1 weitere unschöne Negativnachricht für die Wirecard-Aktie!

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Wirecard (WKN: 747206)-Anleger fragen sich wahrscheinlich schon seit längerer Zeit, wann es endlich einmal ruhiger um den Konzern wird. Über die vergangenen Monate und Jahre kamen immer wieder Negativmeldungen auf, die von manipulierten Geschäftszahlen über fehlerhafte Prospekte bis hin zu betrogenen Aktionären reichten.

Sie mögen alle nicht zutreffen, aber wie viele vergleichbare Fälle zeigen, sind solche Vorwürfe am Ende häufig doch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Gerade, wenn ganz unterschiedliche Interessengruppen Vorwürfe erheben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Geschäftspraktiken doch nicht ganz einwandfrei sind.

In diesen Tagen (04.03.2020) gibt es eine neue Negativmeldung zur Wirecard-Aktie.

Anlegerschützer stellen Strafanzeige

Nun hat die Wiener Aktionärsschutzorganisation „European Funds Recovery Initiative“ Strafanzeige gegen Wirecard gestellt. Der Vorwurf: Wirecard habe jahrelang mit betrügerischen Derivate-Trading- und Onlineglücksspielanbietern zusammengearbeitet. Besonders mit binären Optionen wurden in letzter Zeit sehr viele Anleger auf betrügerische Art und Weise um ihr Vermögen gebracht.

Aufgrund des Betrugs erreichten immer mehr Beschwerden die Aufsichtsbehörden, welche nun Anklage erheben. Die Wiener Anlegerschutzorganisation sammelte zunächst die Klagen von 780 geschädigten Anlegern, sodass es sich nicht um Einzelfälle handelt.

Insgesamt 28 Mio. Euro sollen die Bürger verloren haben. Doch welche Rolle spielt Wirecard dabei? Die Anbieter der Handelsdienste von binären Optionen benötigen Banklizenzinhaber, wie Wirecard, die Konten zur Abwicklung zur Verfügung stellen. Diese stellte der Zahlungsabwickler seit 2012 den Anbietern Option 888, Handel-FX, Banc de Binary, Algotechs, Bealgo, Any-Option, EZ Invest und 24-Option zur Verfügung. Zudem wickelte Wirecard entsprechende Kreditkartenzahlungen für diese Seiten ab.

Binäre Optionen sind hoch risikoreich

Wir können nur den Rat geben, binäre Optionen strikt zu meiden. Es gibt an der Börse keinen schnellen Weg zum Reichtum. Nur mit soliden Unternehmen oder Fonds kannst du langfristig stetig Vermögen aufbauen. Binäre Optionen sind Derivate, mit denen Termingeschäfte geschlossen werden können. Anleger können damit auf den Eintritt eines bestimmten Ereignisses (steigende oder fallende Kurse) innerhalb einer vorher festgelegten Zeit wetten.

Allerdings ist die Entwicklung der Optionen von so vielen Variablen abhängig, dass sie unberechenbar sind. Zudem tritt am Laufzeitende der Verfall und damit der Totalverlust ein, wenn nicht vorher verkauft wurde. Gewinner sind hier nur die Anbieter. Zudem findet der Handel meist außerbörslich statt.

Wirecard sieht sich nicht in der Schuld

Der Zahlungsabwickler weist die Vorwürfe zurück. Man wickle nur für staatlich zugelassene Anbieter Geschäfte ab. Darüber hinaus prüft Wirecard jedes Unternehmen auf illegale Praktiken.

Der Fall ist sicherlich etwas knifflig, denn streng genommen macht Wirecard nichts verkehrt, wenn es Zahlungen von staatlich zugelassenen Firmen abwickelt, selbst wenn diese, wie sich im Nachhinein herausstellt, den Anlegern mit ihren Produkten schaden.

Sollte dies der Fall sein, wird Wirecard wahrscheinlich kein großes Ungemach drohen. Dennoch entsteht der Eindruck, bei dem Unternehmen stehe der Gewinn an erster Stelle. Diese Einstellung wäre für Wirecard langfristig sehr schädlich. Selbst wenn Praktiken formal legal sind, wie es auch bei den Cum-Ex-Geschäften der Fall war, sollte ein Unternehmen auch immer überlegen, ob sie es auch nach dem eigenen Rechtsempfinden sind.

Wie dies enden kann, ist an der Deutschen Bank (WKN: 514000) ersichtlich, die über viele Jahre an illegalen Geschäften beteiligt war. Nur ein kompletter Managementwechsel könnte hier nun zu einer Wende führen.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

 

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