Zehn erstaunliche Fakten zum zehnten Geburtstag des iPhone

Nils Jacobsen
Wirtschaftsjournalist und Techblogger
Zehnjährige Evolution: Vom Original-iPhone (2007, links) zum iPhone 7 (2017, rechts) (Foto: © Apple)

Am 29. Juni 2007 kam das wichtigste und erfolgreichste Verbraucherelektronikprodukt der vergangenen zehn Jahre auf den Markt – das iPhone. Apple-Gründer Steve Jobs hatte recht: Das iPhone veränderte buchstäblich alles. Ein Jahrzehnt nach dem Marktdebüt hat es eine ganze Generation in der Nutzung des mobilen Internets verändert – und Apple zum mit Abstand wertvollsten Konzern der Welt gemacht.

„Immer einmal wieder kommt ein revolutionäres Produkt daher, das alles verändert“, lockte Apple-Gründer Steve Jobs die Zuhörer seiner legendärsten Keynote Anfang Januar 2007. „Es ist ein ziemliches Glück, wenn jemand in seiner Karriere an nur einem dieser Produkte arbeiten kann. Apple kann sich sehr glücklich schätzen, gleich ein paar solcher Produkte eingeführt zu haben“, erklärte er mit Blick auf den ersten Macintosh und den iPod.

Doch das, was er den 5000 Besuchern präsentieren würde, sollte der größte Coup seiner überlebensgroßen Karriere werden. „Heute stellen wir gleich drei revolutionäre Produkte dieser Güteklasse vor.“ Drei Produkte auf einmal? „Ein iPod. Ein Handy. Ein Internet-Gerät.“ Job hielt bedächtig inne und wiederholte die Worte. „Versteht Ihr? Das sind nicht drei unterschiedliche Geräte. Es ist nur ein einziges. Und wir nennen es iPhone!“ Der Rest ist Geschichte.

1. Project Purple

Seit 2004 arbeitete eine geheime Projektgruppe bei Apple unter strengsten Sicherheitsauflagen am iPhone. Der interne  Codename für den Prototypen lautete „Purple“.

2. Das erste iPhone kam nicht von Apple

Dass Apple an einem Smartphone arbeiten würde, wurde bereits Jahre vor dem Launch 2007 kolportiert. Sogar der Name galt lange vor der Enthüllung als gesichert – schließlich hatte Apple bereits den iMac und den iPod und ein Software-Paket namens iLife auf den Markt gebracht – das iPhone schien der obligatorische Name für ein Smartphone aus Cupertino zu sein.

Es gab nur ein Problem: Der Netzwerkausrüster Cisco hatte über seine Tochter Linksys bereits Jahre zuvor ein VoIP-fähiges Telefon mit dem gleichen Namen auf den Markt gebracht.  Entsprechend verklagte Cisco Apple sofort nach der Produktvorstellung im Januar 2007. Wenige Monate später legten die US-Tech-Riesen die Streitigkeiten jedoch bei.

3. Erfindung des Jahres 2007 für das Time Magazine

Es dauerte Jahre, bis sich das iPhone den Massenmarkt erobern und zum Kassenschlager avancieren sollte, doch für das Time Magazine stand die zukunftsweise Bedeutung des revolutionären Apple-Smartphones bereits kurz nach dem Launch fest: das US-Nachrichtenmagazin kürte das iPhone 2007 zur „Erfindung des Jahres“.

4. 200 Patente – und trotzdem zahlreiche Prozesse

„Es funktioniert wie Magie“, konnte Steve Jobs Anfang 2007 gegen Ende der Keynote kaum mehr an sich halten. „Und Junge, wir haben das patentieren lassen“, bemerkte der Apple-CEO unter dem Gejohle von 5000 Kehlen im Moscone Center. Zum Launch 2007 hatte sich Apple mehr als 200 Patente gesichert.

Schon zwei Jahre später sollten, Patentierung hin oder her, jedoch Smartphones von der Konkurrenz auf den Markt kommen, die das iPhone mit der Multi-Touch-Bedienung des Displays nachahmten und dem Apple-Kultsmartphone sehr ähnlich sahen. Die Folge war der „Jahrhundert-Prozess“ gegen Samsung 2012, den Apple in erster Instanz gewann, sich dann jedoch über Jahre weiter hinzog.

5. Kein schneller Verkaufsschlager

Aus heutiger Sicht gilt das iPhone als das Erfolgsprodukt der modernen Verbraucherelektronik schlechthin. Zum Launch vor zehn Jahren wurde Apples Smartphone jedoch mit viel Skepsis betrachtet, zumal das erste iPhone mit 8 GB Speicher zunächst für happige 599 Dollar trotz zweijähriger Vertragsbindung in den Handel kam, während die damaligen Kassenschlager von Blackberry und Nokia seinerzeit für wenige hundert Dollar zu haben waren.

