10 Fragen und Mythen rund um Milch

Bereits als Kleinkind lernt man, dass Milch gesund ist. (Bild: Getty Images)

„Trink mal ein Glas Milch, dann wirst du groß und stark“ – das wird Kindern im Wachstum immer wieder nahegelegt. Und es stimmt: Schon ein Glas Milch liefert viel Eiweiß und viele Vitamine. Ob pur, als Käse, Joghurt, Butter oder mit Kakao – wir nehmen sie jeden Tag in etlichen Formen zu uns. Erfahren Sie hier zehn Fakten zur Milch.

1. Ist Frischmilch gesünder als H-Milch?

H-Milch ist Milch, die ultrahocherhitzt wurde. Das heißt: Sie enthält geringfügig weniger Vitamine als Frischmilch. Frischmilch wiederum wird nach dem Melken pasteurisiert und ist wie die H-Milch auch wärmebehandelt, aber bei weniger hohen Temperaturen. H-Milch und Frischmilch besitzen einen ähnlichen Anteil an den Vitaminen A, D, E, B2 und B5. Nur der Vitamin-C-Gehalt liegt bei Frischmilch etwa 20 Prozent höher als bei der H-Milch.

„Letztendlich ist die Milchart aber hauptsächlich eine Geschmackssache“, erklärt Diplom-Ökotrophologin Gabriele Kaufmann, Wissenschaftsredakteurin des Bundeszentrums für Ernährung. „Durch die Ultrahocherhitzung ändert sich der Geschmack der Milch etwas stärker als bei Frischmilch. Wichtig ist aber, dass – egal ob H-Milch oder Frischmilch – die offene Milchpackung in den Kühlschrank gehört.“ Nur so bleiben die Nährstoffe, der Geschmack und die Qualität der Milch so lange wie möglich erhalten und das Produkt genießbar.

2. Ist Milch eigentlich für Menschen ungeeignet?

„Solange man nicht unter Laktose-Intoleranz oder Allergien leidet, kann man immer empfehlen, Milch zu trinken“, erklärt Kaufmann weiter. „Milch ist mit der beste Kalziumlieferant für den Menschen. Verzichtet man aus ideellen Gründen auf Milchprodukte, sollte ich schauen, dass ich weiterhin noch gut mit bestimmten Nährstoffen, z.B. Kalzium, versorgt bin. Es sollten keine Defizite durch das Weglassen der Milchprodukte entstehen. Auf eigene Faust die Ernährung umstellen, ist schwierig, ein Beratungsaustausch mit einem Experten oder dem Hausarzt ist hier zu empfehlen.“

3. Kann Milch dick machen?

Etwa 1,3 bis 1,5 Liter Flüssigkeit sollte ein gesunder Mensch am Tag mindestens zu sich nehmen. Milch sollte aber nicht als Getränk auf dem Speiseplan landen. Durch den relativ hohen Fett- und Kaloriengehalt und ihre Nährstoffdichte zählen Experten Milch zur Gruppe der Nahrungsmittel. Bei Durst sollte man immer zu ungezuckerten Teesorten oder Mineralwasser greifen. 100 Milliliter Milch enthalten etwa 50 bis 65 Kilokalorien, je nach Fettgehalt.

„Der Knackpunkt bei der Milch in Diätplänen ist oft der Fettgehalt. Wenn ich bewusst abnehmen will, aber nicht auf Milch verzichten möchte, sollte ich die fettarmen Produkte bevorzugen“, erklärt Kaufmann. „Milch per se macht nicht dick. Wenn ich trotz Diät weiter meinen Sahnejoghurt essen möchte, muss ich an anderen Stellen mit Kalorien sparen oder mich einfach mehr bewegen.“ Es kommt am Ende immer auf die Menge und die Gesamtbilanz der Energiezufuhr an.

Eine Studie aus den USA bestätigte, dass bei Kindern, die im Alter von vier Jahren jeden Tag drei oder mehr Milchgetränke zu sich nahmen, das Risiko für Übergewicht um 16 Prozent im Vergleich zu Kindern, die maximal zwei Gläser pro Tag tranken, stieg.

4. „Milch macht müde Männer munter“ oder „Die Milch macht’s“

Diese zwei Sprüche haben viele schon einmal gehört: Der erste Spruch kommt aus der Nachkriegszeit, es ist ein Werbeslogan der „Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft“, kurz CMA, die den Milchkonsum in Deutschland in den 50er-Jahren damit ankurbeln wollte. Viele Jahre später wurde daraus der Spruch „Die Milch macht’s!“, der die Kinder in den 80er-Jahren prägen sollte. Beide Sprüche gehören, ohne dass viele ihre Originalquelle kennen, zu bekannten Redewendungen im deutschen Sprachgebrauch, Milch hat jedoch keine nachweisbar anregende oder potenzsteigernde Wirkung.

