jährigen nur noch ein Nationenwechsel, um noch einmal ganz vorne mitmischen zu können. Seit 2014 startet der im sächsischen Pirna geborene Rösch für Belgien.

Auch privat lief es für den Biathleten alles andere als rund. Geldnot brachten Rösch in Bedrängnis. Am Ende musste er sein Haus verkaufen und wieder bei seinen Eltern einziehen.


Den Traum von einer zweiten Olympia-Teilnahme finanzierte sich Rösch via Crowdfunding. Die Fotos seiner 303 Unterstützer sind auf seinem Gewehr abgebildet, insgesamt spülten sie ihm 24.000 Euro in die Kasse.

Rösch bleibt immer positiv

Doch trotz der Widrigkeiten in seinem Leben lässt sich der lebenslustige Biathlet nicht entmutigen. Das beweist er auch in Pyeongchang.

Vor dem Verfolgungs-Rennen konnte Rösch seine Handschuhe nirgendwo finden. "Dann habe ich irgendwelche räudigen Handschuhe von irgendeinem Polen bekommen", sagte der 34-Jährige. Als Verdächtigen hat Rösch bereits seinen Physiotherapeuten ausgemacht. Dieser soll seine "guten Handschuhe verschlampt" haben.

Die Händewärmer aus Polen waren dann zu allem Überfluss auch noch zu dick. "Zum Glück hatten sie einen Schlitz, dadurch konnte ich den Finger rausstrecken", so Rösch. "Nach dem ersten Schießen war der Finger dann halb erfroren."


Bedingungen in Pyeongchang schwierig

Läuferisch ist der gebürtige Sachse mit seiner Leistung noch nicht wirklich einverstanden: "Das Laufen war ein bisschen wie ein Sack Kartoffeln." Aktuell reicht es beim Deutsch-Belgier nur für kurze Rennen. "Alles was länger ist, fällt mir einfach momentan schwer", musste sich Rösch eingestehen.

Auch mit den Bedingungen vor Ort kann sich "Ebs" nicht wirklich anfreunden. "Die Kälte ist beim Atmen wirklich schwierig und der Wind ist eklig." Dass beim Biathlon jedes Rennen durchgezogen wird - egal wie schwierig das Wetter auch ist - findet Rösch indes inakzeptabel. "Aber wir sind es ja gewöhnt, damit muss man umgehen können", so der 34-Jährige im SPORT1-Interview.

In Pyeongchang geht es für Rösch nicht um Medaillen. Das Olympia-Motto "Dabei sein ist alles" trifft auf den Staffel-Olympiasieger von 2006 voll zu. Auch das meist positive Feedback in den Sozialen Netzwerken freut Rösch sehr: "Der Großteil der Kommentare ist wirklich sensationell. Da denke ich mir immer wieder: Dafür hat es sich wieder gelohnt."


Für das Einzelrennen am Donnerstag  hat sich der Biathlet eine starke Schieß-Leistung zum Ziel gesetzt. Auf alle Fälle geht er positiv in das 20-Kilometer-Rennen (12 Uhr im LIVETICKER). "Ich habe das Gefühl, dass es jetzt immer besser wird."

Für die "räudigen" Handschuhe hat sich Rösch übrigens noch nicht bedankt. "Nein, ich muss den Polen erst einmal suchen", so der 34-Jährige.