Das 10.000-Dollar-Geschenk für Soundclouder

Die weltbekannte Berliner Musikplattform Soundcloud muss 173 Mitarbeiter entlassen. Die bekommen nun Hilfe aus ungeahnter Richtung. Der WeTransfer- Damian Bradfield bietet ihnen eine Starthilfe – unter einer Bedingung.



Damian Bradfield saß im Publikum, als Soundcloud-Gründer Alexander Ljung kürzlich auf der Bühne des Berliner Tech Open Air über die 173 Entlassungen bei seinem angeschlagenen Unternehmen sprach. „Es ist ja nett, dass er es bedauert“, flüsterte Bradfield, „aber hätte er nicht jedem 10.000 Dollar anbieten können, damit sie etwas Neues starten können?“ 

Nun macht es der Präsident des Filesharing-Start-ups WeTransfer eben selbst: In einem offenen Brief bietet er jedem der entlassenen Mitarbeiter der Berliner Musikplattform 10.000 Dollar – wenn sie ein eigenes Unternehmen im Musikbereich gründen. „Sucht euch keinen Job“, ist der Brief überschrieben. Vier Wochen haben sie Zeit, sich mit einer originellen Idee bei WeTransfer zu melden. 

„Das ist kein Investment“, schreibt Bradfield. „Mir ist schon klar, 10000 Dollar sind nicht viel. Aber wir haben auch klein angefangen und es kann dir ein bisschen Zeit schenken.“ Zeit, um die eigene Geschäftsidee zu entwickeln und zu testen.




Seit seiner Gründung 2009 ist WeTransfer zu einer der bekanntesten Filesharing-Plattformen der Welt aufgestiegen, mit 40 Millionen aktiven Nutzern im Monat. Der Brite Bradfield, der mit einer Niederländerin verheiratet ist, stieß 2010 zu den Gründern um den Amsterdamer Blogger Nalden, inzwischen ist er Chef des Boards der Firma. Das Geschenk an die Ex-Soundclouder könnte WeTransfer bis zu 1,73 Millionen Dollar kosten – nicht wenig Geld für die Firma mit einem zweistelligen Millionenumsatz, die mit Google Drive und Dropbox konkurriert. Und was hat ein Filesharing-Start-up überhaupt mit den Ex-Mitarbeitern einer Musik-Plattform zu tun?

Anders als die Konkurrenten ist WeTransfer vor allem in der kreativen Szene vernetzt. Musiker wie Oasis oder Moby nutzen die Seite, um exklusive Tracks mit ihren Fans zu teilen. Der Brite Bradfield zog deswegen im vergangenen Jahr nach Los Angeles, um nahe an den Musikern, Künstlern und Filmemachern der Stadt zu sein.

So ist Bradfields Wunsch, die frischen Unternehmer könnten die „Zukunft der Musik erfinden“, natürlich auch ein wenig eigennützig. Was er auch zugibt: „Unser Service wächst, je mehr die Leute produzieren“, schreibt er.