„1000 Arten, Regen zu beschreiben“: Das seltsame Phänomen, das den Film inspiriert hat

Victoria Timm
Freie Autorin für Yahoo Kino
Vor verschlossener Tür: In „1000 Arten, Regen zu beschreiben“ schottet sich ein Jugendlicher von seiner Familie ab. (Bild: Film Kino Text)

In Japan nennt man es „Hikikomori“, nun beschäftigt sich ein deutscher Spielfilm mit dem Phänomen, sich vor Familie und Gesellschaft wegzuschließen.

Mike ist gerade 18 Jahre alt geworden und hat beschlossen, sich in seinem Zimmer einzuschließen. Seine Familie muss nun lernen, mit der Situation rund um die wochenlang verschlossene Tür umzugehen. Das Drama „1000 Arten, Regen zu beschreiben“ von Isabel Prahl zeigt diesen Prozess mit Bjarne Mädel („Der Tatortreiniger“), Bibiana Beglau („Über Barbarossaplatz“), Emma Bading („Lucky Loser“) und Louis Hofmann („Dark“) in den Hauptrollen.

Doch hinter der Handlung des Films, der ab dem 29. März im Kino läuft, steckt ein wahres Phänomen, das unter dem Namen „Hikikomori“ erstmals in Japan beobachtet wurde: Junge Menschen scheitern an dem Übergang ins Erwachsenenalter und ziehen sich infolge freiwillig langfristig, teils gar Monate oder Jahre zurück. Die Betroffenen schließen sich in ihrem Zimmer im Elternhaus ein und reduzieren den Kontakt zu Familie und Außenwelt so weit wie möglich. Verschiedenen Schätzungen zufolge sollen mehrere Hunderttausend bis über eine Million „Hikikomori“ in Japan leben.

„Die Gründe liegen zumeist in der Überforderung, in der Versagensangst und der Sorge, den Erwartungen und Verantwortlichkeiten des Erwachsenenlebens nicht standhalten zu können“, heißt es auf der Webseite von „1000 Arten, Regen zu beschreiben“. „Leistungsdruck, sozialer Druck, aber auch der Entscheidungsdruck angesichts der Fülle an Möglichkeiten drängen in dieser Phase der Selbstfindung schließlich in die Isolation.“ Der Film widme sich dem Thema, da sich das Phänomen auch immer mehr in Westeuropa verbreite.

Den Betroffenen, den 18-jährigen Mike, sieht man in „1000 Arten, Regen zu beschreiben“ nicht. Stattdessen konzentriert sich der Film darauf, was die Situation mit seinen Eltern und seiner Schwester macht. „Also eigentlich geht es wirklich um diesen Schmerz dieser Familie, auch um so eine absolute Ohnmacht“, erklärt Regisseurin Prahl im Interview mit „Deutschlandfunk Kultur“. „Ich glaube, es gibt nichts Brutaleres, als wenn jemand einfach die Tür schließt und nicht sagt warum, also es ist ja ein Bild für etwas. Es ist ein brutaler Akt.“

Der Weg von dem soziophoben Verhalten zurück in die Gesellschaft ist im wahren Leben oft lang und schwierig. Von Psychotherapien bis hin zu Wohnheimen gibt es verschiedene Ansätze. Einige Familien warten auch einfach darauf, dass der Betroffene von selbst aus der Abschottung herauskommt. Wie dieser Prozess für Mike aussieht, bleibt in „1000 Arten, Regen zu beschreiben“ weitestgehend offen. Vordergründig geht es darum, wie seine Familie für sich Lösungen findet, mit der Situation umzugehen, nachdem ihr gutes Zureden, Locken und Drohen unbeantwortet bleibt.