Überfischung? Europas Unterwasser-Kamera für die Quoten-Kontrolle

Wie kann man im trüben Wasser klare, präzise Bilder aufnehmen? Wissenschaftler des europäischen Forschungsprojekts Utofia haben dafür eine neue Kamera mit einem Laser entwickelt. Mit ihr kann man auch in trübem Wasser bis zu 12 Meter weit klare Aufnahmen machen. Und sie erstellt dreidimensionale Bilder.

Die Wissenschaftler testen in einer Fischfarm vor Südspaniens Küste einen Prototypen ihrer Kamera. Francisco Sánchez-Luengo Leví betreibt die Mastfarm für Roten Thunfisch, dessen Fang streng kontrolliert wird, und erklärt, warum das Projekt für ihn interessant ist: “Für uns ist es sehr wichtig, genau zu wissen, wie viele Fische in unsere Farm hineinschwimmen. Die Mastfarm ist in Käfige unterteilt. Es darf eine bestimmte Quote in die Farm hineinschwimmen, und dieses Gewicht darf nicht um ein einziges Kilo überschritten werden.”

Discover #H2020 UTOFIA_H2020: new, compact and cost-efficient concept for underwater range-gated imaging system https://t.co/Saykv1ajZB pic.twitter.com/WtQ9fIWm3M— EU Maritime & Fish (EU_MARE) 24 novembre 2016

Für die Betreiber solcher Farmen sind die herkömmlichen Kontrolltechniken zu ungenau und zeitaufwändig. Die neue, sehr kompakte Kamera könnte ein alternatives Kontrollinstrument werden, versprechen die Forscher. Sie nutzt Lichtwellen, um Daten über die Gegenstände vor ihrem Objektiv zu sammeln. Meeresbiologe Iñaki Quincoces erläutert: “Das ist ein Laser, der viele Male in der Sekunde Licht ausstrahlt, und der von der Kamera kontrolliert wird. Sie öffnet und schließt auch ihren eigenen Sensor. Sie kann die Entfernung berechnen, die zwischen ihr und dem Gegenstand liegt. Genau genommen berechnet sie die Zeit, die das Licht braucht, um hin- und wieder zurückgestrahlt zu werden.”

Kamera trickst Reflektionen im Wasser aus

Die Technologie schließt die Lücke zwischen herkömmlichen Kameras, die eine gute Auflösung haben, aber kurze Reichweite, und Sonargeräten, die aus weiteren Entfernungen filmen können, aber eine schwache Auflösung haben.

Abgesehen von schönen Bildern sammelt die Kamera Daten unter anderem über die drei Dimensionen ihrer Objekte. “Ich kann sehen, dass Thunfische in verschiedenen Entfernungen herumschwimmen, denn es werden verschiedene Farben angezeigt”, führt Iñaki Quincoces am Monitor vor. “Die Kamera gibt einem nicht nur die Entfernung an, sondern auch die dreidimensionale Darstellung des Objekts. Und damit kann man besser das Volumen berechnen, das Gewicht des Tieres – und das ist es, was uns interessiert.”

Good shooth of a FISH from 20 meters depth pic.twitter.com/V8yzOONvvx— UTOFIA Project (@UTOFIA_H2020) 16 juin 2017

Eine weitere Besonderheit der Kamera ist, dass sie auch in trübem Wasser klare Bilder machen kann – in Häfen oder am Meeresboden zum Beispiel, wo viele Partikel im Wasser schwimmen. José Maria Ferarios, Experte für Meerestechnik: “Wenn wir uns dem Meeresgrund nähern, brauchen wir Licht. Und dieses Licht spiegelt sich in den Partikeln am Boden und in den im Wasser befindlichen Partikeln wider und schafft in den ersten zwei Metern vor der Kamera so viele Reflektionen, dass herkömmliche Kameras die Blende schließen. Diese Kamera kann die ersten beiden Meter ausblenden, sie kann über den Bereich hinausschauen, in dem die Reflektionen zu intensiv sind.”

In fünf Jahren auf dem Markt?

Zusätzlich zur Kontrolle der Quoten könnte die Technologie den Fischfarmern auch ermöglichen, das Wachstum der Fische und die Entwickung des Bestandes präzise und automatisch zu verfolgen.

Abgesehen von den Einsatzmöglichkeiten in der Aquakultur könnte sie auch ein nützliches Instrument zur Messung der Wasserschmutzung sein oder zur Beobachtung der Artenvielfalt am Meeresgrund.

Die Forscher hoffen, die Kamera in spätestens fünf Jahren auf den Markt bringen zu können.

Generations meat. :-)

UTOFIA Camara Prototype 1. and Prototype 2. pic.twitter.com/YUT7WNdFgm— UTOFIA Project (@UTOFIA_H2020) 26 juin 2017

Mit Unterstützung der Europäischen Kommission