100 Millionen Euro: Dieses E-Bike-Start-up verzehnfacht seine Umsätze in zwei Jahren

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin

Erst Luxusklasse, dann Massenmarkt: Das niederländische E-Bike-Start-up Vanmoof legte einen rasanten Start hin und profitiert derzeit stark von der Corona-Krise. In diesem Jahr erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 100 Millionen Euro.

Taco Carlier, Gründer und Boss des E-Bike-Startups Vanmoof. (Bild: Vanmoof)

Immer mehr Städte setzen auf den Ausbau von Radverkehrswegen, die Nachfrage nach E-Bikes steigt. Das war auch schon vor der Corona-Krise so. Doch aus Angst vor der Ansteckungsgefahr in Bussen und Bahnen steigen noch mehr Menschen aufs Rad als zuvor. Die Städte haben reagiert und während der Pandemie temporäre Radwege eingerichtet, wie etwa Berlin.

Zugute kommt das vor allem auch den E-Bike-Herstellern, so wie dem niederländischen E-Bike-Start-up Vanmoof. Das Unternehmen stellte Ende April seine neuen Modelle S3 und X3 in einem Livestream vor und traf den Nerv der Zuschauer. In nur einer Woche verkaufte die in Amsterdam ansässige Firma 6.000 S3- und X3-E-Bikes und hat seitdem nach eigenen Angaben 10.000 Verkäufe weltweit erzielt.

Futuristisches Design und überzeugende Technik

Geschuldet ist dies dem futuristischen und innovativen Design sowie dem günstigen Preis der neuen Modelle. Während Vanmoof-Räder bisher preislich in der Luxusklasse bei etwa 4.000 Euro lagen, hat sich der Preis für die neuen Modelle in etwa halbiert. S3 und X3 werden jeweils für 1.998 Euro verkauft.

Optisch überzeugen die Bikes mit stylischem Design und bieten dazu auch innovative Technik.

Die Reichweite liegt laut Vanmoof zwischen 60 und 150 Kilometern. Die Räder besitzen ein Matrix-Display in der Querstange und einen Diebstahlschutz über ein integriertes Schloss am Hinterrad, das auch über eine App aus der Ferne aktiviert werden kann. Das Entsperren funktioniert nur, wenn ein Unlock-Button gedrückt wird und das Handy des Besitzers mit eingeschaltetem Bluetooth in Reichweite ist.

Wird das Rad unbefugt bewegt oder umgestoßen, ertönt der Bordalarm. Bei Diebstahl lässt sich das Bike über GSM-Tracking orten. Überdies bietet der Hersteller für den Diebstahl-Fall einen  besonderen Service, der für 290 Euro dazu gekauft werden kann: Falls ein verschwundenes E-Bike nicht gefunden wird, geht Vanmoof zwei Wochen lang auf die Suche. Bleibt das erfolglos, erhalten Kunden ein neues Bike.

Rasantes Wachstum

Van Moof wurde im Jahr 2009 von den Brüdern Taco und Ties Carlier gegründet. Sie hatten sich das Ziel gesetzt, ein perfektes Citybike zu erschaffen. Zunächst verkauften die Brüder Räder ohne Motor, 2014 kamen dann die ersten mit elektronischem Antrieb auf den Markt.

Mittlerweile ist Vanmoof in 40 Ländern vertreten und hat Flagship-Stores in Metropolen wie Amsterdam, Taipei, Bankog, New York, San Francisco, London, Tokio und Berlin. Nach eigenen Angaben verkaufte das Unternehmen bisher weltweit 120.000 E-Bikes.

Ab 2018 fuhr Vanmoof Rekordumsätze ein. Der Umsatz von 10 Millionen Euro in 2018 vervierfachte sich im Folgejahr auf fast 40 Millionen Euro. Für 2020 erwartet das Start-up einen Umsatz von 100 Millionen Euro.

In zwölf Stunden 2,5 Millionen Euro gesammelt

In 2019 hatten die Fahrradbauer über eine Crowdfunding-Aktion in nur zwölf Stunden von 920 Geldgebern 2,5 Millionen Euro eingesammelt. Mit dieser Hilfe konnte Vanmoof seine internationale Expansion beschleunigen, die Modelle Electrified S2 und X2 auf den Markt bringen sowie vier neue Flagship-Stores  in Europa, den USA und Asien eröffnen. Insgesamt kamen in 2019 nach Unternehmensangaben 7,5 Millionen Euro über Crowdfounding zusammen.

Die erfolgreiche Markteinführung der S3- und X3-E-Bikes im April bescherte dem Unternehmen millionenschwere Investition, die im Mai bekannt gegeben wurde. Der Wagniskapitalgeber Balderton Capital und der Elektronik-Zulieferer Sinbon Electronics katapultieren den niederländischen Fahrradbauer mit einer Gesamtinvestition von 12,5 Millionen Euro weiter nach vorn im internationalen Markt.

Für die Zukunft hat sich Vanmoof vorgenommen, die Marke von einer Milliarde verkauften E-Bikes zu knacken.

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Branchenexperte Hannes Neupert hält Vanmoofss Ziel, eine Milliarde E-Bike-Fahrer zu erreichen, nicht für übertrieben, wie das Online-Magazin Gründerszene berichtet. Auch wenn er Vanmoof bei allem Hype nicht als Maß aller Dinge sehe. „Wer über ausreichend Finanzmittel verfügt, hohe Lagerbestände aufbauen kann und auf den Online-Vertrieb mit gutem Service setzt, der wird auch viele E-Bikes verkaufen.“

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