Überraschende Friedenssignale aus Korea

Die olympische Friedensoffensive von Südkoreas Staatschef Moon Jae In unterbricht den Koreakonflikt mit einem überraschenden Etappenerfolg. Erst hatte Moon Nordkorea zu den Winterspielen in Südkorea eingeladen – und der Norden war gekommen. Doch nun ist Nordkoreas Führer Kim Jong Un dem Südkoreaner auch bei einem größeren diplomatischen Meilenstein entgegengekommen. Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt soll es ein Gipfeltreffen der koreanischen Staaten geben.

Diktator Kim und die Unterhändler Moons haben nach zweitägigen Gesprächen im Norden unerwartet das Treffen beschlossen. Es soll Ende April im gemeinsamen Grenzort Panmunjom stattfinden.

Der Gipfel soll über die große Symbolik hinausgehen. Laut Südkoreas Delegationschef erklärte sich Kim zu offenen Gesprächen mit den USA über die nukleare Abrüstung bereit. US-Präsident Donald Trump hatte die Denuklearisierung stets als Bedingung für Verhandlungen erklärt.

Nordkoreas plötzliche Bereitschaft sei zwar dubios, sagte Frank Aum, Koreaexperte vom US Institute of Peace. „Aber die Tatsache, dass sie nach direkten Gesprächen mit Kim Jong Un gekommen ist, ist wichtig“, ergänzte der ehemalige Nordkoreaberater des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Man müsse nun direkt von Nordkorea hören, was Kim verlange.

Südkoreas Unterhändler wollen erst in den kommenden Tagen Washington persönlich über die Gespräche informieren. Über Twitter lobte Trump die Fortschritte, doch auf eine weitere Drohung wollte er nicht verzichten. „Die Welt wartet und schaut genau hin. Es sind vielleicht falsche Hoffnungen. Die USA sind bereit, auf jeden Ausgang mit aller Härte zu reagieren.“

Doch Südkoreas Präsident Moon kann das Treffen bereits als Erfolg verbuchen. Ein persönliches Gespräch der Oberhäupter beider koreanischer Staaten gilt als Durchbruch. Bisher haben sich politische Führer der getrennten Nation erst zweimal getroffen, so brisant war die Lage nach dem blutigen Koreakrieg Anfang der 1950er-Jahre. Doch seit Nordkorea 2017 mit neuen Tests von Atombomben und vor allem Langstreckenraketen sogar die USA direkt bedrohte, drohte der Konflikt zu eskalieren.

Noch ist offen, wie gesprächsbereit Kim tatsächlich ist

Vor wenigen Wochen erneuerte Trump seine Warnung, Nordkoreas Atomprogramm militärisch zu bremsen. Gleichzeitig zeigten sich die USA allerdings gesprächsbereit, falls der Norden über eine Denuklearisierung reden wolle.

Während der Olympischen Spiele kam es zu keinem direkten Treffen von Vertretern Nordkoreas und der USA. Dabei hatte Kim höchste Kader geschickt, darunter seine jüngere Schwester Kim Yo Jong. Sie gilt als Kims Sprecherin und übergab Moon die Einladung zum Gipfeltreffen persönlich. Auch jetzt nahm sie in Pjöngjang an den bilateralen Geheimgesprächen teil.

Dort scheint der Norden nun eingelenkt zu haben, ob dank Moons Avancen oder Trumps Drohungen blieb unklar. Kim erklärte sich zu einer Reihe von vertrauensbildenden Maßnahmen bereit. So will er unter anderem eine direkte Telefonverbindung mit Moon einrichten, um den Dialog zu vertiefen und die militärische Lage zu entspannen.

Südkoreas Chefunterhändler Chung zufolge hat der Norden zudem versprochen, alle militärischen Provokationen während der Gespräche zu unterlassen – inklusive Atombomben- und Raketentests.


Doch noch ist offen, wie gesprächsbereit Kim tatsächlich ist. Denn die Nacherzählung Chungs von Kims Position hört sich bekannt an. Der Norden habe demnach deutlich sein Bekenntnis bekräftigt, die koreanische Halbinsel von den Atomwaffen zu befreien – wenn die Sicherheit seines Regimes garantiert werde und die militärische Bedrohung Nordkoreas aufhöre.

Diese Forderungen sind nur scheinbar Selbstläufer. Denn Koreaexperten sehen darin einen Code, der übersetzt werden muss: Die Entfernung einer „militärischen Bedrohung“ oder „feindlicher Handlungen“ steht in dieser Lesart für ein dauerhaftes Ende der Militärmanöver der USA mit Südkorea und letztlich für einen Abzug der US-Truppen.

Ein Abzug der USA ist schwer vorstellbar. Doch auch ein Ende der Militärmanöver gilt als extrem unwahrscheinlich. Das weiß auch der Norden. Nach Darstellung Südkoreas hat Kim sogar akzeptiert, dass die großen Frühjahrskriegsspiele der Alliierten nachgeholt werden, die Südkorea und die USA wegen der Olympischen Spiele verschoben haben.

Umso heißer dürften die Experten in den kommenden Tagen über Kims wirkliche Motive streiten. Vielleicht will der Führer wirklich nur Zeit gewinnen und versuchen, einen Keil zwischen Südkorea und die USA zu treiben. Auf der anderen Seite hatte er voriges Jahr verkündet, dass Nordkorea nun eine Atommacht sei und sich auf wirtschaftliche Entwicklung konzentrieren wolle. Damit hat Kim in den Augen einiger Experten Verhandlungsbereitschaft signalisiert.

Weitere Informationen über die Gespräche könnten durchsickern, wenn Südkoreas Unterhändler in den kommenden Tagen in Washington die US-Regierung über die innerkoreanischen Verhandlungen informieren werden.

Für Adam Mount, Atomwaffenexperte der Federation of American Scientists, müssen die USA den Dialog „enthusiastisch“ bis zum Ende verfolgen, auch auf die Gefahr des Scheiterns hin. Sein Rat an Trump über Twitter: „Verhandele hart, plane für den Fehlschlag.“