100 Jahre Frauenwahlrecht – was hat sich verändert

Ein Jahrhundert Frauenwahlrecht in Deutschland – doch von hundertprozentiger Gleichberechtigung sind wir weit entfernt. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen.


Vor 100 Jahren wurde in Deutschland das Wahlrecht für Frauen eingeführt. Grund genug zu analysieren, in welchen Bereichen die Gleichberechtigung von Frauen und Männern tatsächlich schon durchgesetzt ist – und wo noch Nachholbedarf ist.

Frauen arbeiten mehr im Haushalt als Männer
Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) müssen Frauen unabhängig von ihrem Job mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer. Dazu zählen vor allem Aufgaben in der Kinderbetreuung und im Haushalt. Laut repräsentativen Stichproben kümmern sich Frauen in Deutschland durchschnittlich gut vier Stunden pro Tag darum, Männer nur zweieinhalb. Verglichen mit Mexiko ist der Unterschied aber gering: Dort arbeiten Frauen durchschnittlich sechseinhalb Stunden im Haushalt, rund vier Stunden mehr als Männer.

Deutlich weniger Frauen im Bundestag
Unter den Abgeordneten des jetzigen Bundestages sind rund 30 Prozent Frauen – deutlich weniger als im letzten (36,5 Prozent). Ein Grund dafür ist die männerdominierte Fraktion der AFD, die erstmals vertreten ist: Nur zehn von 94 Abgeordneten sind weiblich. Bei der Union sind es 49 Frauen gegenüber 197 Männern.

Von allen vertretenen Parteien haben nur die Linke und die Grünen mehr Frauen in der Fraktion als Männer. Insgesamt ist der Frauenanteil im Bundestag seit 1949 aber deutlich gestiegen. Während in der allerersten Legislaturperiode lediglich 28 Frauen vertreten waren, sind es mittlerweile 218.

Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern nur geringfügig kleiner geworden

Noch immer verdienen Frauen weniger als Männer. Das unbereinigte Verdienstgefälle zwischen beiden Geschlechtern betrug 2016 in Deutschland knapp 22 Prozent. Die Gründe dafür sind vielseitig. Auf der einen Seite werden klassische Frauenberufe wie in der Pflege immer noch schlechter bezahlt als technische, männerdominierte Berufe in der IT.

Auf der anderen Seite ist es für viele Frauen nach Babypausen noch immer schwierig, wieder in den Job einzusteigen. Viele können aufgrund von zusätzlichen Aufgaben wie der Kinderbetreuung nur Teilzeit arbeiten. Die Lohnlücke ist seit 2011 zudem kaum kleiner worden. In Europa ist das Verdienstgefälle in Italien und Rumänien (beide rund fünf Prozent) am geringsten.

Frauen bekommen deutlich weniger Rente
Laut Deutscher Rentenversicherung bekamen Frauen 2017 durchschnittlich 685 Euro an gesetzlicher Rente pro Monat – und damit fast nur die Hälfte der Rente für Männer (1172 Euro im Durchschnitt). Der Hauptgrund ist, dass Frauen insgesamt häufiger erwerbslos sind als Männer, mehr in Teilzeit arbeiten und wegen Kindererziehung und Pflege ihre Erwerbstätigkeit häufiger unterbrechen. Die Rentenbezugsdauer von Frauen lag im Jahr 2016 bei durchschnittlich 21,6 Jahren – ganze vier Jahre länger als bei Männern.

Anteil kinderloser Frauen steigt nur gering
Laut statistischem Bundesamt ist der Anteil von Frauen ohne Kinder zwischen 2012 und 2016 lediglich von 20 Prozent auf 21 Prozent gestiegen. Der Anteil der kinderlosen Frauen ist bei den Beamtinnen am größten (25 Prozent), bei der größten Gruppe der Angestellten blieb die Kinderlosenquote stabil bei 22 Prozent. Die Geburtenrate lag 2016 bei etwa neun Kindern pro tausend Einwohner.

Frauen holen im Arbeitsmarkt auf

Rund 55 Prozent aller Arbeitnehmerinnen zwischen 15 und 65 Jahren arbeiteten im vergangenen Jahr in einem sozialversicherungspflichtigen Job. Wie die Bundesagentur für Arbeit berichtet, sind das zwar mehr als noch vor sechs Jahren, allerdings noch immer weniger als Männer (61,8 Prozent 2017). Die Arbeitslosenquoten von lagen bei Männern und Frauen etwa gleich zwischen fünf und sechs Prozent, die Erwerbstätigenquote lag laut statistischen Bundesamt bei insgesamt 74,5 Prozent (Männer 82,7 Prozent).

Frauen leben häufiger von eigener Arbeit


72 Prozent der Frauen zwischen 25 und 55 konnten im Jahr 2016 in Deutschland von ihrer eigenen Erwerbstätigkeit leben. Wie das statistische Bundesamt mitteilte, waren es vor zehn Jahren noch deutlich weniger (64 Prozent). Im Osten sind es dabei mehr (77 Prozent) als im Westen (70 Prozent).

Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit
Von allen Frauen in einem sozialversicherungspflichtigen Job arbeiten 47 Prozent in Teilzeit. Während ein Teil von ihnen sich zusätzlich um die Kinderbetreuung oder die Pflege der Angehörigen kümmert, würden andere auch gerne mehr arbeiten. „Aus Befragungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wissen wir, dass jede zweite Frau ihre Arbeitszeit gern wieder ausdehnen würde“, so Valerie Holsboer aus dem Vorstand der Bundesagentur für Arbeit. Bei den Männern arbeiten lediglich elf Prozent in Teilzeit.

Immer mehr Frauen in Aufsichtsräten
2015 wurde das erste und bisher einzige Gesetz verabschiedet, dass dem Begriff „Frauenquote“ am ehesten gerecht wird. 30 Prozent sollte der Frauenanteil in den Aufsichtsräten von rund 100 börsennotierten Unternehmen betragen, andere Unternehmen mussten sich verbindliche Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen setzen. Der Quote wurden die 200 größten deutschen Unternehmen laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung im vergangenen Jahr durchschnittlich zwar noch nicht gerecht. Dennoch war der Frauenanteil in Aufsichtsräten mit knapp 25 Prozent so hoch wie noch nie.