Österreichs größter Stromerzeuger begibt ersten grünen Schuldschein

Die Verbund AG startet einen Pilotversuch: Mit grünen Schuldscheinen will sie die Erneuerung eines Hochspannungsnetzes finanzieren.


Der Stolz stand dem Finanzvorstand des österreichischen Energiekonzerns Verbund ins Gesicht geschrieben. „Der Verbund leistet Pionierarbeit“, lobte Peter Kollmann sich selbst. Denn der Stromerzeuger begibt den ersten grünen Schuldschein über eine digitale, blockchainfähige Emissionsplattform. Die Transaktion mit einem Volumen von 100 Millionen Euro und einer Laufzeit von zehn Jahren finanziert die Erneuerung eines Hochspannungsnetzes auf 110 Kilometer im oberösterreichischen Donautal. Dort wird der Strom aus einem Wasserkraftwerk und einer Reihe von Windkraftanlagen eingespeist. Als einen „Meilenstein für den globalen Bond-Markt“, bezeichnete der 55-jährige Österreicher das Vorhaben.

Die börsennotierte Verbund, mehrheitlich im Besitz des österreichischen Staates, ist der größte Stromerzeuger in der Alpenrepublik. Zu rund 95 Prozent wird der Strom des börsennotierten Unternehmens aus erneuerbaren Energien erzeugt. Bereits 2014 hatte der Konzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt fast drei Milliarden Euro die erste grüne Anleihe in einem Volumen von einer halben Milliarde Euro und einer Laufzeit bis zum Jahr 2024 begeben und wurde damit zu einem Vorreiter der Branche. Ähnlich viel Hoffnung hegt der 55-jährige Finanzvorstand nun mit dem ersten digitalen, grünen Schuldschein. Partner für die Transaktion ist die Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, die bereits seit über zwei Jahrzehnten im Schuldscheingeschäft aktiv wird.

Wie Andreas Petrie, Leiter des Primärmarktgeschäfts bei der Helaba, am Montag in Wien sagte, ist die Kooperation mit dem Verbund in Österreich ein Art Pilotversuch. „Wir werden noch mehr grüne Schuldscheine begeben“, kündigt Petrie an, der seit mehr als drei Jahrzehnten in den Diensten der Helaba steht. „Wir haben eine konkrete Pipeline.“ Genauere Angaben wollte er nicht machen. Als Branche für grüne Schuldscheine nannte er neben der Energiebranche die Nahrungsmittelindustrie und Finanzen. „Jeder siebte oder achte Schuldschein hat die Chance, ein grüner Schuldschein zu werden“, prognostiziert der Frankfurter Banker.


Der erste digitale Schuldschein des Verbundes für erneuerbare Stromerzeugung und Versorgungssicherheit soll weltweit begeben werden. Verbund und Helaba zeigen sich überzeugt, dass es bei institutionellen Investoren einen hohe Nachfrage nach grünen Veranlagungsmöglichkeiten mit guter Bonität geben wird. Zur Verzinsung konnte das Unternehmen noch keine Angaben machen. Als Dienstleister fungiert die Plattform VC Trade von Value Concepts, die den gesamten Prozess transparent digital abbildet und die Kosten bis zu 40 Prozent, so Kollmann, senken hilft. Um die Glaubwürdigkeit des Schuldenscheins zu erhöhen, wurde er von einer Nachhaltigkeitsagentur zertifiziert.