1 Euro jeden Tag in einen ETF investiert – erstaunlich, was das innerhalb eines Lebens ausmacht!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Einen Euro können vermutlich viele Sparer und Investoren Tag für Tag sparen. Möglicherweise nicht an jedem Tag direkt, jedoch vielleicht indirekt, indem sie immer mal wieder ihr Kleingeldfach ausleeren. Oder aber gezielt alle Zweieurostücke beiseitelegen. Tricks und Techniken, wie man auf eine solche Sparsumme kommen kann, existieren viele.

Das kann natürlich auch eine spannende Basis sein, um dieses Geld in einen ETF zu investieren. Getreu dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ kann selbst aus solchen kleinen Sparraten ein Vermögen werden. Aber was für eins?

Werfen wir in diesem Sinne heute einen Blick auf ein wirklich langjähriges Gedankenspiel, das ein durchschnittliches Leben einer Frau oder eines Mannes erfasst. Ich denke, die meisten werden überrascht sein, was für ein Vermögen hierbei langfristig entstehen kann.

So viel würde bei einem Euro in ETFs in einem Leben rumkommen

Um die Frage zu beantworten, müssen wir zunächst natürlich einige Basics definieren. Ein normales Leben messen wir an dieser Stelle mithilfe der durchschnittlichen Lebenserwartung, die heute bei ca. 79 Jahren bei einem Mann liegt und bei ca. 84 Jahren bei einer Frau. Toll für den, der älter wird, die Statistik gibt jedoch derzeit diese Schritte vor.

Eine durchschnittliche Rendite definieren wir einfach mal als 7 %, die in etwa die marktübliche Durchschnittsrendite über viele Jahre und Jahrzehnte bei gängigen ETF-Produkten gewesen ist. Ich denke, in Anbetracht eines normalen Durchschnittslebens können wir eine solche durchschnittliche Rendite daher wohl getrost zugrunde legen. An dem Wörtchen langfristig soll es jedenfalls nicht scheitern.

Grundsätzlich gehen wir dabei von 30 Tagen pro Monat und somit 360 Euro pro Jahr aus. Und jetzt, halt dich fest, kommen die Resultate, auf die du wohl seit drei Abschnitten sehnsüchtig wartest:

Als Mann wird man es dabei auf ein Vermögen von ca. 1.113.000 Euro bringen, als Frau mit einer etwa fünf Jahren längeren Lebenserwartung hingegen im Schnitt auf ein Vermögen von 1.563.000 Euro. Dabei hätte man als Mann lediglich 28.400 Euro selbst gespart, als Frau hingegen 30.240 Euro. Das nenn’ ich mal wirklich beeindruckende Zahlen.

Was wir daraus schlussfolgern können

Zugegeben, dieses Zahlenbeispiel weist einige Schwächen auf. Während die Alltagstauglichkeit noch mit bequemen ETF-Sparplanraten ab 25 Euro im Monat gegeben ist, müssen natürlich Steuern, Gebühren und die Inflation bei diesem Rechenexempel berücksichtigt werden. Gerade Letztere dürfte innerhalb der kommenden acht Jahrzehnte den Wert bedeutend reduzieren, die absoluten Werte bleiben dennoch bemerkenswert.

Zudem kann eine gewisse Kritik dahin gehen, was man mit dem Geld auf dem Sterbebett anfangen sollte. Quasi seine Mutter und seinen Vater investieren zu lassen und selbst dieses Ritual fortzusetzen, nur um das Geld zu vererben, ist womöglich ein unsinniger Ansatz. Allerdings ist das nicht die Intention meines Gedankenspiels.

Im Endeffekt wollte ich an dieser Stelle bloß dafür sensibilisieren, was gerade ein langfristiger Ansatz über Jahre und Jahrzehnte, möglichst früh begonnen, für einen bedeutenden Unterschied ausmachen kann. In unserem Zahlenbeispiel wäre aus einem Einsatz von lediglich 28.000 Euro beziehungsweise 30.000 Euro ein Vermögen von über einer Million Euro geworden. Dank der Macht des Zinseszins, der hier über Jahrzehnte hinweg konsequent unterstützt hat.

Möglicherweise sollte einem das zu denken geben. Entweder darüber, was man bereits verpasst hat, oder, konstruktiver, wo sich noch Möglichkeiten ergeben. Bei einem selbst, seinen Kindern, Enkeln oder wo auch immer: Zeit ist beim Zinseszins im wahrsten Sinne des Wortes Geld.

Ein vollkommen unterschiedliches Leben

Auch dieses Zahlenbeispiel zeigt daher einmal mehr, dass ein Leben mit der Börse, mit Rendite und mit der Macht des Zinseszinseffektes einen großen Unterschied ausmacht. Egal ob für dich, deine Kinder oder Enkel, es lohnt sich, so früh wie möglich mit dem Investieren zu beginnen.

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