Über 2 Millionen Mann: Putin stockt seine Truppen auf

Der Streit um das umkämpfte AKW Saporischschja in der Ostukraine geht weiter. Nach der Notabschaltung von zwei Reaktoren hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die internationale Gemeinschaft aufgefordert, mehr Druck auf Russland zu machen, damit die Truppen das AKW räumen.

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA und andere Organisationen müssten viel schneller handeln als bislang, sagte Selenskyj am Donnerstag in seiner abendlichen Videoansprache in Kiew.

"Jede Minute, die das russische Militär im Kernkraftwerk bleibt, bedeutet das Risiko einer globalen Strahlenkatastrophe", sagte er. Weil zwei Mal die Stromversorgung ausfiel, hatten sich am Donnerstag zwei Reaktorblöcke der Anlage abgeschaltet. Ein russischer Diplomat stellte den Besuch einer Expertenmission der IAEA zu dem Werk für Ende August oder Anfang September in Aussicht.

Atomenergiebehörde: AKW-Expertenmission in wenigen Tagen

Die IAEA in Wien teilte mit, das Sicherheitssystem des Kraftwerks in Saporischschja habe zwei laufende Reaktoren abgeschaltet. Das AKW sei über die Stromleitung eines nahen Wärmekraftwerks weiter versorgt worden. Es sei nun wieder mit dem ukrainischen Stromnetz verbunden. Derzeit stünden nach ukrainischen Angaben alle sechs Reaktoren still, hieß es. Die russische Besatzungsverwaltung hatte dagegen mitgeteilt, ein Reaktorblock sei wieder angefahren worden.

IAEA-Direktor Rafael Grossi bekräftigte seine Bereitschaft, binnen Tagen mit Experten nach Saporischschja zu fahren. Ein russischer Diplomat bei den Vereinten Nationen nannte Ende August oder Anfang September als Zeit für eine Reise. Er sehe die Vorbereitungen optimistisch, sagte er im russischen Fernsehen. Über den Reiseweg der Delegation und die notwendigen Sicherheitsgarantien beider Seiten wird allerdings seit Wochen gestritten.

Russische Staatsduma: Ukraine nutzt westliche Waffen für AKW-Beschuss

Die Lage im größten Kernkraftwerk Europas und dessen Umgebung ist seit Wochen undurchsichtig. Russen und Ukraine werfen einander vor, das AKW zu beschießen. Das britische Verteidigungsministerium veröffentlichte Satellitenfotos, die angeblich russische Militärlastwagen neben einem Reaktor zeigen. Vergangene Woche zeigte ein nicht verifiziertes Video Militärfahrzeuge auch in einer der großen Maschinenhallen.

Derweil hat der Rat der russischen Staatsduma den Westen aufgefordert, keine schweren Waffen mehr an die Ukraine zu liefern. Diese habe das Gerät genutzt, um "Menschen zu töten und das Risiko einer nuklearen Bedrohung zu schaffen", indem sie das Atomkraftwerk Saporischschja beschossen habe. Die Ukraine sagt, Moskau sei verantwortlich für den Beschuss.

2 Millionen Mann: Putin stockt Truppen auf

Ein halbes Jahr nach dem Einmarsch in die Ukraine will Wladimir Putin seine Armee aufstocken – um 137.000 Mann. Das ordnete der russische Präsident per Dekret an. Ab 2023 sollen dem Militär dann mehr als zwei Millionen Menschen angehören. Ob die neuen Streitkräfte durch den Einzug von mehr Wehrpflichtigen oder durch freiwillige Soldaten gewonnen werden sollen, bleibt in dem Dekret unklar.

Oppositioneller Roisman wieder frei

In Russland ist Oppositionspolitiker Jewgeni Roisman wieder auf freiem Fuß – allerdings nur vorläufig und unter sehr strengen Freiheitsbeschränkungen. So darf er in den kommenden Wochen keine Anrufe tätigen, Post empfangen oder Internet nutzen.

"Am Ende wird alles gut, diese dunklen Zeiten gehen vorbei. Das wissen Sie ja bestimmt, aber ich möchte es noch einmal betonen. Vielen Dank an Sie alle für Ihre Unterstützung", sagte der ehemalige Bürgermeister von Jekaterinburg nach seiner Freilassung.

Roisman war am Mittwoch von schwer bewaffneten und maskierten Sicherheitskräften festgenommen worden. Moskau wirft ihm die Verbreitung von Falschnachrichten über die russische Armee vor.