Österreichischer Sportminister: "Keine Handhabe" gegen F1-Auftakt in Spielberg

Christian Nimmervoll

Nachdem am Montag auch die Formel 1 erstmals offiziell einen Saisonauftakt mit zwei Rennen in Spielberg als Ziel deklariert hat, rückt die Durchführung des Grand Prix von Österreich 2020 immer näher. Zumal auch die österreichische Bundesregierung das Projekt, das von Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko federführend geplant wird, unterstützt.

Solange bei so einer Veranstaltung die von der Bundesregierung gesteckten Corona-Rahmenbedingungen eingehalten werden, "sehe ich ja nicht einmal eine Handhabe, das zu untersagen", sagt Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Die Grünen) in einer Fragestunde zum Thema Sport in der Coronakrise, die am Sonntag im 'ORF' ausgestrahlt wurde.

Kogler, übrigens selbst ein gebürtiger Steirer, möchte diese Aussage aber nicht so verstanden wissen, dass die Regierung den Grand Prix am liebsten nicht genehmigen würde und zu etwas genötigt wird, was sie nicht möchte: "Wir wollen ja was ermöglichen", positioniert er sich als Macher und nicht als Verhinderer.

Klar sei aber auch, dass es auch für das Milliardenbusiness Formel 1 und den Red-Bull-Konzern mit dem Steirer Dietrich Mateschitz an der Spitze "keine großartigen Privilegien aufgrund von Einzelveranstaltungen" geben kann. Was für andere Sportarten gilt, müsse auch für die Formel 1 gelten.

Tennis & Co. gehen am 15. Mai wieder los

Und da ist die Situation in Österreich aktuell so: Ab 15. Mai werden Outdoor-Sportarten, bei denen ein Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern problemlos eingehalten werden kann, wieder freigegeben. Darunter fallen zum Beispiel Tennis, Golf, Reiten, Bogenschießen oder Leichtathletik. Sportarten, bei denen Körperkontakt unausweichlich ist, etwa Fußball, bleiben zunächst verboten.

Ob die Grands Prix von Österreich am 5. und 12. Juli stattfinden können, hänge "von den Veranstaltern" ab, sagt Kogler: "Tatsächlich war ich in Kontakt mit Helmut Marko. Da gibt es keinen Grund, das zu verheimlichen. Ganz im Gegenteil. Wir haben zu Ostern ein langes, ausführliches und weitblickendes Gespräch geführt."

"Mir war Folgendes wichtig: dass die Regeln dort genauso eingehalten werden und dass die Betreiber dieses Rennens alle Informationen kriegen, die sie dafür brauchen. Da haben wir auch schon einige Dinge übermittelt, die Informationen aus dem Gesundheitsministerium."

"Man muss nur darauf hinweisen, dass dort die Schwierigkeiten vielleicht weniger in Zwei-Meter-Abständen liegen als dass Ein- und Ausreisebestimmungen zu berücksichtigen sind und das doch ein größerer Tross ist, der hier anreist", spricht der Grünen-Politiker die mindestens 1.500 Personen an, die erforderlich sind, um den Event abzuwickeln.

Eines versteht sich für Kogler von selbst: "Da geht's natürlich um Geisterrennen und nicht um Zuschauer, die hier aus- und eingelassen werden sollen. Und ob das ausreichend günstig erscheint für die Formel 1, das muss sie selber entscheiden." Weil ohne Zuschauer die Haupteinnahmequelle für den lokalen Promoter wegfällt.

Was die An- und Abreise der Formel-1-Mitarbeiter betrifft, wird es keine Ausnahmen von aktuellen Bestimmungen geben: "Die Aus- und Einreisebestimmungen besagen, dass man entweder in Quarantäne gehen muss, die aktuellen zwei Wochen lang. Oder dass man ein Gesundheitsattest vorbringt, mit einem brauchbaren Test zugrunde gelegt", stellt Kogler klar.

Aufatmen bei regionalen Tourimusbetrieben

"Dass da ein großes Interesse besteht, ist für mich nachvollziehbar. Aber die Bedingungen müssen eingehalten werden", betont der Sportminister - und löst mit seiner grundsätzlich positiven Haltung zur Formel 1 in Österreich ein Aufatmen bei den Hotel- und Gastronomiebetrieben im Murtal aus. Diese würden von dem Event naturgemäß profitieren.

Und das in einer Zeit, in der viele vom Tourismus abhängige Betriebe aufgrund der Coronakrise ums Überleben kämpfen. "Es wäre ein Wahnsinn, im Blick der Welt zu sein nach einer sehr harten Krisenzeit", sagt Michael Ranzmaier-Hausleitner, Vorsitzender des Verbands Tourismus am Spielberg, im Interview mit Steiermark.ORF.at.

Er spricht von einem "Segen für die Region und auch für die Beherberger und Touristiker, und ich denke, dass der Werbewert dadurch noch besser werden wird für die Region, da ja viele gierig sein werden, vor dem Fernseher zu sitzen." Er geht in Zusammenhang mit einem Geister-Grand-Prix von 25.000 Nächtigungen aus. Das wäre zumindest "ein Tropfen auf dem heißen Stein".

Übrigens: Dass von einem Formel-1-Event in Spielberg in erster Linie die umliegenden Mateschitz-Hotels profitieren würden, glaubt Manuela Machner, die Geschäftsführerin von Tourismus am Spielberg, nicht: "Stimmt überhaupt nicht. Unsere Region hat überhaupt keine großen Bettenburgen, und Mateschitz schon gar nicht", sagt sie im Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

"Das sind nur ganz kleine Hotels, das heißt, es werden alle Hotels in der Region davon profitieren beziehungsweise die größeren Häuser, die bisher auch bereits Teams beherbergt haben", so Machner. "Die Hotels bereiten sich allgemein schon darauf vor, sich entsprechend aller Sicherheitsmaßnahmen zu rüsten, um grundsätzlich gewappnet zu sein."

Mit Bildmaterial von Werner Kogler (Twitter).