Überhitzte Preise an den Private Equity-Märkten – ein Problem für Aurelius?

Marlon Bonazzi, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius (WKN:A0JK2A) ist ein klassischer Private Equity-Investor, mit dem einzigen Unterschied, dass man keine Fonds auflegt, sondern das Kapital des Unternehmens investiert. Das heißt, Aurelius muss, wie jeder andere Investor auch, immer wieder gute Übernahmekandidaten finden, damit sein Geschäftsmodell und seine historisch hervorragenden Renditen aufrechterhalten werden können.

Nach vielen Jahren Niedrigzinsen schwimmen die Kapitalmärkte aber mittlerweile in Geld, das nach ertragreichen Anlagen sucht, und wer über Schulden noch mehr Kapital zur Verfügung haben will, findet dafür extrem gute Konditionen vor. Das Resultat ist, dass viele Private Equity-Firmen gar nicht mehr wissen, wohin mit dem ganzen Geld und somit immer mehr Branchenkenner von überhitzten Preisen reden.

Sollte das Aurelius-Aktionäre besorgen? Hier erfährst du, wie die Situation genau aussieht und ob die heißgelaufenen Märkte für Übernahmen ein Problem für Aurelius sind.

Deshalb ist die Situation nicht ideal

Wie schon beschrieben sind die Preise für Übernahmen ziemlich hoch. Nicht nur an den Anleihe- und Aktienmärkten wurden die Preise für viele Wertpapiere so hoch getrieben, dass die zu erwartenden zukünftigen Renditen niedriger als in der Vergangenheit sind. Private Equity leidet unter dem gleichen Phänomen, auch wenn es hier keine festen Kennzahlen gibt, um dies zu bestätigen. Branchenkenner berichten aber davon, dass man bereit ist, immer unattraktivere Konditionen in Kauf zu nehmen, um an Deals zu kommen.

Die Unsummen, die mittlerweile in Private Equity fließen, unterstützen die These, dass die Konditionen in der Branche schwieriger werden. Wie Bloomberg berichtete waren 2004 bereits circa 700 Milliarden US-Dollar in Private Equity investiert, Ende des letzten Jahres waren es dann aber gigantische 2,58 Billionen. Anfang September dieses Jahres warteten allein 963 Milliarden US-Dollar darauf, in Private Equity-Deals investiert zu werden.

Kein Wunder also, dass die Preise nach oben drehen. Wenn zu viele Bieter auf ein begrenztes Angebot stoßen ist das fast immer so. In der Wirtschaftswissenschaft gibt es dazu das passende Phänomen Fluch des Gewinners, man mag das Bieterverfahren gewonnen haben, aber man hat dabei einen zu hohen Preis gezahlt. Der vor wenigen Tagen mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Ökonom Richard Thaler hat dieses Konzept der Verhaltensökonomik maßgeblich geprägt.

Wieso Aurelius trotzdem gut positioniert ist

Das klingt also nicht gerade nach einer guten Ausgangssituation. Man kann die Sache aber auch anders betrachten. Hohe Preise bei Übernahmen stehen hohe Preise bei Verkäufen gegenüber, was sich gegenseitig bis zu einem gewissen Grad ausgleichen dürfte. Der Übergang zu einem deutlich weniger überschwänglichen Markt könnte tatsächlich eher unbequem werden, aber Aurelius dürfte aus fünf Gründen trotzdem gut gerüstet sein:

Erstens: Die Münchener zahlen schon immer eher wenig für ihre Übernahmen, da sie oftmals Beteiligungen übernehmen, die so umfangreich saniert werden müssen, dass die Verkäufer froh sind, sie loszuwerden, und nur sehr geringe Beträge dafür verlangen.

Zweitens: Aurelius ist klar auf europäische Unternehmen fokussiert. Hier schwimmt noch nicht ganz so viel Private Equity-Kapital wie in den USA herum, wo die Branche schon seit Jahrzehnten kräftig wächst. Gerade kleine und mittlere Unternehmen aus nicht-angelsächsischen Ländern dürften aus sprachlichen und kulturellen Gründen nicht unbedingt empfänglich für eine Übernahme durch einen amerikanischen Investor sein.

Drittens: Zwar wurden wegen der umfangreichen Anschuldigungen im Laufe einer Short-Attacke viele schlechte Worte über Aurelius verloren, aber viele haben den Investor über die Jahre als verlässlichen Partner erlebt. Die diesjährigen Rekordverkäufe von SECOP und Getronics haben deutlich gezeigt, wie diese Unternehmen unter Aurelius zu kräftigem Wachstum geführt wurden. Das man auch unbeliebte Aspekte finden wird, sollte nicht überraschen, schließlich sind Sanierungen kein Zuckerschlecken.

Viertens: Da Aurelius keine Fonds auflegt, hat es keinen festen Zeithorizont für seine Investitionen. Damit ist es sowohl beim Kauf- als auch Verkaufszeitpunkt flexibler als die meisten Private Equity-Firmen, und kann die Zyklen der Branche besser umgehen.

Fünftens: Aurelius ist noch vergleichsweise klein, so dass es keine gigantischen Mittel investieren muss und somit deutlich mehr Auswahl bei seinen Übernahmekandidaten hat.

Wie man sieht, sind das eigentlich ziemlich gute Voraussetzungen, dass Aurelius die Phase der überhitzten Private Equity-Märkte gut überstehen wird.

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Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2017