1:0 gegen Chile: Löws Himmelsstürmer auf dem Confed-Cup-Thron

Joachim Löws junge Himmelsstürmer haben ihren märchenhaften Ritt durch den Confed Cup mit dem historischen ersten Titelgewinn gekrönt. Im hitzigen Finale der Mini-WM hielt das erstaunlich reife deutsche Perspektivteam dem Ansturm der Chilenen in einer Abwehrschlacht stand und triumphierte durch das goldene Tor von Lars Stindl mit 1:0 (1:0). Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) feierte in St. Petersburg nach dem EM-Titel der U21 am Freitag seinen zweiten Turniersieg innerhalb von 48 Stunden.

Die WM-Generalprobe in Russland war besonders für den Bundestrainer ein Erfolg auf der ganzen Linie. Auf der Suche nach den Weltmeistern von morgen empfahlen sich Löw im Turnierverlauf besonders die dreifachen Torschützen Stindl, Leon Goretzka und Timo Werner, der vor dem Siegtreffer clever seinem Gegenspieler den Ball stibitzte (20.).

Der auch im Endspiel sichere Torhüter Marc-André ter Stegen ist nun die klare Nummer zwei hinter Manuel Neuer. Es gilt, 2018 einen "Fluch" zu bannen: Noch nie gewann ein Confed-Cup-Sieger die folgende WM. "Es ist ja schön, Regeln zu brechen", sagte Manager Oliver Bierhoff.

Der letzte Schritt zum 8,6 Kilogramm schweren und 40 cm hohen Goldpokal war ein knallhartes Stück Arbeit. Chile überrannte die deutsche Elf 25 Minuten lang förmlich, unter dem Weltklasse-Pressing des Südamerikameisters erzitterte die diesmal von Shkodran Mustafi angeführte Abwehr. Doch wie im Gruppenspiel (1:1) zehn Tage zuvor befreite sich der Nachwuchs der Weltmeister und schnappte sich den Cup im 15. Länderspiel der Saison ohne Niederlage nicht unverdient. Das hatte der Mannschaft ohne alle Superstars wohl niemand zugetraut.

Löw lobte die Chilenen vorab als "stärksten Gegner", der zugleich die "taktisch flexibelste Mannschaft der Welt" aufbiete. Und eine der kampfstärksten: Nicht von ungefähr twitterte der erneut äußerst aggressive Bayern-Star Arturo Vidal vor dem Finale ein blutiges Schlachtengemälde.

Der Weltranglistenvierte setzte auf seine bekannte Überfalltaktik. In der fünften Minute musste ter Stegen mit dem Fuß gegen Vidal retten, Antonio Rüdiger war gegen den Leverkusener Charles Aranguiz zu spät angekommen. Chile machte enormen Druck auf den Ballführenden und spielte nach Ballgewinnen steil in die Spitze.

Die deutsche Abwehr wankte heftig: Der Aufbau bestand meist aus langen Schlägen ins Nichts. Nach zwölf Minuten hatten die bärenstarken Chilenen fünf Torschüsse abgegeben, nach einer halben Stunde hatte ter Stegen die meisten Ballkontakte aller Spieler.

Doch: Die erste deutsche Chance saß. Der frühere Hamburger Marcelo Diaz träumte am Strafraum und ließ sich den Ball von Werner abluchsen, der auf Stindl querlegte - 1:0. Eine Minute zuvor hatte ter Stegen noch Kopf und Kragen riskieren müssen, um das 0:1 zu verhindern (19.).

Ab der 30. Minute befreite sich die DFB-Elf allmählich aus der eisernen Klammer. Die besten deutschen Chancen hatten Goretzka (36./45.) und mehrfach Julian Draxler (40./55.), für den das Turnier eine Art Anführer-Seminar war. Der gute Kapitän hatte die Vorentscheidung auf dem Fuß.

Chile ließ vor 57.268 Zuschauern nach und wurde zunehmend unfair: Gonzalo Jara hätte für einen Ellbogencheck an Werners Kinn Rot sehen können (65.) - aber der serbische Schiedsrichter Milorad Mazic zeigte nach Video-Beweis nur Gelb. Nach der 70. Minute geriet die deutsche Mannschaft noch mehrmals in höchste Not, unter anderem schoss Angelo Sagal (84.) aus kurzer Distanz aus dem Gewühl über das leere Tor.

Vor der sonnigen Kulisse der Krestowskij-Insel am Rande eines Vergnügungsparks hatte Russland in einer 30-minütigen Abschlussfeier auf die vergangenen Ausgaben des Kampfs der Kontinente zurückgeblickt. Der frühere brasilianische Weltstar Ronaldo brachte den Pokal in die erst im April eröffnete Vorzeige-Arena.