Trapp verrät: So kam es zum Aus bei PSG

Christopher Michel
·Lesedauer: 4 Min.

Angel di Maria für 63 Millionen Euro, Layvin Kurzawa 25 Milllionen Euro teuer und Serge Aurier knapp zehn Millionen Euro schwer.

Der Name Kevin Trapp, der für 8,5 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt zu Paris Saint-Germain wechselte, war auf der europäischen Landkarte ein noch weitestgehend unbekannter. Dementsprechend hämisch fiel die Begrüßung von Superstar Zlatan Ibrahimovic aus, der ihm im ersten Training nach jedem Treffer ein "Welcome to Paris" entgegenrief. "Bonjour nouveau monde" - "Hallo neue Welt!" Statt Stefan Aigner, Haris Seferovic oder Alex Meier hießen die Teamkollegen nun Ibrahimovic, Edison Cavani oder Marco Verratti.

Nach einem guten Debütjahr ging es unter Emery abwärts

"Die Eintracht war zwar ein ambitionierter Verein. Aber Paris war damals schon ein Klub, der unbedingt die Champions League gewinnen wollte. Ob Ibrahimovic, Cavani oder Maxwell: Jede einzelne Position war mit einem Superstar besetzt", blickte Trapp im Podcast von Eintracht Frankfurt respektvoll zurück.

Die Integration fiel dem zurückhaltenden Schlussmann, der für seine Topleistung ein homogenes, familiäres Umfeld benötigt, nicht so einfach. Ein erstes Problem war dabei die Sprache: "Ich habe schnell Französisch gelernt, aber der größte Teil der Mannschaft hat vor allem italienisch gesprochen."

Doch der damals noch 24-Jährige setzte sich gegen den prominenten Konkurrenten Salvatore Sirigu durch und stand in 35 Liga- und zehn Champions-League-Partien zwischen den Pfosten. Der Trainerwechsel von Laurent Blanc zu Unai Emery veränderte die Situation für Trapp allerdings grundlegend. Er musste sich ab seiner zweiten Spielzeit mit Alphonse Areola duellieren, die Rotation wurde auf dieser sensiblen Position eingeführt.

"Es gab keine klare Ansage, sondern einen offenen Konkurrenzkampf. Du standest mal im Tor und warst dann wieder draußen. Ich hatte nie meinen Rhythmus, den du als Torhüter benötigst", klagte Trapp.

"La Remontada" - Trapp erlebt "historisches Ergebnis"

Und dann kam er: Der Tag, den auch Trapp "nie vergessen wird, obwohl ich ihn vergessen will". Das Wunder von Barcelona - "La Remontada". Und der Keeper erlebte im Achtelfinale der Königsklasse seine bislang schlimmste Niederlage, wie er zugab. PSG konnte das Hinspiel mit 4:0 für sich entscheiden und lag bis zur 88. Minute "komfortabel" im Camp Nou mit 1:3 zurück.

Dann aber schlug die Stunde der Katalanen und vor allem von Neymar, der die Partie innerhalb von sieben Minuten mit zwei Toren und einer Vorlage zum 6:1 drehte. Für Trapp, der bei einigen Gegentoren nicht den besten Eindruck hinterließ, war es unter Emery gefühlt das Ende: "Das war natürlich ein historisches Ergebnis."

Es war jedoch auch der Tag, an dem sich die Geldgeber von PSG dazu entschieden, noch einen weiteren Gang auf dem Transfermarkt zuzulegen. Neymar kam für die auch heute bestehende Rekord-Ablösesumme von 222 Millionen Euro in die französische Landeshauptstadt. Inzwischen steht der Brasilianer jedoch oftmals in der Kritik, bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland fiel er durch seine vielen Rollen und Einlagen auf.

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Trapp nimmt Neymar in Schutz

"Zu meiner Zeit war das Thema noch nicht aktuell. Es wurde dann aber auch statistisch belegt, dass Neymar der meistgefoulte Spieler der Liga war", nahm Trapp seinen früheren Kollegen in Schutz. "Obwohl die Menschen ihn nicht kennen, wurde viel über ihn geschrieben. Dadurch entsteht ein Bild, das nicht der Wahrheit entspricht. Ich kann das alles nicht bestätigen."

Der Schlussmann betonte daher vor allem den sportlichen Wert des Angreifers: "Wenn du Neymar im Team hast, dann hilft er dir. Er holt Fouls heraus und verschafft dir damit einen Vorteil." Bei der Nationalmannschaft habe er mit Julian Draxler über ihn gesprochen: "Es ist schwer, Neymar zu stoppen. Selbst wenn du ihn foulen willst, dann schaffst du das gar nicht."

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Unumstritten und beliebt in Frankfurt

Trapp hat also viel erlebt in seiner Zeit in Paris. Letztlich zog es ihn wieder zurück zur Eintracht, wo sich der Nationaltorhüter pudelwohl und am besten am besten aufgehoben fühlt.

Nachdem er in seiner letzten Spielzeit nur noch vier Ligaspiele für PSG bestritt, überdachte Trapp seine Zukunft: "Die Situation war nicht zufriedenstellend. Ich habe mich irgendwann hinterfragt und dann bewusst die Entscheidung pro Eintracht getroffen." Dort ist der 30-Jährige unumstritten, beliebt und mit einem bis 2024 laufenden Vertrag ausgestattet. Dennoch wird er die drei ereignisreichen Spielzeiten bei PSG, in denen er 14 Titel holte, nicht missen wollen.