1,5 Milliarden Euro für holländische Bankaktien


Bald neun Jahre nach der Rettung verkauft der niederländische Staat einen weiteren Anteil an ABN Amro. Er erhält dafür rund 1,5 Milliarden Euro. Damit sinkt der Staatsanteil an der Bank von 70 auf 63 Prozent, wie ABN Amro am Mittwochmorgen mitteilte.

Verwaltet wird der Staatanteil durch eine Stiftung. Sie hatte Ende vergangenen Jahres ebenfalls sieben Prozent an der Bank verkauft, für damals 1,4 Milliarden Euro. Ziel ist, dass der Staat ABN Amro letztlich komplett privatisiert.

ABN ist der größte Kreditgeber in den Niederlanden. Nach einigen schwierigen Jahren in Folge der Finanzkrise hat sich die Bank wieder berappelt. Im vergangenen Jahr verdiente sie fast 2,1 Milliarden Euro. Im ersten Quartal diesen Jahres kam ABN sogar auf einen Gewinn von 615 Millionen Euro – auch dank des Baubooms auf dem Heimatmarkt.

Die Bank war während der Finanzkrise in Schieflage geraten und verstaatlicht worden. Das allerdings könnte ein Verlustgeschäft bleiben – trotz des jüngsten Verkaufs von Anteilen: Die Niederlande hatten das Geldhaus zunächst mit fast 17 Milliarden Euro gestützt und mussten später noch mehr Mittel für die Rettung aufbringen.

Ursache für das Desaster war ein Bieterkampf um das Geldhaus im Jahr 2007, also als die Finanzkrise noch nicht wirklich ausgebrochen war. Letztlich kauften drei Banken ABN Amro für zusammen fast 71 Milliarden Euro - damals eine der größten Bankübernahmen überhaupt. Die Royal Bank of Scotland, Banco Santander aus Spanien und der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis teilten ABN Amro unter sich auf. Doch die Royal Bank of Scotland verhob sich bei der Übernahme und war selbst auf Staatshilfen angewiesen. Auch Fortis geriet in Probleme.


Um Schlimmeres zu verhüten, übernahm der niederländische Staat Teile von Fortis und von ABN – die Geschäfte wurden später unter ABN Amro Bank fusioniert. Als Auslöser des Ringens um ABN Amro gilt der britische Hedgefonds TCI. Anfang 2007 hatte der damalige Aktionär per Brief für die Aufspaltung der niederländischen Bank geworben - und für viel Aufsehen gesorgt.

In Deutschland gehört die Privatbank Bethmann zum ABN-Konzern. Kürzlich wurde bekannt, dass die einen erheblichen Teil der Stellen abbauen will.

Seit Herbst 2015 ist die Bank wieder an der Börse notiert. Damals trennte sich der Staat von 23 Prozent der Anteile. Bis Mittwochvormittag gab die Aktie um gut zwei Prozent nach. Seit dem Börsengang vor gut anderthalb Jahren ist der Kurs aber um fast 30 Prozent gestiegen.