270.000 Exemplare gingen immerhin am Startwochenende über die Ladentische, doch bis zum einmillionsten verkauften Gerät sollte es ganze 74 Tage dauern und Apple den Verkaufspreis in der Zwischenzeit auf 399 Dollar senken müssen.

6. Der App Store verhalf dem iPhone zum Erfolg

Den eigentlichen Durchbruch verdankte Apples Kultprodukt dem Wandel seiner Softwarestrategie, die dem Kontrollfreak Steve Jobs kaum jemand zugetraut hatte. Im März 2008 verkündeten Jobs, Marketingchef Phil Schiller und der aufstrebende iOS-Entwicklungschef Scott Forstall auf einer speziellen Keynote den Fahrplan der nächsten Generation des mobilen Betriebssystems, das sich überraschend öffnete. Drittanbieter konnten künftig selbst Kleinstprogramme – sogenannte Apps – entwickeln, die Apple dann über seinen App Store vertrieb.

Der App Store wurde  mit dem Launch des iPhone 3G gestartet und zum schnellen Erfolg. 2,2 Millionen Apps stehen heute zum Download bereit. Apps sind im vergangenen Jahrzehnt zum multimilliardenschweren Ökosystem gewachsen: Bis Juni dieses Jahres hat Apple mehr als 70 Milliarden Dollar Umsatz an App-Entwickler ausgeschüttet.

7. Über eine Milliarde verkaufte iPhones

Rund 1,2 Milliarden iPhones hat Apple bislang in etwa verkauft – und damit mehr als jedes andere ikonische Produkt der Verbraucherelektronik. Der Durchbruch durch die magische Schwelle von 1 Milliarde verkauften Geräten gelang Apple im Juli vergangenen Jahres. Seitdem hat der Techpionier schätzungsweise rund 200 Millionen weitere iPhones abgesetzt.


8. Weltweite Smartphone-Nummer zwei

Obwohl das iPhone als singuläres Produkt mit Abstand das bestverkaufte Smartphone der Welt ist, muss Apple Samsung bei den gesamten Smartphone-Verkäufen den Vortritt lassen. Während Apple im vergangenen Kalenderjahr 216 Millionen Geräte absetze, brachten es die Koreaner dank eines breiteren und vor allem günstigeren Produktmixes auf 306 Millionen verkaufte Smartphones. Lediglich im Weihnachtsquartal, in dem Apple traditionell seine neuste iPhone-Generation vorstellt, lagen die Kalifornier zuletzt mit 78,3 versus 77,5 Millionen verkauften Smartphones vorne.

9. iPhone profitabler als jedes andere Produkt oder Unternehmen

Dafür erzielt Apple mit seinen hochpreisigen Smartphones, für die aktuell mit dem Premium-Modell iPhone 7 mit 256 GB Speicher bis zu 1119 Euro fällig werden, ungleich höhere Margen als Samsung. Wie der Marktforscher Strategy Analytics ermittelte, fuhr der Kukltkonzern als Cupertino im vergangenen Jahr 79.2 Prozent der Gewinne der gesamten Smartphone-Industrie ein – Samsung bringt es gerade mal auf 14,6 Prozent.

Apple hat im Kalenderjahr 2016 enorme 138,5 Milliarden Dollar Umsatz mit dem iPhone erzielt  – das entspricht 63 Prozent der gesamten Konzernumsätze. Weil die Profitmarge des iPhones so hoch ist wie bei keiner anderen Produktkategorie Apples, dürfte der Anteil am Konzerngewinn noch höher ausfallen. Strategy Analytics will ermittelt haben, dass Apple mit dem iPhone 2016 enorme 44,9 Milliarden Dollar verdient hat. In anderen Worten: Die iPhone-Sparte selbst ist profitabler als jedes andere Unternehmen der Welt.

10. Das iPhone 8 dürfte das bestverkaufte iPhone aller Zeiten werden

Pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum des Kultsmartphones steigt sowohl unter Apple-Fans als auch -Aktionären die Spannung: Im September wird nämlich mit dem iPhone 8 nach drei Jahren im gleichen Design endlich wieder ein rundum erneuertes Modell erwartet, das erstmals mit einem nahezu randlosen Display ausgeliefert werden soll.

Die Wall Street hat bereits begonnen die hohen Erwartungen einzupreisen und der Apple-Aktie in diesem Jahr zweistellige Zuwächse beschert. Analysten rechnen angesichts der iPhone 8-Euphorie im Fiskaljahr 2018 mit einem neuen Superzyklus und mehr als 240 Millionen verkauften Geräten. Nach dem iPhone ist bekanntlich vor dem iPhone.

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