Dax bleibt fest im Griff des starken Euros

Europas Aktien können dem teuren Euro nicht entkommen. Der Flirt mit der 1,20-Dollar-Marke lässt den Dax gefährlich nah an die 12.000 fallen. Am Ende kann sich der Leitindex zwar fangen, doch gute Stimmung gibt es keine.


Der Euro hat Europas gesamten Handel fest im Griff. Und ein Entkommen scheint es nicht zu geben, denn ablenkende Impulse sind am Ende dieses tristen Augusts nicht in Sicht. Zeitweise war der Dax am Montag deutlich abgesackt, plötzlich stand er gar der 12.000-Punkte-Marke gefährlich nahe. Vor zwei Wochen hatte er sie zwischenzeitlich unterschritten, nun drohte der zweite Durchbruch des nicht nur psychologisch wichtigen Tausenders. Zu groß war die Enttäuschung, dass Mario Draghi auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole kein Wort zum Euro verloren hatte. Am Ende des Handelstags konnte sich der Dax immerhin fangen – mit 12.123 Zählern notierte er 0,4 Prozent leichter. Doch die Stimmung bleibt gedrückt, denn der Euro macht keinerlei Anstalten mit dem Muskelspiel aufzuhören.

Die Gemeinschaftswährung setzte ihren Flirt mit der 1,20-Dollar-Marke unverhohlen fort. Zum Frankfurter Handelsschluss markierte der Euro bei einem Plus von 0,4 Prozent mit 1.1967 Dollar ein neues Zweieinhalb-Jahres-Hoch. Zuletzt war man dem Greenback gegenüber so stark Anfang zum Jahreswechsel 2014/15. Allein in diesem Jahr hat sich der Euro bereits um knapp 14 Prozent verteuert. Eine schwache Währung macht die Exporte ins Ausland billig. Werden europäische Waren und Güter teurer, verlieren sie einen wichtigen Wettbewerbsvorteil auf den internationalen Märkten. Vor allem die deutsche Wirtschaft mit ihrem Fokus auf Ausfuhren schmerzt die Aufwertung.


Auslöser für den Aufschwung der Gemeinschaftswährung waren die Reden von US-Notenbankchefin Janet Yellen und Mario Draghi, Chef der Europäischen Notenbank (EZB), anlässlich des Notenbankertreffens im US-amerikanischen Jackson Hole am Freitagabend. So hatten einige Investoren darauf gesetzt, dass Draghi versuche werde, verbal gegen den jüngsten Euro-Höhenflug gegenzusteuern.

Doch Fehlanzeige – der höchste EZB-Vertreter ging weder auf seine aktuelle Geldpolitik ein noch äußerte er sich zum deutlich gestiegenen Wechselkurs des Euros. Stattdessen warnte Draghi vor den Gefahren des Protektionismus und nationalen Alleingängen. Mario Draghi habe nicht mal versucht bei der jüngsten Eurostärke gegenzusteuern, kommentierte Ökonom Cathal Kennedy vom Analysehaus RBC Capital.


Nicht nur in der ersten Frankfurter Reihe verlief der Handel zäh. Der paneuropäische Leitindex, der Euro-Stoxx-50, schloss 0,4 Prozent leichter bei 3424 Punkten. Auch für die Aktien mittelgroßer Unternehmen ging es bergab: Der MDax sank um 0,4 Prozent auf 24.660 Punkte, der Technologiewerte-Index TecDax fiel um ein halbes Prozent auf 2255 Stellen. In New York konnte der Aktienhandel zwar dem Hurrikan Harvey trotzen, der in Texas gewütet hatte, doch auf dem Parkett herrschte Zurückhaltung. Dow und Co. kamen nicht wirklich vom Fleck.

Die nächsten Tage dürften schwierig werden, denn Schwung sucht man vergeblich. Die Umsätze waren in den letzten Tagen gering, viele Akteure scheinen derzeit neben dem Spielfeld zu stehen und warten, bevor sie wieder aufs Parkett treten. Höhepunkt der Woche dürfte der Freitag sein. Aus Washington kommt dann der US-Arbeitsmarktbericht, der aus der Arbeitslosenquote – und noch wichtiger – der Zahl neugeschaffener Jobs besteht. Die Zahlen haben deswegen eine so große Bedeutung, weil sie Hinweise darauf geben, wann die Fed die Zinsen weiter anheben wird. Oder zumindest lassen sie Spekulationen darauf zu. Ein hohe Beschäftigungsstand ist eines der in ihre Satzung verankerten Ziele der amerikanischen Notenbank Federal Reserve.


Unter den Einzelwerten im deutschen Leitindex konnten zeigten sich die Versorger stark. Im widrigen Umfeld lagen Eon und Bayer zeitweise ein halbes Prozent zu. Bayer stand im Fokus. Die Papiere des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer profitierten von einem weiteren Studienerfolg mit seinem wichtigsten Mittel Xarelto. In einer großangelegten klinischen Studie konnte das Risiko von Schlaganfällen und Infarkten bei chronisch herz- und gefäßkranken Patienten deutlich gesenkt werden, wie Bayer mitteilte. Analysten trauen dem Blutgerinnungshemmer in diesem Bereich weitere Milliardenumsätze zu. am Ende gingen die Papiere minimal schwächer aus dem Handel.