Überrendite durch Indexanpassung

 

Einer Studie zufolge ergeben sich bei der Anpassung von Indexzugehörigkeiten konkrete Anlagestrategien zur Erzielung von Überrendite.

Nach der Markteffizienztheorie werden Informationen, die allen Marktteilnehmern frei und zeitgleich zugänglich sind, so in den Markt eingepreist, dass kein Marktteilnehmer gegenüber einem anderen einen signifikanten Vorteil erwerben kann. 

Eine Studie des National Bureau of Economic Research, Cambridge, belegt, dass diese theoretische Annahme in der Realität ausgehebelt werden kann. Das (Shenzhen: 002421.SZ - Nachrichten) berichtet die “Börsen-Zeitung” in ihrer aktuellen Ausgabe. Die Studie untersuchte den Einfluss der Umklassifizierung eines Index durch den Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI (Frankfurt: 3HM.F - Nachrichten) ). 

Die Autoren Terence Burnham, Harry Gakidis und Jeffrey Wurgler untersuchten 17 Indexanpassungen im Zeitraum zwischen 2000 und 2015. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Entscheidung des MSCI-Ausschusses, ein Land einem bestimmten Index zuzuordnen, sich auf die Umschichtungen von Vermögensbestandteilen  und so mittelbar auf die erzielbare Rendite auswirkt. 

Relevante Größe sei die Quote von Investoren, die sich bei ihrer Anlage am Index orientierten, sogenannte Benchmark-Investoren. Sie falle je nach Marktklassifizierung unterschiedlich groß aus. Im Bereich des MSCI-Emerging-Markets-Index erreiche die Zahl der Benchmark-Investoren einen Anteil von knapp 45%, Im All-Country-World-Index liege er bei sechs Prozent, im Developed-Country-Index betrage er 32%. 

Das Forscherteam stellte fest, dass in den neun Fällen, in denen MSCI das Land aus einer Klasse mit einem hohen Anteil an Benchmark-Investoren in eine Klasse mit einem niedrigeren Anteil Benchmark-Investoren überführte, eine signifikante Veränderung der Kapitalströme resultiert habe. Für den Zeitraum nach einer solchen Ankündigung einer Indexanpassung ergab sich in dem betreffenden Markt eine Unterrendite von durchschnittlich -12,5%. Im ersten Jahr nach der Reklassifizierung erzielte der Markt dagegen eine Überrendite von gut 23,3%.  Burnham, Gakidis und Wurgler folgerten, es empfehle sich entsprechend, den Markt erst zu verkaufen, wenn die Änderung bereits in Kraft getreten ist.

Das gegenteilige Bild resümierten die US-Amerikaner für Märkte, bei denen die Quote der Benchmark-Investoren mit der Indexanpassung anstieg, bspw. wenn ein Land zurück in den Emerging Markts gestufte worden ist. Hier ergab sich für die Zeitspanne zwischen Ankündigung durch MSCI und Realisierung eine Überrendite von 23,2%. Im folgenden Jahr dagegen eine Unterrendite von -12,4%. In diesem Fall wären Anleger gut beraten, bereits mit Bekanntgabe der Anpassungsmaßnahmen Gewinne mitzunehmen. 









(DW)