Übernahme von US-Versorger Oncor: Elliott fordert Buffett heraus

dpa-AFX

NEW YORK/DALLAS/DES MOINES (dpa-AFX) - US-Starinvestor Warren Buffett bekommt bei der Übernahme des texanischen Stromanbieters Oncor Gegenwind von dem aktivistischen Hedgefonds Elliott. Der Fonds des streitbaren Milliardärs Paul Singer kündigte einen langen Übernahmekampf an für den Fall, dass Buffett seine milliardenschwere Offerte für Oncor und dessen insolventen Mutterkonzern Energy Future Holdings (EFH) nicht nachbessert. Elliott ist der größte Gläubiger von EFH.

In einem am Montag veröffentlichten Brief kritisierte Elliott, Buffetts Gebot biete nicht genug für die Gläubiger. Der Hedgefonds forderte, dass EFH deshalb Gebote von weiteren Interessenten zulässt. Oncor ist mit rund 10 Millionen Kunden der größte Stromanbieter in Texas.

Elliott bewertet Oncor mit 18,5 Milliarden US-Dollar und den umstrukturierten Mutterkonzern EFH mit 9,3 Milliarden Dollar. Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hatte am 7. Juli angekündigt, Oncor in einem Deal im Gesamtwert von knapp 18 Milliarden Dollar zu übernehmen - und 9 Milliarden für EFH zu bezahlen. EFH ist seit April 2014 insolvent. Frühere Übernahmeversuche durch NextEra Energy und Hunt Consolidated waren von der Aufsichtsbehörde abgeblockt worden.

Singers Hedgefonds-Gesellschaft Elliott Management ist dafür bekannt, sich in laufende Übernahmeprozesse einzuschalten und den Preis nach oben zu treiben - so geschehen bei der Übernahme des deutschen Kranherstellers Demag Cranes durch den US-Konzern Terex und beim Kauf von Kabel Deutschland durch Vodafone. Gerade erst soll Elliott beim Generikahersteller Stada eingestiegen sein. Die Finanzinvestoren Bain und Cinven unternehmen derzeit einen zweiten Anlauf, den Pharmakonzern aus Bad Vilbel zu übernehmen.

Für weltweites Aufsehen sorgte Elliott im Jahr 2012 mit dem Streit um das argentinische Marine-Schulschiff "Libertad". Der Hedgefonds hatte das Schiff im afrikanischen Ghana beschlagnahmen lassen, um Anleiheschulden vom argentinischen Staat einzutreiben. Allerdings führte das Vorhaben nicht zum Ziel: Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg zwang Ghana, das Schiff freizugeben, weil Kriegsschiffe nach internationalem Recht der Immunität unterlägen.