Österreichs Notenbankchef Nowotny macht Vorschlag zum Ausstieg aus der Nullzinspolitik


Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich von den jüngsten Äußerungen des österreichischen Notenbankchefs Ewald Nowotny zu Anleihekäufen und Zinsentwicklung distanziert. Dies seien die Ansichten von Gouverneur Nowotny, erklärte ein EZB-Sprecher am Dienstag. Sie würden nicht die Ansicht des EZB-Rats widerspiegeln. Dass sich die Notenbank von Äußerungen eines ihrer Ratsmitglieder distanziert, kommt äußerst selten vor. Nowotnys Äußerungen hatten jedoch die Märkte bewegt. Der Euro sprang zeitweise auf ein Tageshoch von 1,2377 Dollar.

Der österreichische Notenbankchef und EZB-Ratsmitglied hatte in einem Reuters-Interview unter anderem gesagt, er könne sich vorstellen, dass vor einer Erhöhung der Leitzinsen erst der Einlagensatz angehoben werde. Dabei brachte er eine Anhebung auf minus 0,2 Prozent von aktuell minus 0,4 Prozent ins Spiel. „Ich würde kein Problem damit haben, in einem ersten Schritt von minus 0,4 Prozent auf minus 0,2 Prozent zu gehen und dann als zweiten Schritt den Leitzins einzubeziehen“, sagte er.

Außerdem äußerte er die Erwartung, dass die Zeit für eine schrittweise Abkehr von der Politik des billigen Geldes in der Euro-Zone gekommen sei. Zunächst werde die Europäische Zentralbank (EZB) ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm wohl bis zum Jahresende auslaufen lassen, sagte er. Dies werde den Weg bereiten für die erste Zinserhöhung seit dem Jahr 2011. „Das ist die Struktur.“ Dabei sollten die Währungshüter graduell vorgehen, wobei zunächst der Einlagensatz angehoben werden könne.

Der Einlagensatz liegt seit März 2016 bei minus 0,4 Prozent. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass Geldhäuser Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der EZB über Nacht überschüssige Liquidität parken. Der Leitzins für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld steht seitdem bei 0,0 Prozent.


Experten erwarten aktuell, dass die EZB im Juni oder Juli ihre Pläne bekanntgeben wird, wie sie ihr auf 2,55 Billionen Euro angelegtes Anleihekaufprogramm beenden will. Die Käufe waren in den vergangenen drei Jahren das zentrale Kriseninstrument der Notenbank, um die Konjunktur und die aus ihrer Sicht unerwünscht niedrige Inflation anzuschieben. Viele gehen davon aus, dass die Käufe von aktuell monatlich 30 Milliarden Euro ab Oktober bis Jahresende auf null heruntergefahren werden.

Mehrere Währungshüter hatten zuletzt Übereinstimmung mit Markterwartungen signalisiert, nach denen nach einem Stopp der Käufe eine erste Anhebung von Schlüsselzinsen bis etwa Mitte 2019 möglich sei.

Zum exakten Zeitplan wollte sich Nowotny nicht äußern. Dazu sei es noch zu früh. Zu den jüngsten Kursschwankungen an den Börsen sagte er: „Ich denke, Zentralbank-Politik muss eine mittelfristige Strategie verfolgen.“ Der Handelsstreit zwischen den USA und China könne aber die Wechselkurse beeinflussen. Die Turbulenzen könnten Investoren dazu veranlassen, Geld in die Euro-Zone zu bewegen.

Ein starker Euro käme für die EZB in der aktuellen Phase des Übergangs zu einer weniger expansiven Ausrichtung zur Unzeit. Denn das schmälert tendenziell die Absatzchancen europäischer Waren auf dem Weltmarkt und verbilligt Importe, was die Inflation dämpft.