Özdemir verurteilt Serie von Brandanschlägen auf türkische Einrichtungen

Der Grünen-Politiker Özdemir hat die Brandanschläge auf türkische Geschäfte und Kultureinrichtungen verurteilt. "Wer Moscheen hierzulande anzündet, um seinen Protest kundzutun, kann sich weder mit der türkischen Invasion in Afrin noch mit den Menschenrechtsverletzungen rausreden, seien sie noch so schlimm", sagte er

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat die Serie von Brandanschlägen auf türkische Geschäfte und Kultureinrichtungen verurteilt. "Wer Moscheen hierzulande anzündet, um seinen Protest kundzutun, kann sich weder mit der türkischen Invasion in Afrin noch mit den Menschenrechtsverletzungen rausreden, seien sie noch so schlimm", sagte der Grünen-Politiker der "Augsburger Allgemeinen". Zugleich warnte er vor zunehmender Gewalt im Kurdenkonflikt auf deutschem Boden.

Özdemir forderte beide Seiten auf, den Konflikt nicht nach Deutschland zu tragen. Zugleich forderte eine konsequente Verfolgung der Täter. "Gewalt rechtfertigt keine Gegengewalt", sagte er. Die Täter müssten sich vor dem Gesetz verantworten, gleich welchem politischem Spektrum sie zuzuordnen seien.

Islamverbände wiesen dagegen die Darstellung zurück, mit den Angriffen auf Moscheen werde der türkisch-kurdische Konflikt auf deutschem Boden ausgetragen. "Das hat damit überhaupt nichts zu tun", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, mit Blick auf die türkische Militäroffensive gegen die von Kurden bewohnten Stadt Afrin in Nordsyrien.

Ähnlich äußerten sich am Donnerstag Zekeriya Altug vom türkischen Moscheegemeinden-Dachverband Ditib und Islamrat-Chef Burhan Kesici bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Mazyek in Berlin. "Wir haben hier eine Islamfeindlichkeit, die wir gemeinsam bekämpfen müssen", sagte Kesici. Altug versicherte, die Mitglieder in den Islamverbänden seien "zu einem nicht unwesentlichen Teil kurdischstämmig und seit jeher fester Bestandteil unseres Gemeindelebens".

In den vergangenen Tagen wurden in Deutschland eine Reihe von Moscheen, türkischen Einrichtungen und Geschäften Ziel von Brandanschlägen und anderen Attacken. In mehreren Fällen gehen die Ermittler davon aus, dass extremistische Kurden hinter den Taten stehen.

Die Islamverbände beklagten fehlende Unterstützung. "Wir erwarten von den Sicherheitsbehörden und von der Politik eine stärkere Zuwendung", sagte Mazyek. Auch Altug erklärte: "Wir vermissen von Politik und Zivilgesellschaft eine klare und unmissverständliche Verurteilung dieser Schandtaten ohne Wenn und Aber."

Mazyek übte auch Kritik am Umgang der Türkei mit der Anschlagsserie. Die Einbestellung des deutschen Botschafters in Ankara in das türkische Außenministerium habe der Zentralrat der Muslime "mit einer gewissen Distanz und mit nicht so ganz richtigem Verständnis" zur Kenntnis genommen, sagte er. Dieses Vorgehen suggeriere, dass es sich um einen deutsch-türkischen Konflikt handele. Es sei aber "ein Konflikt, den wir hier in unserem Land klarmachen müssen".