Özdemir fordert Freilassung der "deutschen Geiseln" in der Türkei

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat erneut die Freilassung derjenigen Deutschen gefordert, die aus politischen Gründen in türkischen Gefängnissen sitzen. Dies sei eine Voraussetzung für eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei, sagte Özdemir den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagsausgaben). "Es liegt jetzt an der Türkei, die deutschen Geiseln freizulassen und keine neuen mehr zu nehmen", hob er hervor.

Weiter sagte Özdemir mit Blick auf die derzeit elf aus politischen Gründen inhaftierten Deutschen, eine solche Praxis dürfe es nicht geben zwischen befreundeten Ländern. "Wenn dieses Problem gelöst ist, kann man auch wieder über andere Themen reden."

Der Grünen-Chef, der auch als ein Kandidat für das Amt des Bundesaußenministers im Fall einer Jamaika-Koalition gilt, reagierte auf Äußerungen des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu. Dieser hatte sich für eine Verbesserung der Beziehungen zu Deutschland ausgesprochen, zugleich allerdings der deutschen Seite die Schuld für die derzeitige Krise gegeben. Auch zeigte Cavusoglu keine Bereitschaft zu einem Entgegenkommen im Fall des in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel.

Nach eigenen Angaben setzt sich Cavusoglu aber für eine Beschleunigung im Verfahren gegen den Berliner Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner ein, der seit Juli in der Türkei in Haft ist. Laut türkischen Medienberichten vom Sonntagnachmittag fordert die Staatsanwaltschaft allerdings für Steudtner und zehn weitere Menschenrechtsaktivisten bis zu 15 Jahre Haft wegen einer angeblichen Mitgliedschaft in einer "bewaffneten Terrororganisation". Dies wurde erst nach dem Interview der Funke-Medien mit Özdemir bekannt.