Warum sich über tausend Frauen auf die Warteliste dieses Startups setzen lassen

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Caroline Mitterdorfer, Silvia Hecher und Theresa Vilsmaier (v.l.) stecken hinter dem Berliner Startup, das die Fruchtbarkeit von Frauen mithilfe eines Onlinetools messen möchte.
Caroline Mitterdorfer, Silvia Hecher und Theresa Vilsmaier (v.l.) stecken hinter dem Berliner Startup, das die Fruchtbarkeit von Frauen mithilfe eines Onlinetools messen möchte.

Caroline Mitterdorfer war 27 Jahre alt, als sie wie jedes Jahr im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung zum Frauenarzt ging. Und die Diagnose erhielt, dass sich in ihrer Gebärmutter eine Vorstufe von Krebs breitmachte. „Das war für mich ein Aufwachmoment“, erklärt die heute 30-jährige Gründerin des Startups Leila im Gespräch mit Gründerszene. Sie begann, sich ausführlich mit dem Thema der Reproduktionsmedizin auseinanderzusetzen. Denn die Tumorerkrankung kann sich auch auf die Fruchtbarkeit auswirken, was wiederum die Familienplanung beeinflusst.

Auch wenn Mitterdorfer die Erkrankung gut überstanden hat und ihrem Kinderwunsch nichts im Wege steht: In Deutschland ist jedes zehnte Paar laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums ungewollt kinderlos. Davon wage nur ein kleiner Teil den Weg in eine Kinderwunschklinik, so Mitterdorfer. Zum einen, weil Unfruchtbarkeit ein Thema sei, das immer noch stark stigmatisiert werde. Zum anderen warten Paare häufig lange, bis sie sich professionelle Hilfe holen, weil die Behandlung schnell Tausende Euro kosten kann. Mitterdorfer zufolge kostet eine künstliche Befruchtung pro Zyklus in Deutschland 5.000 Euro. „Durchschnittlich brauchen Frauen drei Zyklen, um schwanger zu werden. Das macht 15.000 Euro“, rechnet die gebürtige Wienerin vor.

Startup will Alternative zu kostspieligen Klinikbehandlungen anbieten

Dabei sei der Besuch in einer Kinderwunschklinik nicht immer notwendig, denn in rund 70 Prozent der Fälle reiche es aus, wenn Paare Lebensstiländerungen vornehmen und etwa mehr Sport treiben und sich gesünder ernähren, erklärt Mitterdorfer. Mit ihrem Startup hat sie ein Onlinetool entwickelt, das Paaren dabei helfen soll, herauszufinden, warum es mit der Schwangerschaft nicht klappt. Frauen als auch Männer können das Angebot für sich nutzen. Jedoch fokussiere sich das Startups besonders auf die Behandlung der Frauen, da die Therapiemaßnahmen bei ihnen weiter reichten als bei Männern.

Auf der Suche nach einer Diagnose führt das junge Unternehmen mithilfe eines medizinischen Fragebogens eine Fruchtbarkeitsanalyse durch. Frauen müssen dabei rund 50 Fragen beantworten, insgesamt beinhalte das Befragungstool jedoch 190 Fragen. Dabei wird die Reihenfolge der Fragen durch die Antworten bestimmt. Der vom Startup eigens entwickelte Algorithmus steuert das Ganze. Wenn eine Patientin etwa Schmerzen während der Periode hat, versucht das Programm mit Nachfragen die Ursache zu ermitteln.

Patientenbetreuung findet virtuell statt

Es folgt ein Bluttest. Dafür arbeitet Leila hierzulande mit über 80 Laboren zusammen, die den Patientinnen und Patienten Blut abnehmen und diese auf eine Vielzahl biologischer Merkmale testen. Die Diagnose sowie Therapiemöglichkeiten werden anschließend in einer Videosprechstunde mit einem Reproduktionsmediziner besprochen. Ist die Kinderlosigkeit auf Lebensstilfragen zurückzuführen, betreut ein Team aus medizinischen Fachangestellten weiter. Ergeben Untersuchungen jedoch, dass Patientinnen und Patienten zusätzliche medizinische Hilfe von Experten brauchen, werden sie über weitere Schritte, wie etwa den Weg zur Kinderwunschklink, aufgeklärt und an Partnerklinken vermittelt. Eine Vermittlungsprovision erhalte das Startup nicht, so Mitterdorfer.

Der gesamte Service kostet Frauen einmalig 299 Euro. Nicht im Preis enthalten ist der Bluttest, der zusätzliche Kosten zwischen 99 bis 500 Euro verursacht. Interessierte können sich für Extragebühren Unterstützung von Spezialisten wie Ernährungsberatern dazu buchen.

Über 1000 Frauen stehen auf der Warteliste

Mitterdorfer, die aus der Hotellerie kommt, dann vier Jahre lang im Bereich Sales für das Berliner Software Startup Conichi arbeitete, gründete Leila im Jahr 2020. Zunächst bot sie Kinderwunschkredite an, um Paaren die Behandlungen in den Kinderwunschkliniken zu finanzieren. Ihre Co-Gründerinnen Silvia Hecher und Theresa Vilsmaier kamen im Januar 2021 dazu. Zu dritt wollten sie das Angebot von Leila erweitern und entwickelten daher den Algorithmus für den Fragebogen. Hecher leitete zuvor eine Kinderwunschklinik und war als Medizinjournalistin bei dem Online-Gesundheitsportal Netdoctor tätig. Vilsmaier ist die Ärztin im Team und arbeitet als Reproduktionsmedizinerin in einem Universitätsklinikum. Derzeit beschäftigt das Berliner Leila-Büro zehn feste Mitarbeiter.

Umsätze hat das Startup bisher keine gemacht, da der Launch der Plattform Mitte November dieses Jahres noch anstehe, so die Gründerinnen. Etwas unter einer Million habe Leila Anfang 2021 über Business Angels und private Investoren eingesammelt. Laut Mitterdorfer sind bereits über 1000 Frauen auf der Warteliste, um das Onlinediagnosetool auszuprobieren.

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