5. Wieso soll man Antibiotika nicht mit Milch einnehmen?

Bei Infekten bekommt man vom Arzt in einigen Fällen Antibiotika verschrieben. Diese sollte man jedoch nicht zusammen mit Milch einnehmen, denn in Einzelfällen kann es dabei zu gefährlichen Komplikationen kommen. Viele Substanzen in Antibiotika vertragen sich nicht mit dem Kalzium der Milch und vermindern so die Wirkung. Wichtig ist immer, den Beipackzettel des Medikaments zu lesen und auf solche Hinweise genau zu achten. In der Regel sollte man zwei Stunden vor und nach der Einnahme von Antibiotika keine Milchprodukte und auch kein kalziumreiches Mineralwasser zu sich nehmen.

Sind Bio-Kühe glücklicher als normale Milchkühe? (Bild: Getty Images)

6. Führt eine Bio-Milchkuh ein schöneres Leben als eine normale Milchkuh?

Bei der Produktion von Biomilch müssen die Milchkühe genug Auslauf auf einer Außenfläche und genug Raum im Stall haben. Ihr Futter ist zum größten Teil ökologisch angebaut und muss frei von Gentechnik, Geschmacksverstärkern und Zusatzstoffen sein. Auch bei einem Transport dürfen Biokühe im Gegensatz zu anderen Milchkühen nur minimalem Stress ausgesetzt werden. Das Leben einer Biomilch-Kuh ist trotzdem kein Spa-Besuch.
„Eine Kuh muss kalben, um Milch zu geben. Bis zur achten Lebenswoche des Kalbs steigt die tägliche Milchleistung stark an und geht dann langsam wieder zurück. Diese Periode heißt Laktation“, erklärt das Bundeszentrum für Ernährung auf seiner Website. „Um dauerhaft Milch zu geben, muss eine Kuh nahezu jedes Jahr kalben. Dafür wird sie sechs bis acht Wochen nach der Geburt wieder besamt und ist dann circa 284 Tage trächtig“, heißt es dort weiter. Die Milchkuh ist also „dauerschwanger“, um das ganze Jahr Tausende von Litern Milch produzieren zu können. Ein unnatürlicher Zustand für das Tier.

7. Wie viele Menschen vertragen keine Milch?

Wer Milch nicht gut verträgt, leidet oft unter einer Laktose-Intoleranz. Dabei wird im Körper nicht ausreichend Laktase gebildet – ein Enzym, das Milchzucker spaltet. Symptome der Intoleranz können Blähungen, Magenschmerzen oder Übelkeit sein. Hierzulande sind es gerade mal sieben bis acht Prozent der Bevölkerung, die Milch nicht vertragen.

8. Macht Milch starke Knochen?

Milch liefert viel Kalzium, das gerade in der Wachstumsphase eines Kindes gut für dessen Knochendichte ist. Forschungen ergaben, dass 245 Milliliter reine Milch (nicht andere Milchprodukte) pro Tag zu mehr Längenwachstum von 0,4 Zentimetern pro Jahr führt. Bei einer Milchunverträglichkeit muss ein Kind im Wachstum auf andere Kalziumquellen zurückgreifen.

9. Wie viel Milch trinken die Deutschen?

Jeder Deutsche konsumiert knapp 84 Kilogramm an Milchprodukten im Jahr, schreibt die Nachrichtenagentur dpa. Das entspricht einem Glas Milch oder einer kleinen Packung Quark.

10. Welche Milch schäumt am besten?

In der NDR-Sendung „Markt“ wurden verschiedene Sorten Milch für das beste Milchschaum-Ergebnis getestet. Ein Barista machte dafür mit frischer Vollmilch, frischer fettarmer Milch, haltbarer Vollmilch, fettarmer haltbarer Milch und frischer Bio-Vollmilch Milchschaum. Dabei kam heraus, dass aufgeschäumte Vollmilch wegen des höheren Fettanteils und ihrer Cremigkeit den besten Geschmack im Vergleich zur fettarmen Variante lieferte. Die fettarme Frischmilch war laut dem Experten für Milchschaum-Befürworter, die auf Kalorien achten möchten, ein guter Ersatz zur Vollmilch.

Wichtig bei dem Test war auch: Für den perfekten Milchschaum muss die Temperatur stimmen. Ist die Milch zu kalt, schäumt sie nicht gut auf.

Am besten sollte sie bei Raumtemperatur leicht aufgeschäumt und dann auf etwa 50 bis 65 Grad erhitzt werden. Wenn die Milch zu heiß wird – ab etwa 70 Grad – verliert sie ihre Süße und damit ihren Geschmack. Erhitzte Milch ist für Milchschaum schlecht, da die Proteine in der Milch gerinnen und sich die für den Schaum nötigen Bläschen nicht mehr bilden können.