Überwachungsvideos gelöscht: Bleibt Champions League-Chaos unaufgeklärt?

Auch zwölf Tage nach den chaotischen Zuständen rund um das Champions League Finale im Stade de France bleibt das Thema ein politischer Spielball. Jetzt wurde bekannt, dass alle Überwachungsvideos 7 Tage nach dem Skandal gelöscht wurden.

Polizisten und Fans beim Champions League Finale
Die Überwachungsvideos des Champions League Finales existieren nicht mehr. (Bild: REUTERS/Gonzalo Fuentes)

Die Liverpooler Reaktion auf diese neue Entwicklung: Der Bürgermeister der Metropolregion Liverpool, Steve Rotheram twitterte, er sei perplex und frage sich, wie das passieren konnte. Offenbar versäumte die Justiz, rechtzeitig eine Sicherung der Videos zu beantragen. Das bietet Stoff für neue Diskussionen, die nicht zur Glättung der Wogen diesseits und jenseits des Kanals beitragen dürften.

Schuldzuweisungen auf beiden Seiten

Innenminister Gerald Darmanin hatte ursprünglich Fans des FC Liverpool und deren Handel mit gefälschten Tickets für das Chaos haupverantwortlich gemacht und war dann nur teilweise und schwammig zurückgerudert.

Rotheram, der selbst am und im Stadion war, sprach hingegen von einer Kampagne gegen die Fans des FC Liverpool: "Ich denke, dass Herr Darmanin vielleicht versucht hat, nicht nur die öffentliche Meinung in Frankreich, sondern auch die Medien in der ganzen Welt in die Irre zu führen. In meinem Land weiß ich, dass Politiker die Realität manchmal gerne auf ihre eigene Weise sehen - Aber das entschuldigt auf keinen Fall die französischen Behörden, die eine Kampagne geführt haben, um die Schuld auf jemand anderen zu schieben und einen Sündenbock zu finden."

Klare Aussagen und Zahlen: Mangelware

Rund um das Endspiel gab es 230 Verletzte und 100 Festnahmen. Die von ihm und Darmanin genannte Zahl von 40.000 Liverpooler Fans am Stadion sei allerdings zu hoch gewesen, räumte der Pariser Polizeipräfekt Didier Lallement im Senat ein: "Vielleicht ist die von mir genannte Zahl von 30.000 -40.000 nicht ganz richtig, aber ich habe nie behauptet, dass diese Zahl genau stimmt, sie spiegelt aber perfekt, wie die Situation war."

Lallement sagte, er bedaure den Einsatz von Tränengas, das haupsächlich Fans aus Liverpool in Mitleidenschaft gezogen hatte. Er rechtfertigte aber auch den Gebrauch als alternativlos, um Menschenmassen zurückzudrängen. Lallement sprach von einem offensichtlichen Versagen: Menschen seien angegriffen und das Bild Frankreichs erschüttert worden. Positiv beurteilte der Präfekt jedoch, dass es keine Toten oder Schwerverletzten gegeben habe.

Im Video: Tumult bei Champions-League-Finale - Französische Minister beschuldigen englische Fans

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